Stabiles Dach, das auch in Krisenzeiten breiter wird: Hauptstelle der Vereinigten Volksbanken am List-Platz in Böblingen Foto: Archiv/Stefanie Schlecht Foto:
Zwar hinterlässt die schwache Konjunktur Bremsspuren in der Bilanz der Vereinigten Volksbanken. Doch im Gesamtergebnis bleibt die Bank stabil positiv – auch dank ihrer regionalen Verankerung.
Das wirtschaftliche Klima könnte zwar rauer kaum sein, doch der Tanker Vereinigte Volksbanken steuert stabil durch die unruhige See. „Trotz der Herausforderungen im Jahr 2024 sind die Ergebnisse überwiegend erfreulich“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Niethammer auf der Pressekonferenz am Donnerstag in Böblingen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr folgte er zum 1. Juli auf den langjährigen „VV“ Wolfgang Klotz, der in den Ruhestand gegangen ist. Niethammers erste Bilanz kann sich sehen lassen, steht doch vor vielen Positionen ein Plus und kein Minus. Wenn auch nicht vor allen.
Umschichtung bei Einlagen Die veränderte Zinssituation spürt die Bank insbesondere bei den Kundeneinlagen: „Das von uns betreute Vermögen unserer Kunden bei unseren Partnern konnten wir um annähernd sieben Prozent steigern“, teilt das Geldhaus mit. Immer mehr Kunden entschieden sich außerdem für Anlagen in Wertpapiere und Fonds sowie Festgeldprodukte. Das zeigt sich in den Zahlen: Die Spareinlagen gingen um 18,4 Prozent im Jahresvergleich zurück auf 324 Millionen Euro. Dafür wuchsen die Festgeldprodukte um knapp ein Drittel auf nun 706 Millionen Euro. Im Bereich Giro- und Tagesgeldkonten zogen die Kunden Guthaben ab, ein Minus von 0,4 Prozent auf 3,1 Milliarden steht hier in der Bilanz. Wer risikofreudiger unterwegs ist und im weltweiten Aktienmarkt investiert, habe deutlich davon profitiert, die dortigen Schwankungen auszuhalten. Welt-Indizes und Fonds seien vor allem bei einer jüngeren Kundschaft beliebt, Stichwort: ETFs, was für Exchange Trading Funds steht – passive Fonds ohne Verwaltungsgebühren und damit höheren Renditen. Insgesamt verbuchen die Vereinigten Volksbanken einen Zuwachs von 2,1 Prozent bei den bilanziellen Einlagen, die sich jetzt auf 4,1 Milliarden belaufen. Das Geld kam der Bank auch insofern zugute, dass sie selbst teure Kredite bei anderen Instituten ablösen konnte.
Diverses Bild im Kreditgeschäft Das Geschäftsmodell der Bank besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen: Zinsüberschuss und Provisionen. Da die Zinsen in schnellen Sprüngen 2022 zurückkamen, konnten die Volksbanken ihren Zinsüberschuss von 85,4 auf 87,9 Millionen Euro steigern. „Positive Entwicklungen verzeichnen wir insbesondere bei Darlehen für private Baufinanzierungen mit einer Wachstumsrate von 4,4 Prozent, auch bei den gewerblichen Immobilienfinanzierungen sind wir mit einer Steigerung der Bestände um 1,6 Prozent zufrieden“, sagt Vorstand Thomas Krätschmer. Die Zahlen seien zwar leicht unter Plan, aber dennoch zufriedenstellend. Interessant ist dabei, dass die Volksbanken mit ihrem breit gespreizten Geschäftsgebiet vom Schwarzwald über den Schönbuch bis zur Schwäbischen Alb jeweils unterschiedliche Trends sehen: „In Calw, Sindelfingen und Weil der Stadt sind Privat- und Firmenkredite gewachsen, sowie Produkte zur Zinsabsicherung, also Derivate und Bausparen.“ In Reutlingen hingegen wuchsen Wertpapiere und Einlagen sowie die Zahl der genossenschaftlichen Mitglieder.
Vorstände Krätschmer, Rehorsch-Hartmann, Riegger und Niethammer (v. l.): Zufrieden mit Wachstum Foto: Vereinigte Volksbanken
Mehr Provisionen und Eigenkapital Über die gesamte Gruppe schloss die Bank mehr Verträge bei den Verbundpartnern wie der Union Invest oder der R+V-Versicherung ab, was zu einem um 1,8 Millionen Euro höheren Provisionsüberschuss führte, der 2024 bei 39,5 Millionen lag. In Summe steht für die Vereinigten Volksbanken eine um 1,9 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gewachsene Bilanzsumme auf dem Papier und ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 34,6 Millionen Euro. Das ist zwar ein Rückgang um 3,3 Millionen. Dennoch fließen rund 15 Millionen Euro ins Eigenkapital. „Dieses Kapital benötigen wir, um den Firmen- und Privatkunden Kredite für deren geschäftliche Weiterentwicklung zur Verfügung zu stellen“, heißt es vom Vorstand. Außerdem hat die Bank einmal ausgerechnet, wie viel Geld sie im vergangenen Jahr in die Region überwiesen hat – über Gehälter, Ertragssteuern, Spenden, Dividenden und Arbeitgeber-Abgaben. „Das ergibt die stolze Summe von 50 Millionen Euro“, sagt Vorständin Annette Rehorsch-Hartmann.
Stabile Dividende und Verschmelzung Was die 80 337 Genossenschaftsmitglieder nach einem Geschäftsjahr traditionell am meisten interessiert, ist die Dividende auf ihren Genossenschaftsanteil. „Diese wollen wir stabil bei zwei Prozent halten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Niethammer. Die Mitglieder würden aber zusätzlich durch weitere Vergünstigungen profitieren. Die Zahl der Mitglieder sei sogar leicht gewachsen – entgegen dem demografischen Trend. Und sie wird im Jahresverlauf noch mal einen deutlichen Sprung machen, steht doch die Verschmelzung mit der VR-Bank Magstadt-Weissach ins Haus. Dann sollen es 85 000 Mitglieder sein und die Bilanzsumme auf 5,5 Milliarden Euro wachsen. Dafür – wie für den gesamten Jahresabschluss – sind allerdings noch Beschlüsse der jetzigen Mitglieder vonnöten. Die technische Verschmelzung ist auf September dieses Jahres angesetzt.
Die wichtigsten Zahlen
Bilanzsumme Die Summe der Aktiva und Passiva wächst um 1,9 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr.
Kundenkredite Die Summe aller Ausleihungen steigt ebenfalls leicht um 1,8 Prozent auf jetzt 3,9 Milliarden Euro an.
Kundeneinlagen Diese sind bei den Volksbanken etwas mehr als die Kredite, weshalb das Haus leicht passivlastig ist: plus 2,1 Prozent auf 4,1 Milliarden stehen in der Bilanz.
Betreutes Kundenvolumen Zum Jahresende belief sich das gesamte Kundenvolumen auf 11,9 Milliarden Euro, ein Plus von 3,2 Prozent. Die Zahl der Kunden blieb mit rund 160 000 konstant, die Mitglieder wuchsen leicht auf 80 337.