Im Stuttgarter Rathaus wachsen die Sorgen, was mit dem zweitgrößten geplanten Wohnungsbauprojekt der Stadt, dem Eiermann-Campus im Stadtbezirk Vaihingen, passiert. Wie berichtet, ist der Eigentümer des knapp 200 000 Quadratmeter großen Areals, der luxemburgische Immobilienkonzern Adler-Group, in eine finanzielle Schieflage geraten, die sich offenbar immer weiter verschärft.
Adler veräußert Immobilienprojekte in Hamburg und Frankfurt
Nun meldet der Branchendienst Thomas Daily, die Adler-Group weise für das erste Halbjahr 2022 einen Verlust von mehr als 600 Millionen Euro wegen Abschreibungen aus. Um weitere Kredite aufnehmen zu können, setzte Adler daher auf den Verkauf von Projekten – notfalls auch unter dem Buchwert. In Hamburg etwa hat der Konzern bereits im Juli ein Projekt unter dem Namen „Neues Korallusviertel“ verkauft, in Frankfurt wurden ebenfalls zwei noch zu entwickelnde Grundstücke veräußert.
Adler selbst berichtet, das Unternehmen habe in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2022 einen Erlös aus der Veräußerung von Anlageimmobilien in Höhe von 1,06 Milliarden Euro erzielt. Komplett abgeschrieben hat Adler den Kaufpreis für ihre heutige Tochtergesellschaft Consus Real Estate in Höhe von 91,4 Millionen Euro. Consus Real Estate ist bisher in Stuttgart als Projektentwickler für den Eiermann-Campus zuständig. Erst vor wenigen Tagen waren Vertreter von Adler und Consus zu einem Gespräch bei Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) im Rathaus geladen. Dabei hatte Pätzold das Interesse der Stadt an einem Einstieg der Stadt beim Eiermann-Campus bekräftigt.
Im Rathaus wachsen die Zweifel am Investor
Die Vertreter des Investors hatten in dem Gespräch zwar ihrerseits die Absicht bekräftigt, den Eiermann-Campus fertigzustellen. Doch angesichts der Verkäufe in anderen deutschen Großstädten wird im Rathaus daran zunehmend gezweifelt. Eine Entscheidung über einen Einstieg der Stadt soll im Herbst getroffen werden. Auf dem als neues Stadtquartier vermarkteten Campus sind neben Büros und Infrastruktur Wohnungen für 4000 Menschen geplant.
Mehrere Fraktion des Gemeinderats hatten sich bereits dafür ausgesprochen, dass die Stadt im Fall eines Verkaufs das Areal erwerben und selbst erschließen solle. Doch ob die Stadt zum Zuge kommt, dürfte im Wesentlichen vom Kaufpreis abhängen. Weil Pätzold den Bebauungsplan für das Areal im Mai nach Bekanntwerden der finanziellen Turbulenzen bei Adler auf Eis gelegt hatte, dürfte sich der Kaufpreis für das Grundstück auf 280 bis 300 Millionen Euro belaufen – mit gültigem Bebauungsplan wäre er um ein Vielfaches höher. Aufhorchen lässt in dem Zusammenhang die Mitteilung der Adler-Group, wonach die Projekte in Hamburg und Frankfurt „mit einem kombinierten Abschlag zum Bruttovermögenswert von nur 13,6 Prozent verkauft“ worden seien.