Zweite Liga Die nächste Karlsruher Großbaustelle: der KSC

Von Tobias Schächter 

Nach dem 0:5 beim FC St. Pauli wird die sportliche Situation für die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka immer prekärer. Der KSC steht auf einem Abstiegsplatz.

Au weia: Charalampos Mavrias sieht mit dem KSC  harten  Zeiten entgegen. Foto: dpa
Au weia: Charalampos Mavrias sieht mit dem KSC harten Zeiten entgegen. Foto: dpa

Karlsruhe - So spielt ein Absteiger“: Diese drastische Selbstanklage von Moritz Stoppelkamp nach der 0:5-Pleite seines Karlsruher SC am Montagabend beim FC St. Pauli ist entlarvend. Die Angst, am Ende unter jenen Mannschaften zu stehen, die den Gang in Liga drei antreten müssen, greift nach diesem Offenbarungseid in einem entscheidenden Spiel bei einem Tabellennachbarn auch in der Mannschaft des KSC um sich. Die Karlsruher sind auf einem Abstiegsplatz gelandet.

Die Kritik von KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer fiel gnadenlos aus: „Schlimm“, „grausam“ oder „so kann man nicht verteidigen“, waren noch die harmlosesten Beschreibungen des KSC-Gerumpels. Kreuzer wird in dieser Woche vor die Mannschaft treten und sie zu besseren Leistungen ermahnen. Ausnehmen von seiner ­Generalkritik will er aber explizit Trainer Mirko Slomka, der feststellen musste: ­„Bitterer kann eine Niederlage nicht sein, es war ein finsteres Erlebnis. Da ist mit der Mannschaft etwas zu besprechen.“

Die Innenverteidigung ist die größte Schwachstelle

Statt der Wende steht der KSC nach dem Debakel von Hamburg und nun vier sieg­losen Spielen in Serie mit dem bundesligaerfahrenen Trainer vor dem Absturz. Kreuzer und Slomka arbeiteten einst beim Hamburger SV zusammen. Nachdem Kreuzer im November nach dem Weggang von Jens Todt erneut als Sportdirektor zum KSC ­zurückgekehrt war, wurde auch der bei Publikum und Spielern unbeliebte Trainer Tomas Oral entlassen.

Doch Kreuzer und Slomka versäumten es in der Winterpause, den entscheidenden Schwachpunkt in der Kaderplanung zu beheben: In der Innenverteidigung spielen immer noch Bjarne Thoelke und Jordi Figueras. Beide haben kaum Zweitliganiveau, was sie mit vielen individuellen Fehlern bei den Gegentoren in St. Pauli wieder einmal bewiesen. Der in St. Pauli verletzt fehlende David Kinsombi ist nicht viel besser, in der Woche zuvor lag dieser bei der 1:2-Heimpleite gegen Union Berlin völlig daneben, der im Winter aus Sandhausen geholte Benedikt Gimber braucht noch Zeit.

Statt mindestens einen gestandenen Innenverteidiger zu verpflichten, wurden jüngst Offensivkräfte geholt. Und der im Januar vom SC Freiburg zurückgekehrte Jonas Meffert im defensiven Mittelfeld ist bislang auch kein Stabilisator. Der Mannschaft fehlt eine natürliche Hierarchie.

Es ist eine offene Frage, ob diese Elf sich selbst aus dem Schlamassel ziehen kann. Und es ist eine spannende Frage, wie das Karlsruher Publikum reagieren wird. Die Erinnerung an längst vergangene Europapokalzeiten mit Trainer Winnie Schäfer weckt Jahr für Jahr immer unrealistischere Erwartungshaltungen. Der KSC ist kein selbstverständlicher Aufstiegskandidat. Schäfer meldete sich nun überraschend via Facebook so zu Wort: „Heute bin ich von dem, was ich gesehen habe, nicht nur enttäuscht, es macht mich auch wütend, denn desto genauer man hinschaut, desto offensichtlicher wird, wie tief die Probleme verwurzelt sind.“ Die gut funktionierende sportliche Konstellation mit dem damaligen Trainer Markus Kauczinski und Sportdirektor Jens Todt (Relegationsspiele um den Aufstieg 2015) wurde vergangenen Runde ohne Not gesprengt.

Der Stadionumbau steht immer mehr in der Kritik

Zu sagen, um den KSC herrsche Euphorie in der Stadt, wäre schon seit Jahren eine dreiste Lüge. Die aktuell triste sportliche Situation passt für viele Karlsruher auch nicht mit den hochtrabenden Plänen für den geplanten Aus-Umbau des alten Stadions zusammen. In der nächsten Saison sollen im Wildpark die Bagger rollen. Die Karlsruher sind genervt von den ständig steigenden Kosten des Umbaus der Verkehrswege, die nach neuesten Schätzungen auf über eine Milliarde Euro ansteigen. Da passt ein teures neues Stadion für einen Club, der der dritten Liga näher ist als der ersten, nicht recht ins Bild. Das Argument von Club und Stadt für den Um-Neubau ist aber auch stark: Die Instandhaltung der alten Arena kostet pro Jahr drei bis vier Millionen Euro, das ist hochgerechnet auf 20 Jahre ziemlich viel verschwendetes Geld.

In Karlsruhe gibt es viele Baustellen, der KSC ist seit Montag auch sportlich eine.