Der Starkregen hat den Hang bei der Laufenmühle in die Tiefe gespült. Foto: Gottfried Stoppel
Die geologische Untersuchung der Untergründe entlang der durch den Extremregen Anfang Juni beschädigten Landesstraße zwischen Rudersberg legt eine nicht einfache Reparatur nahe. Dennoch gibt es gute Nachrichten für die Übergangszeit.
Sie ist vermutlich jene Straßenverbindung, welche die verheerende Kombination aus Dauerregen und kurzzeitig geradezu sintflutartigen Wassermassen Anfang Juni im Rems-Murr-Kreis am meisten gebeutelt hat. An mehreren Stellen zwischen Rudersberg und Welzheim haben sich Teile der bisweilen äußerst steilen Hänge selbstständig und an der Landesstraße dadurch aufwendige Reparaturarbeiten nötig gemacht.
Hang wie Treibsand in die Tiefe gerutscht
Der gravierendste Schaden an der Kurve zwischen Viadukt und Laufenmühle ist nicht zu übersehen: Teile der Asphaltdecke sind abgeblättert als bestünde das Material aus Papier, der Hang ist wie Treibsand in die Tiefe gerutscht. Das hat auch verkehrstechnisch gravierende Folgen: Die Strecke ist an dieser Stelle seit nunmehr fast einem halben Jahr nicht mehr passierbar.
Der Hang beim Viadukt ist abgerutscht, die Asphaltdecke der Straße in Teilen abgeblättert. Foto: Gottfried Stoppel
Für die Bürgermeister der Kommunen, Raimon Ahrens (Rudersberg) und Thomas Bernlöhr (Welzheim), ist das ein großes Dilemma, denn die Straße stellt laut Bernlöhr nicht nur die zweitwichtigste Verkehrsverbindung im Welzheimer Wald dar, sie ist auch für die Schulsituation vor Ort von zentraler Bedeutung, denn eine große Zahl an Schülern aus dem Wieslauftal sucht ihr Bildungsheil am Schulcampus in Welzheim. Doch dafür müssen diese seit Juni weite Strecken in Kauf nehmen. Für manche ist das offenbar zu weit: Das Limes-Gymnasium soll deshalb bereits erste Abmeldungen zum Beginn des neuen Schuljahrs verzeichnet haben. Zudem ist der Anliefer- und Besucherverkehr zum Erfahrungsfeld der Sinne an der Laufenmühle erheblich eingeschränkt.
Nun aber ist Abhilfe in Sicht. Wie Vertreter des Landratsamts und des Regierungspräsidiums Stuttgart bei einem Vor-Ort-Termin mit den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen gemeinsam bekannt gegeben haben, kann die L 1080 zwischen Klaffenbach und Welzheim demnächst wieder in beiden Fahrtrichtungen befahren werden – wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Zwar müssen Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen und Lastwagen weiterhin eine großräumige Umleitung nehmen, Busse im Schülerverkehr aber können voraussichtlich vom 9. Dezember an wieder den direkten Weg ansteuern.
Geologisches Gutachten liegt vor
Die Bürgermeister Raimon Ahrens und Thomas Bernlöhr, Landrat Richard Sigel und sein Straßenbauamtsleiter Maximilian Zacharias (v.l.) freuen sich über die Übergangslösung an der Landesstraße zwischen Rudersberg und Welzheim. Foto: Frank Rodenhausen
Möglich machen dies die Ergebnisse eines umfangreichen geologischen Gutachtens, welches die Behörden in Auftrag gegeben haben, um die notwendigen Reparaturen angehen zu können. Die Expertise bescheinigt der Straße auch im aktuellen Zustand offenkundig eine ausreichende Stabilität, die im Bereich der Kurve an der Laufenmühle eine einspurige Verkehrsführung für Pkw und kleinere Schulbusse erlaubt. Das Tempolimit wird allerdings auf 30 Stundenkilometer reduziert.
Schwere Fahrzeuge sollen gestoppt werden
Um zu vermeiden, dass auch schwere Fahrzeuge in die Strecke einfahren, werde eigens eine Höhenbegrenzungsanlage mit vorgelagerter Höhenwarnung installiert, teilen die Verantwortlichen mit. Diese soll mit Kameras überwacht werden, die bei Fahrzeugen über 2,90 Meter auslösen. Fahrzeuge unter dieser Höhe hingegen sollen von ihr nicht erfasst werden.
Aber auch für den zugelassenen Verkehr wird die neue Regelung zunächst eine auf Probe sein. Dreimal in der Woche will das RP die Rutschungen in Augenschein nehmen und genau dokumentieren. Sollten sich dabei Veränderungen ergeben, droht eine erneute Streckensperrung.
„Wir haben uns dafür entschieden, die Sache lieber schnell und gut zu machen“, sagt der Baureferatsleiter Michael Dätsch. /Frank Rodenhausen
Eine solche wird wohl auch nötig sein, wenn die insgesamt noch vier nicht behobenen größeren Schäden dauerhaft saniert werden. Anders sei insbesondere die komplizierte Baustelle im Bereich der Laufenmühle kaum machbar, sagt Michael Dätsch, der Leiter des Baureferats Süd im Regierungspräsidium Stuttgart. Schließlich sollen unter anderem riesige Pfähle in den Untergrund gerammt, mit Kopfbalken verbunden und Ankern im Hang und Stahlnetzen überspannt werden. Dazu werden größere Baumaschinen benötigt. „Wir haben uns dafür entschieden, die Sache lieber schnell und gut zu machen“, sagt Dätsch, „schließlich soll die Reparatur auch nachhaltig sein“.
Fertig bis Ende 2025?
Während man für Entwurfsplanung, Ausschreibung und Bauvergabe für die vier Schadstellen „Kellerklinge“, „Abzweig Schmalenberg“, „Bahnhof Laufenmühle“ und „Laufenmühle-Viadukt“ noch mindestens bis zum Sommer kommenden Jahres Zeit benötigt, könnte die reine Bauzeit deutlich schneller erledigt sein. Das erklärte Ziel ist, die Sanierungsarbeiten bis Ende 2025 fertiggestellt zu haben. Allerdings setzt das das RP den ehrgeizigen Zeitplan noch unter einen gewissen Vorbehalt: Voraussetzung dafür sei, dass alle Randbedingungen, wie beispielsweise die wasser- und naturschutzrechtlichen Voraussetzungen, geschaffen werden könnten.
Großschollenrutschung muss noch beobachtet werden
Die Schadstelle „Unterer/Oberer Heidenhau“ wird dann allerdings noch eine offene Wunde sein. Hier verläuft die Straße am oberen Rand einer Stelle, an der sich eine sogenannte Großschollenrutschung eingestellt hat, die bis zur Wieslauf hinabreicht und durch das Starkregenereignis aktiviert wurde. Eine sinnvolle Sanierungsvariante könne hier nur auf Grundlage umfassender Mess- und Beobachtungsergebnisse erfolgen, heißt es vonseiten des RP. Mindestens bis zum Herbst kommenden Jahres will man beobachten, ob und wie sich die Großscholle weiter bewegt.
Martin Brodbeck, geschäftsführender Gesellschafter des mit der geologischen Untersuchung beauftragten Büros Smoltczyk & Partner, weiß, was die Angelegenheit an der Strecke zwischen Rudersberg so kompliziert macht: „Eine ungute Kombination aus Geologie und Morphologie.“ So träfen hier weicher Mergel- und Tonstein sowie harter Sandstein auf sehr tief ausgeschnittene Täler. Diese Kombination, habe durch den extremen Regen Anfang Juni, als rund 250 Liter pro Quadratmeter – also etwa ein Drittel des normalen Jahresniederschlags – in wenigen Stunden hernieder prasselten, wie ein Triebmittel reagiert.