Zwischen Diät und Wahnsinn Weibsbilder

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Mager wie die Models oder lieber stark wie Bodybuilder? Schönheitsideale wandeln sich über die Jahre hinweg. Eine Frage bleibt : Warum werden Frauen immer noch stärker nach ihrem Aussehen bewertet als Männer?

Begehrte Frauenfigur: einst war das Ideal  die abgeschnürte Wespentaille. Foto: Ullstein
Begehrte Frauenfigur: einst war das Ideal die abgeschnürte Wespentaille. Foto: Ullstein

Stuttgart - Das Bild ist längst keine Seltenheit mehr: Frauen trainieren einen muskelgestählten Kör­per mit Langhanteln. „Stark ist das neue Dünn“, lautet ein aktueller Slogan. Diese weiblichen Fitnessfreaks übertreiben es nicht wie die männlichen Bodybuilder in den 80er Jahren – und sehen doch vollkommen anders aus als die zarten, schwachen und abgemagerten Models, die zuvor jahrzehntelang das Schönheitsideal vieler westlichen Frauen waren. Hunderte Bloggerinnen auf Youtube haben solche trainierten Figuren, an denen jeder Muskel auf ästhetische Art geformt zu sein scheint. Sie geben Tipps, wie man es ihnen nachtun kann. Crossfit-Studios und entsprechende Trainingspraktiken boomen in Deutschland, dabei werden Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zugleich angestrebt.

Auch immer mehr Hollywood-Schauspielerinnen wie etwa die Topverdienerin Jennifer Lawrence sagen, sie wollten nicht zu dünn sein und damit unnatürlich, sondern gesund und fit aussehen. Gesund ist überhaupt das Stichwort. Der Trend zur starken Figur bei Frauen passt in den Zeitgeist. Propagieren ihn doch die gleichen Hipster, die auch Blogs über veganes Kochen, glutenfreie Diäten, Paleo-Ernährung oder Avocado-Goji-Smoothies betreiben. Der akademisch gebildete Städter ist ein bewusst lebender Mensch und liegt damit voll im Trend: Gesundes Essen genießen und den Körper in Form halten gehört seit einigen Jahren zum guten Ton.

Viele Arten von Schönheit

Schönheitsideale für Frauen wandeln sich über die Jahre hinweg. Es gab alles: von der Wespentaille (abgeschnürt bis zur Ohnmacht) über die dralle Weiblichkeit der Nachkriegszeit („Juhu, endlich wieder etwas zu essen“) bis zu den späteren Magermodels à la Twiggy („Wir ernähren uns von Wattebäuschen“). Und jetzt also die supergesunden Bodybuilderinnen.

Forscher aus Ohio stellten jüngst außerdem fest, der Boom in der Plus-Size-Industrie – der Übergrößen-Mode – habe ­dazu bei­getragen, dass Frauen nun selbst­bewusster zu ihrem natür­li­chen, starken und manchmal auch fülligeren Körper stünden. Plus-Size-Models sind in Fernsehen und Internet seit einer Weile präsenter als noch vor einigen Jahren. Das Schlagwort „Body Positivity“ steht im Vordergrund, jede soll so sein dürfen, wie sie will, wie etwa in der „Dove-Werbung“ vor einigen Jahren, in der aktuellen TV-Show „Curvy Model“ oder in einem neuen Werbespot von H&M, in dem Frauen ihre Kurven und Achselhaare präsentieren.

Das sind für sich genommen erst einmal gute Entwicklungen, zeigen sie doch, dass es mittlerweile anscheinend ein breiteres Spektrum davon gibt, was allgemein für schön und vorzeigbar befunden wird. Bei genauem Hinsehen ist die anhaltende Beschäftigung mit dem weiblichen Aussehen aber gefährlich. Einerseits sieht man ältere, kranke oder behinderte Frauenkörper in den Medien und der Werbung immer noch selten. Andererseits hat sexistische Werbung weiterhin Konjunktur. Darin dient der halbnackte, sexualisierte Körper einer jungen und schönen Frau dazu, Plakate, Prospekte und die Cover von etablierten Magazinen zu allen möglichen Themen zu illustrieren – so absurd die Verbindung dabei manchmal scheint. Auch das Konzept der Plus-Size-Mode ist Verrat an der eigentlichen Sache. In den meisten Fällen zielt diese Sparte nämlich nur darauf ab, dicke Frauen schlanker aussehen zu lassen. Das sind nicht einfach coole Klamotten für beleibte Damen. Diese Mode soll fette Schenkel oder schwabbelige Bäuche kaschieren. Sie verspricht, auch dicke Frauen seien auf eine Sanduhr-Figur hin trimmbar, ziehe man sie nur vorteilhaft an.

Jeder Schönheitstrend hat zudem etwas Zwanghaftes. Quälen für das Ideal ist Gesetz: indem wir hungern, uns mästen, zügeln oder eben schwere Gewichte stemmen. Dabei ist es ein schmaler Grat, bis das Gute ins Schlechte umschlägt und krankhaft wird. Experten haben in den vergangenen Jahren beispielsweise eine neue Krankheit ausgemacht: die des übertrieben gesunden Essens. Sie nennen es Orthorexia nervosa, eine Essstörung.