Zwetschgenernte im Kreis Böblingen Obstbauern blicken mit Sorge auf den Zwetschgenanbau

Noch hängen die Früchte am Zweig, schon bald landen sie im Kuchen. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Bäume hängen voll, die Haupternte kommt nächste Woche ins Rollen. Obstbauern treibt nicht nur die Sorge um den Ertrag um.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Wer dieser Tage an Streuobstwiesen vorbeikommt, sieht Zwetschgenzweige, die prasselvoll mit den lila-blauen Früchten behangen sind. Wird es ein gutes Zwetschgenjahr? „Das ist von der Sorte abhängig“, sagt Helmut Werner, Vorsitzender des Arbeitskreises Erwerbsobstbauern im Kreis Böblingen.

 

Er selbst baut auf seinem Bondorfer Betrieb drei verschiedene Zwetschgensorten an. Eine sei normal behangen, eine übervoll und eine trage nur ein Fünftel der normalen Menge. „Dabei haben alle voll geblüht“, sagt Werner und erklärt den unterschiedlichen Ertrag mit dem trüben, regnerischen Wetter der letzten Monate. Wenn ein Baum zu wenig Sonne abbekommen und schlecht entwickelte Blätter habe, stoße er Früchte ab, um sich zu schonen.

Zwetschgenanbau ging drastisch zurück

Was den Zwetschgenertrag insgesamt angeht, rechnet Werner heuer mit einer „mittleren bis guten“ Ernte. Allerdings sei die erfasste Menge im Raum Herrenberg in den vergangenen 30 Jahren drastisch gesunken. „Früher waren es 400 000 Kilogramm, jetzt sind es noch 80 000 Kilogramm“, rechnet er vor. Die meisten Zwetschgen würden noch in den Ortschaften Mönchberg und Kayh angebaut. Gründe für den starken Rückgang der letzten Jahrzehnte nennt er viele. Zum einen ist da der Scharka-Virus, der seit Mitte der 1990er-Jahre massenhaft Bäume der Sorte Hauszwetschge befiel. Von ihnen seien heute nur noch fünf Prozent vom ursprünglichen Bestand übrig. Nicht alle Obstbauern hätten neue Zwetschgenbäume gepflanzt.

Als weiteres Problem nennt Werner die steigenden Produktionskosten bei gleichgebliebenem Zwetschgenpreis. Die großen Supermarktketten würden die Früchte billig aus Osteuropa zukaufen und so den Preis drücken. „In den letzten Jahren kommen die Zwetschgen vor allem aus Moldawien. Sie sehen super schön aus, schmecken aber nicht“, sagt er Obstbauer. Die Selbstvermarktung an Bäcker oder über eigene Hofläden nehme zwar zu, sei aber noch lange nicht so erfolgreich wie bei Kirschen oder Erdbeeren.

Immer weniger Landwirte ließen sich auf diese erschwerten Bedingungen ein. „Die Generation, die so was mit Idealismus betreibt, stirbt aus“, sagt Werner. Zumal sich die Zwetschgenernte infolge des Klimawandels um drei, vier Wochen nach vorne verschoben habe und nun mitten in die Ferienzeit falle. „Da muss man sich fragen: Fahre ich mit meiner Familie in den Urlaub oder steige ich auf den Zwetschgenbaum?“

Einer, der diesen Idealismus noch hat, ist Uwe Braitmaier. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Mönchberg ist Landwirt im Nebenerwerb und baut auf 0,8 Hektar Zwetschgen an. Seine Bäume waren ebenfalls mit dem Scharka-Virus befallen, weshalb er im Jahr 2000 neue Bäume der Sorte Jojo pflanzte. In einer Woche will er ernten und rechnet mit einem mäßigen Ertrag. „Zur Blütezeit hatten wir nasskaltes Wetter, dadurch war der Bienenflug sehr schwach.“

„Das geht nur mit viel Idealismus“

Was Schädlinge betrifft, sei die Lage momentan „relativ gut im Griff“. Allerdings sei das Pflanzenschutzmittel, das gut gegen den Maden legenden Pflaumenwickler helfe, ab nächstem Jahr nicht mehr zugelassen. „Dann wird es extrem schwierig“, befürchtet Braitmaier. Seine Familie überlege, ob sie unter diesen Voraussetzungen mit den Zwetschgen weitermache oder nicht.

„Es wäre schade für das Gebiet“, sagt der 62-Jährige. Aber wenn er für zehn Kilo Zwetschgen nur 3,90 Euro bekomme, er aber eigentlich 8 Euro einnehmen müsste, damit es sich rechne, „dann geht das nur im Nebenerwerb und mit viel Idealismus. Eigentlich ist es ein Hobby und wir tun es, um die Kulturlandschaft Streuobstwiese zu erhalten.“

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