Es ist Freitagabend und ihr wisst nicht was machen? Ich empfehle ein Spiel, bei dem man mit Freund:innen in und um Stuttgart unterwegs ist, ganz viel Neues kennenlernt und ganz viel Pivo trinkt.
Willkommen beim Bierdonner.
Die Regeln sind eigentlich einfach: Jemand sagt, ähnlich wie bei Stadt, Land, Fluss, laut die Zahl Eins und zählt dann still weiter bis zwanzig. Eine andere Person sagt dann aufs Geratewohl Stopp. So sind wir zum Beispiel bei neun. Als nächstes fängt die zählende Person erneut an zu zählen, wieder die erste Zahl laut und dann in eigenem Tempo still weiter zählen, diesmal jedoch bis höchstens bis sechs. Dabei landet man zum Beispiel – so bei meinem ersten Bierdonner geschehen – bei der Eins.
Jede Zahl ein Treffer
Das sind die Parameter: Die erste Zahl steht für eine Haltestelle einer S-Bahn, vom Hauptbahnhof aus gezählt. Die zweite Zahl steht für die S-Bahn Linie, als von S1 bis S6. Man einigt sich auf die Richtung der Bahn und schon kann es losgehen, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. An der Haltestelle ausgestiegen, verbringt man den Abend in der erstbesten, am Gleis liegenden Kneipe. Die hat man garantiert noch nie besucht. Und das kann ganz wunderbar sein.
Zum Ablauf: Man verabredet sich um, sagen wir, 18.30 Uhr am Stuttgarter Hauptbahnhof. Jede:r muss einen Jutebeutel oder Rucksack voller Bierdosen parat haben, denn während der Fahrt sollte es einige Pivos donnern. Es heißt nicht umsonst Bierdonner.
Stuttgarts Umgebung kennenlernen kann so einfach sein
Bei unserem ersten Bierdonner stiegen während der Fahrt immer mehr Teilnehmer:innen zu. Bis wir in Altbach ankamen. Und hier war noch nie eine:r von uns gewesen. Da wir bei diesem ersten Bierdonner etwas overprepared daherkamen, versteckten wir auf der Überdachung der Haltestelle Altbach bei Esslingen unsere restlichen donnerschlägigen Biere und begaben uns dann zum Treffpunkt Gleis 1. Wichtig: Bevor man die Gleiskneipe betritt, müssen erst alle offenen Biere geleert werden (sonst riskiert man offensichtlich einen Rauswurf).
Sofort nach unserem Eintritt wurden Schnäpse bestellt, eine Lokalrunde. Also für uns fünf und für die vier Kund:innen, die in der Kneipe saßen. Plus natürlich einer für den Wirt. Schon war Stimmung im Laden. Verdutzt fragten uns alle, ob wir eine Wette verloren haben, dass wir in Altbach Halt machten. Nicht ganz!
Ein Abend im Abend
Nach einer gewissen Zeit, in der Biere gezapft und weggezischt wurden, wuchs der Hunger. Wir erkundigten uns: „Kann man hier bei euch in der Nähe Döner oder so was essen?“ Ja, fünf Minuten von hier gäbe es einen. Der sei gut. Okay, wir kommen in dreißig Minuten wieder – dachten wir. Doch auf dem Weg dorthin, gut gelaunt und die Gegend erkundend, entdeckten wir ein Wirtshaus namens Gasthof Löwen. Und ab diesem Moment wurde der Bierdonner quasi neu gestartet.
Trinkspiel und Schnitzeljagd in einem
Wir nahmen den Gasthof im Sturm mit Witzen und Hunger ein, bestellten hervorragendes Essen und Schnäpse. Der Wirt saß nach einer Weile mit uns am Tisch und es wurde herzlich gelacht. So schön, neue Menschen und Orte kennenzulernen. Bierdonner ist das beste Spiel der Welt, sagten wir uns und erzählten auch dem Wirt von unserem neuen Lieblingsspiel. Er war begeistert und empfahl uns eine tolle Kneipe, die nur einige Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der Straße war. Prompt wurde aufgesprungen und bezahlt. Ab zum „Pfiff“!
Donnerwetter, so viel Bier
Dort wurde der Abend wie zum dritten Mal gestartet: neue Leute, lustiger Kreis, Lokalrunde, Lachen, Stimmung. Jedem sei ein ordentlicher Bierdonner ans Herz gelegt. Eine Zahl für die Station, eine Zahl für die Linie, die Richtung wird nach Gusto ausgesucht. Jutebeutel erfolgreich mit Bier gefüllt, los geht‘s.
Ach, fast vergessen: Zum Startpunkt Treffpunkt Gleis 1 haben wir es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft. Die Kneipe war schon zu, als wir zur Rückfahrt bereit dann unser verstecktes Bierdepot hervorholten und uns mit der letzten S-Bahn in Richtung Stuttgart begaben, wo der Abend dann im Studio Amore zum vierten Mal einschlug. Kabumm und Prost!