Zwischen Calw und Weil der Stadt Die Fledermäuse bremsen die Hermann-Hesse-Bahn weiter aus

Seit dem Start der Hesse-Bahn fahren die Züge nur einmal pro Stunde zwischen Calw und Weil der Stadt. Foto: Ulrike Otto

In den zwei Tunneln mit Fledermaus-Kammern dürfen die Züge nur mit Tempo 30 fahren. Der anvisierte 30-Minuten-Takt verschiebt sich. Dem Regierungspräsidium fehlen noch Berichte.

Kleine Tiere, große Wirkung – geschützte Fledermausarten haben der Hermann-Hesse-Bahn in den vergangenen Jahren erhebliche Verzögerungen und Kostensteigerungen eingebracht. Auch nach dem Betriebsstart am 1. Februar sorgen die fliegenden Säugetiere weiterhin für Einschränkungen auf der Strecke zwischen Calw im Nordschwarzwald und Weil der Stadt (Kreis Böblingen).

 

Denn bislang fährt die Hesse-Bahn nur einmal pro Stunde – statt wie geplant zweimal in den Hauptzeiten. Der Grund: In den beiden Tunneln Forst und Hirsau dürfen die Züge aktuell nur mit Tempo 30 rollen und sind damit zu langsam, um einen 30-Minuten-Takt auf der rund 20 Kilometer langen Strecke hinzubekommen.

Und das wird vermutlich noch eine Weile so bleiben. Ursprünglich war eine Umstellung auf den 30-Minuten-Takt im Laufe des Aprils vorgesehen. „Wir hoffen jetzt auf den Sommer“, sagt Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands der Hermann-Hesse-Bahn. Grund dafür ist eine fehlende Freigabe durch das Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständige obere Naturschutzbehörde.

Regierungspräsidium: Es gibt Nachbesserungsbedarf bei der Hesse-Bahn

Die beiden Eisenbahntunnel sind 1872 für die Württembergische Schwarzwaldbahn gebaut worden und wurden und nun für die Hesse-Bahn saniert. Nach der Stilllegung der Strecke Ende der 1980er Jahre hatten sich dort Fledermäuse einquartiert. Die Tunnel sind wichtige Winterquartiere und Anlaufstellen in der Paarungszeit für etwa 1000 Tiere aus 18 Arten geworden.

Das Große Mausohr ist eine von 18 Fledermausarten, die in den Tunneln der Hesse-Bahn vorkommen. Foto: dpa

Dieser Umstand hätte das Bahnreaktivierungsprojekt 2016 fast zu Fall gebracht, als der Naturschutzbund Nabu gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt hatte. Ein über zwei Jahre erarbeiteter Kompromiss brachte das Vorhaben wieder zurück in die Spur: Heraus kam die sogenannte Tunnel-in-Tunnel-Lösung, bei der eine zweite Röhre in die Bestandstunnel eingezogen wird und eine Kammer für die Fledermäuse bleibt.

Zudem wurde vor den Tunnelportalen eine Einhausung als Verlängerung der Bahnkammer vereinbart, ausgefeilte Technik soll ebenfalls zum Einsatz kommen, um die Fledermäuse in die richtige Öffnung zu lenken. Dies wurde 2025 mit einer zunächst provisorischen Einhausung getestet.

Einhausung an einem Tunnel der Hesse-Bahn bei einer Testfahrt im Januar Foto: Lightworkart/Manuel Kamuf

„Die Wirksamkeit war hoch. Es zeigte sich allerdings auch, dass noch Nachbesserungsbedarf besteht, weil die Vergrämung noch nicht für alle vorkommenden Fledermausarten im erforderlichen Maße wirksam eingerichtet werden konnte“, erklärt das Regierungspräsidium Karlsruhe auf Anfrage. Dafür seien vielfach die laufenden Bauarbeiten verantwortlich gewesen. Zudem konnte ein spezielles System zur Vergrämung nicht am Provisorium getestet werden.

Ab Juni soll die Hesse-Bahn bis Renningen fahren

Bevor die Züge also mit höherer Geschwindigkeit durch die Tunnel fahren dürfen, müsse die Wirksamkeit aller Maßnahmen abschließend nachgewiesen werden. Zwischenstände dazu müssen nach Angaben des RP Ende Februar sowie Ende März vorgelegt werden. Dies sei auch in der aktuellen Fassung des Planfeststellungsbeschlusses so festgehalten.

„Der Endbericht soll die Phase von Abwanderung und Frühjahrsschwärmen der Fledermäuse mit berücksichtigen und bis Mitte Mai 2026 erstellt werden“, teilt das RP Karlsruhe mit. Dieser bilde dann die Grundlage einer abschließenden Entscheidung.

Der 30-Minuten-Takt könnte dann vielleicht mit einem weiteren Fortschritt bei der Hesse-Bahn zusammenfallen: der Verlängerung der Strecke bis Renningen. Am Bahnhof Renningen müssen noch Signalanlagen eingebaut werden, wofür dieser für eine Woche gesperrt werden muss. Dies soll in den Pfingstferien erfolgen.

Allerdings, so schränkt das Regierungspräsidium in Karlsruhe ein: Sollten die Vergrämungsmaßnahmen nicht funktionieren und Fledermäuse in den Bahntunnel einfliegen, müssten alle Züge sofort wieder das Tempo drosseln.

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