Die Eisenbahnbrücken über der B14 bei Backnang müssen neu gebaut werden. Foto: Gottfried Stoppel
Tunnel, Brückeneinschübe und Viadukte liegen beim Ausbau der B14 zwischen Nellmersbach und Backnang im Plan. Doch Geologie, Kosten und Politik könnten alles verschieben.
Seit Jahren wälzen sich Bagger durch das Murrtal, stemmen Kräne neue Brücken in den Himmel und sprengen Fels für Tunnelröhren: Der Ausbau der Bundesstraße 14 zwischen Nellmersbach und Backnang-West ist ein Projekt der Superlative – mit einem Preiszettel von rund 460 Millionen Euro. Das Ziel: flüssiger Verkehr, weniger Lärm, mehr Sicherheit. Ein ehrgeiziger Zeitplan begleitet das Vorhaben: 2030 soll das neue Rückgrat des regionalen Pendlerverkehrs stehen.
Wie das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) mitteilt, wurde 2025 weiter kräftig gebaut – vor allem im Bereich der Bahnbrücken, wo die Arbeiten zuletzt in eine lärmintensive Phase übergingen. Gleichzeitig laufen laut Angaben der Behörde, die den Ausbau im Auftrag des Bundes umsetzt, die Vorbereitungen für die beiden Tunnel bei Waldrems und Maubach.
Lärm in Backnang: Bauarbeiten an Bahnbrücken bis 2026
Wer vor der Weihnachtspause rund um die Südstraße in Backnang unterwegs war, bekam es zu hören: Hämmern, Bohren, Presslufthämmer. Für die Montageflächen der künftigen Bahnbrücken wird Fels abgetragen. Bis Ende Februar 2026 muss sich die Nachbarschaft noch auf regelmäßige Lärmbelästigungen einstellen – das RP bittet um Geduld und verweist auf die Bedeutung des Bauabschnitts.
Der Ausbaustand der B14 zwischen Nellmersbach und Backnang Foto: STZN/Lange
Denn: Die Brücken werden nicht vor Ort gegossen, sondern auf Montageflächen seitlich der bestehenden Bahntrasse vorgefertigt. Im Jahr 2027 sollen sie während einer drei Monate langen Sperrpause der Bahnstrecke auf ihre endgültigen Plätze verschoben werden.
Bauabschnitt 2.3: Vorbereitungen für Brückeneinschub
Seit März 2025 wird am Bauabschnitt 2.3 gearbeitet. Zunächst wurde eine neue Kabeltrasse zum Backnanger Bahnhof verlegt, im Oktober folgten die Baustelleneinrichtung und erste Erkundungsbohrungen. Diese sind notwendig, um die Stabilität der sogenannten Verschubbahnen sicherzustellen – auf ihnen werden die Brücken später über die Gleise geschoben.
Die Abbrucharbeiten starteten am 8. Dezember, im Februar wird das gesammelte Material gebrochen. Ab März beginnt die Montage der Traggerüste. Die komplette Fertigstellung des Abschnitts ist laut dem RP für Mitte 2029 vorgesehen.
Zwischen dem Backnanger Wasserturm und der Kreuzung der Bundesstraße mit der Maubacher Straße reiht sich auf nur 3200 Metern Länge Baustelle an Baustelle. Foto: Gottfried Stoppel
Laut Regierungspräsidium sind alle Gründungselemente, Bögen und Pfeiler inzwischen fertiggestellt. Im Dezember 2025 wurde der Überbau betoniert, nun folgen Abdichtung, Asphaltierung und der Einbau der Lärmschutzwand. Zusammen mit dem Abschnitt 2.7 sollen beide Viaduktteile Ende 2027 in Betrieb gehen – als sogenannter verkehrswirksamer Abschnitt, also gemeinsam freigegeben.
Backnang-West: Neue Brücken, neue Spuren
Auch an der Anschlussstelle Backnang-West wird gebaut: Eine Brücke über die Aspacher Straße ist fast fertig, die Betonarbeiten am Überbau sind abgeschlossen. Die Verkehrsumlegung ist für März 2026 geplant. Danach wird das alte Bauwerk abgerissen, um Platz für den vierspurigen Ausbau zu schaffen. Auch die Unterführung an der Schöntaler Straße wächst – im Frühjahr 2026 sollen die letzten Betonierarbeiten erfolgen.
Tunnel im Süden: Noch liegt alles auf Plan
In Richtung Nellmersbach kommt das Megaprojekt an seine Tiefbaugrenzen – wortwörtlich. Die Tunnel Waldrems (488 Meter) und Maubach (233 Meter), verbunden durch einen offenen Trog (250 Meter), werden in offener Bauweise realisiert. Sie zählen zu den komplexesten Abschnitten des Ausbaus. Ausschreibungen sollen Anfang dieses Jahres starten, die Bauzeit soll sich bis 2030 erstrecken.
Die nötigen Bauerlaubnisse liegen laut RP vor, auch Grundstücke seien bereits gesichert – auch wenn der formale Erwerb noch ansteht.
Ein Bau dieser Größenordnung bleibt nicht billig. Ursprünglich waren niedrigere Summen im Gespräch, doch vor allem durch Tunnel-Umplanungen haben sich die Kosten deutlich erhöht: Auf mittlerweile 459,3 Millionen Euro summiert sich das Gesamtprojekt.
Die Kostenfortschreibung wird derzeit mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg abgestimmt und soll dem Bundesverkehrsministerium bald vorgelegt werden. Ein klares Bekenntnis zur Finanzierung fehlt allerdings noch.
Fazit: 2030 als Ziel – mit Fragezeichen
Wenn alles nach Plan läuft, fließt der Verkehr 2030 durch neue Tunnel, über Brücken und Viadukte, vorbei an Backnang, Maubach und Waldrems – ohne rote Ampeln, Engstellen oder Lkw-Staus. Doch wie bei jedem Großprojekt bleibt die Unsicherheit: Unvorhergesehene geologische Funde, Witterungseinflüsse, Lieferengpässe oder politische Entscheidungen könnten den Zeitplan noch durcheinanderbringen.
Sicher ist nur: Der Ausbau der B14 bleibt ein Jahrhundertprojekt im Rems-Murr-Kreis – und ein tägliches Geduldsspiel für alle, die zwischen Nellmersbach und Backnang unterwegs sind.
Verkehrsausbau Backnang: Was noch ansteht
Tunnel Waldrems und Maubach: Ausschreibung 2026, Fertigstellung 2030