Zwischen Hip-Hop und Stäffele „In der Markthalle passiert das Leben!“

Bartek findet: Die Markthalle lässt den Charakter einer Stadt erkennen. Foto: privat

Noch im Sommerurlaub gab es für Bartek einen besonderen Ort, den er sich nicht entgehen lassen wollte: die Markthalle. Denn ob in Stuttgart oder Südfrankreich, zwischen den Ständen und der bunten Vielfalt an Waren und Menschen zeigt sich für den Musiker der wahre Charakter einer Stadt.

Woran, frage ich euch, kann man wohl den besonderen Charakter einer Stadt am leichtesten erkennen? Ich sage es euch: an ihrer Markthalle.

 

Beim wöchentlichen Einkauf in der Markthalle von Sète in Südfrankreich fiel mein Blick unversehens auf die noch geschlossenen Stände. Die mit den Rollläden unten. Ich gebe zu, es war früh. Doch steigerte dieses noch Verschlossensein mancher Marktstände meine Probier- und Kauflaune nur.

Zwischen lässigen Fischverkäufern und dem Auberginen-Stand schlechthin

Denn ich wusste, was dort, links der großen verspiegelten Mittelsäule, gegenüber der Fischverkäufer, die allesamt dabei waren, Austern zu öffnen, Rotbarben dekorativ anzuordnen und Knurrhähne neben Seeschnecken zu drapieren, auf mich warten würde: der Auberginen-Stand.

Dieser ist ein Ort, an dem ein Mann und eine Frau verschiedene Gerichte aus Auberginen zubereiten in einer Art Paella-Pfanne. Gerollte, angebratene, geschmorte Auberginen mit Ratatouille und ähnlichem. Die beiden sind die Ruhe selbst, sorgfältig und routiniert sind ihre Handbewegungen am Herd, wie auch an der Kasse. Später wird dort eine Menschentraube stehen und alles wegkaufen. Deshalb müssen die beiden Betreiber:innen des Standes auch nicht so früh ihren Markt-Verkauf starten.

In der Markthalle – mitten im Leben

Weiter drüben werden die knalligsten Zitronen neben den glänzendsten Kräutern angeboten, eine freundliche ältere Dame gibt einen Stand weiter Pasteten an zufriedene Kunden aus.

Ich beobachte gerne die Kundschaft in einer Markthalle, die nicht nur aus Tourist:innen besteht, sondern eben auch aus Kenner:innen und Feinschmecker:innen. Wie ein kleingewachsener, wohlgenährter Mann Fische auswählt und sie mit sicherer Hand in seine Tüte gleiten lässt, dabei der Verkäuferin etwas von Bouillabaisse erzählt – oder wie manche Kund:innen mit Namen begrüßt werden. Das gehört für mich zum Eindruck einer Stadt. Da passiert das Leben. Die Markthalle ist selten ein schlechter Ort.

Es gibt auch heruntergekommene, rostig kalte Hallen, die sehr lieblos ihre Ware schnell „an den Mann“ bringen wollen, aber das ist dann wohl außerhalb Europas oder so. Denn wenn ich unsere Stuttgarter Markthalle vergleiche mit der meiner Geburtsstadt Breslau oder jener Markthalle in Porto, ist es immer eine Freude und ein Gaumenschmaus.

Genuss trifft auf Gewusel

Pieroggen in Breslau, die an einer überfüllten Essensausgabe schnell und halb im stehen weggehapst werden, weil: unfassbar lecker! Samosas und Pastéis de Nata in Porto – von der Hand des Verkäufers lachend zu meinem Mund geführt oder ungarischer Kolbas, der scharfe, mit einem Laugenbrötchen und einigen roten Birnen in Stuttgart. All das steht sich im Genuss, in der Freundlichkeit der Verkäufer:innen, dem Gewusel der interessierten Kund:innen in nichts nach.

Dort hat man die Chance, die Menschen einer Stadt in ihrer bunten Vielfalt zu erleben: Von sekttrinkenden Kaviar-Büromenschen zu verschwitzten Durchreisenden oder das Rentenalter nur noch mit guten Produkten genießenden Männern und Frauen, Kindern und Jugendlichen mit genervt verschränkten Armen hinterher trottend. All diese Menschen versammeln sich hier, an einem Ort der kulinarischen Vielfalt.

Wetter? Egal!

Und das Beste ist: Egal bei welchem Wetter – hier kann man sich das Leben reinziehen. Kaufen muss man nicht mal was, bloß schauen ist genauso aufregend. Also, auf in die Markthallen eurer Städte.

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