Zweiter Weltkrieg 70 Jahre Kriegsende: Alle Fakten

Von SIR/dpa 

Millionen Tote und ein Kontinent in Schutt und Asche - vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende. Japans Kapitulation sollte erst im August folgen - nach zwei Atombombenangriffen.

Zwei Passanten stehen 1959 vor den Ruinen der ehemaligen Reichskanzlei im sowjetischen Sektor von Berlin. Links einer der turmartigen ehemaligen Bunkereingänge. Das ehemalige Hauptquartier von Adolf Hitler am Potsdamer Platz zwischen Wilhelmstraße und Vosstraße, in dem sich auch der unterirdische Befehlsbunker des Führers befand, ist dem Erdboden gleichgemacht. Pläne der Ostberliner Baubehörden, das gesamte Gelände in einen Volkspark nach sowjetischem Vorbild umzugestalten, scheiterten vorerst an der Widerstandsfähigkeit der unterirdischen Betondecken und der Bunkereingänge. Foto: dpa 32 Bilder
Zwei Passanten stehen 1959 vor den Ruinen der ehemaligen Reichskanzlei im sowjetischen Sektor von Berlin. Links einer der turmartigen ehemaligen Bunkereingänge. Das ehemalige Hauptquartier von Adolf Hitler am Potsdamer Platz zwischen Wilhelmstraße und Vosstraße, in dem sich auch der unterirdische Befehlsbunker des Führers befand, ist dem Erdboden gleichgemacht. Pläne der Ostberliner Baubehörden, das gesamte Gelände in einen Volkspark nach sowjetischem Vorbild umzugestalten, scheiterten vorerst an der Widerstandsfähigkeit der unterirdischen Betondecken und der Bunkereingänge. Foto: dpa

Berlin - Der Anblick ist gespenstisch. Wie Höhlenbewohner ziehen die Menschen in der Dunkelheit durch die Trümmerreste der einstigen Weltmetropole: In den ersten Maitagen von 1945 gleicht Berlin einer Geisterstadt. Unter dem blauen Frühlingshimmel rückt die Rote Armee immer weiter vor. Da hat sich Adolf Hitler längst der irdischen Gerechtigkeit entzogen, der Traum vom Endsieg war schon lange geplatzt.

Ein paar Wochen vorher hatte er noch etwas Realitätssinn durchschimmern lassen und eine Niederlage mit ins Kalkül gezogen: „Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir können untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen“, droht er Ende Dezember 1944, als die letzte deutsche Offensive in den Ardennen scheitert. Da haben die Alliierten Nazi-Deutschland bereits in die Zange genommen.

Der Untergang von Hitlers Imperium habe sich lange abgezeichnet - nicht erst seit der Niederlage in Stalingrad 1943, sagt Herfried Münkler, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin. Schon bald nach dem deutschen Einmarsch in Polen am 1. September 1939 sei das Regime seiner Gewaltlogik verfallen. „Ab Herbst 1940 kann man von einer Flucht in immer neue Kriege sprechen“, schreibt Münkler. Die NS-Elite habe auf die einzige Machtsorte zurückgegriffen, die sie besaß: Krieg.

Hitler verliert Aura der Unverwundbarkeit

Im Sommer 1944 lässt sich die aufziehende Götterdämmerung nicht mehr weglügen. Die Alliierten haben nach ihrer Landung in der Normandie ihre Stellung auf dem europäischen Festland gesichert. Im Osten durchbricht die Rote Armee mit der „Operation Bagration“ die 700 Kilometer lange Front der Heeresgruppe Mitte, im Süden nehmen die Alliierten Rom ein. Mit dem gescheiterten Anschlag auf Hitler in der „Wolfsschanze“ am 20. Juli verliert Hitler die Aura der Unverwundbarkeit - das Regime steht vor einer Zäsur, schreibt der britische Historiker Ian Kershaw. Langsam zieht sich die Schlinge zu.

Die Nazis reagieren mit mehr Terror. Zweifler und „Defätisten“ werden unbarmherzig verfolgt, die NSDAP besetzt mehr und mehr öffentliche Positionen. Mit dem „Volksturm“, dem letzten militärischen Aufgebot, wird die Gesellschaft bis in den letzten Winkel militarisiert.

Die Alliierten-Forderung nach bedingungsloser Kapitulation akzeptieren die Deutschen nicht. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels schürt die Angst vor einem „Vernichtungskrieg“ gegen Deutschland. Die Ablehnung einer Kapitulation sei die Rechtfertigung für den Kampf bis zum Ende gewesen, schreibt Kershaw. Im Winter 1944/45 unterstützt zwar nur noch eine Minderheit in der „Volksgemeinschaft“ Hitler fanatisch. Doch die Generäle kuschen, ein Aufstand bleibt aus. „Rette sich, wer kann!“, lautet die Devise. Im Januar 1945 verschanzt sich Hitler in Berlin. Er versucht mit aller Macht das Blatt zu wenden. Vor seinem Tod wird er den Führerbunker nur einmal verlassen.

In Kyrillisch prangt: "Ruhm dem Großen Sieg"

In zehn Kilometern Luftlinie vom einstigen Bunker Hitlers prangt über der Eingangshalle einer Villa in Berlin-Karlshorst auf Kyrillisch: „1941 - 1945 - Ruhm dem Großen Sieg“. Den Sieg, den der goldene Schriftzug meint, hat das Haus fast unbeschadet überstanden. Im Garten des Deutsch-Russischen Museums stehen russische Panzer und ein Raketenwerfer.

Nachdem in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 im einstigen Offizierskasino Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und die anderen Spitzen der Wehrmacht ihre Unterschriften unter die Kapitulationsurkunde setzen, schweigen in Europa die Waffen.

Noch heute stehen im holzgetäfelten Saal auf einem Konferenztisch die Fähnchen der Siegermächte. Die Deutschen dürfen an einem Katzentisch Platz nehmen - eine Demütigung, wie sie vier Tage vorher bereits Generaladmiral Hans­Georg von Friedeburg erlebt.