Zwischen Hip-Hop und Stäffele Bartek mit Schwipps auf dem E-Scooter

They see him rollin’... Foto: /Petra Xayaphoum

Es ist verboten betrunken mit dem E-Scooter zu fahren. Bartek hat’s trotzdem gemacht – und weiß jetzt, warum das Verbot ziemlich sinnvoll ist.

Ich nehme an, wir sind alle hin und wieder genervt, wenn wir auf dem Bürgersteig plötzlich einen achtlos hingeworfenen Electric Scooter passieren und uns fragen: Wer kann so ignorant sein und das Gefährt, das denjenigen Menschen eben noch zu seiner Destination gebracht hat, so achtlos und undankbar „wegwerfen“. Wäre es zu viel verlangt, das Ding ordentlich ab und für nächste Nutzer:innen bereit zu stellen?

 

E-Scooter all over Stuttgart

Dass diese elektronischen Roller einem alle Nase lang im Weg stehen, hat mich anfangs genervt. Doch ich muss mittlerweile feststellen, dass ich nun genervt bin, wenn nicht in unmittelbarer Nähe einer dieser Roller zu sehen ist. Denn ich nutze sie schon auch gerne! Sie sind praktisch, wenn man zum Beispiel zu einem Zahnarzttermin unterwegs ist und schon ein wenig spät dran. Von der Haltestelle aus schaut man dann in der App nach dem nächsten freien Roller, stellt sich drauf und düst los.

Nach anfänglicher Befangenheit – weil ich finde, dass Menschen auf Steh-Rollern immer etwas affig aussehen – freute ich mich dann doch über den Zeitgewinn und auf die rollend zurückgelegte Strecke. Was mir dennoch auf den Geist geht, ist dass es so viele verschiedene Anbieter gibt und für jeden von ihnen braucht es die jeweils eigene App. Das ist nervtötend. Kaum hat man einen Anbieter, von dem man denkt, dieser hat die meisten Roller in Stuttgart, sieht man nur noch die E-Scooter der Konkurrenz rund um den Feuersee oder am Marienplatz ironisch dreinblickend warten.

Bartek ist E-Scooter-Fan, aber...

Aber ich bleibe bei meiner ausgewählten einzelnen App und verzichte dann halt manchmal auf dieses Fortbewegungsmittel. Bei mir an der Gänsheide, oberhalb von Gablenberg, macht so ein Gerät schon Sinn, da nicht wirklich Busse fahren und die Bahn diese Gegend nur geringfügig abdeckt.

Kommen wir zu den naheliegenden Nachteilen dieser Sauseroller:

Eines Morgens nach einer illustren Feierlichkeit in einer Kneipe, noch verkatert und mit einem halb geschlossenen Auge, stehe ich in der Küche mit einem Kaffee und schaue auf mein Handy. Eine Email von Paypal teilt mir mit, ich habe Geld geschickt an einen Anbieter von E-Scootern. Moment mal, wie bitte, was?

Ich öffne die Scooter-App und sehe folgendes: Um 1.34 Uhr wurde ein Roller gemietet. Bis 1.51 Uhr. Die zurückgelegte Strecke: 12 Meter!

Don’t E-Scooter and drink

Um Himmels willen, denke ich. Es gibt nichts Gefährlicheres als diese kleinen Roller, sobald das Tageslicht weg ist und man alkoholisiert auf diese Teile steigt. Also nicht offiziell, aber sie stehen nun mal da und die App scannt lediglich den QR-Code und beurteilt nicht wirklich, ob jemand steil ist oder nüchtern. Der kurze Reaktionstest, den man abends vor dem Aufsteigen bewältigen muss, hindert einen nicht am Fahren, auch, wenn man durchfällt. Das ist ein ganz großes Problem bei mir. Ich bin so dankbar, dass ich während den paar Metern, die ich mit diesem Scooter zugebracht habe, nicht irgendeinen Seitenspiegel eines Autos abgerissen, mir einen verknacksten Wirbel oder ein gebrochenes Schlüsselbein, ja, rein gar nichts zugezogen habe.

Irgendwie sollte diese App zuverlässiger erkennen können, ob jemand betrunken ist, finde ich. Oder es sollte ab 22 Uhr eine Sperre geben oder sowas. Einfach nur tagsüber nutzen, nachts in Ruhe lassen. Das wäre doch ein Werbeslogan für diese Dinger.

Falls jemand, der das liest, bei einem E-Scooter-Unternehmen arbeitet und Einfluss hat: Bitte beim nächsten Meeting über Safer Use in der Nacht sprechen, danke. Hilfreich und nützlich sind die Dinger schon, aber den Menschen kann man nicht ganz bedingungslos darauf stellen und ihn machen lassen. Sonst tu ich mir… äh, man sich was.

Oh, da steht einer. Ich düse dann mal los.

Euer Bartek

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