Zwischennutzung des ehemaligen IBM-Areals Der Mann, der die Vergangenheit des Areals personifiziert

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Die Rampe will dabei mit dem Stück durch die Gebäude wandern. „Es wird nicht die eine Bühne geben, sondern eine Art Immobilienführung als Theaterinszenierung“, erklärt Grohmann das Stück, in dem Sibylle Berg die Geschichte eines Mannes erzählt, der das leer stehende Haus auf dem Hügel als Zufluchtsort nutzt vor dem Bürgerkrieg, der unten in der Stadt tobt.

Von einem Bürgerkrieg ist Stuttgart zum Glück weit entfernt, der Kampf um bezahlbaren Raum ist aber allgegenwärtig. „Jeder schreit nach Ateliers und Probebühnen und dann gibt es hier dieses Monument einer globalisierten Ökonomie, das seit Ewigkeiten leer steht“, sagt Grohmann. Gerne würde sie die Geschichte des Gebäudes noch besser verstehen.

Anruf bei Reinhard Fasshauer, der die Vergangenheit des Areals personifiziert. Geht es um die Historie der ehemaligen IBM-Zentrale, bringt ein Gespräch mit ihm höchstmöglichen Unterhaltungswert. Fasshauer ist der 170-Millionen-D-Mark-Mann. Für diese Summe hat er die ehemalige IBM-Fläche 1999 an einen Immobilienfonds verkauft. Nach dem Verkauf hat IBM die Fläche direkt wieder angemietet. „In der Summe haben wir mehr Geld verdient, als wir Miete zahlen mussten“, sagt Fasshauer, der 35 Jahre lang für IBM tätig war, sich in den letzten fünf Jahren seiner Karriere als Generalbevollmächtigter „Haus und Hof“ unter anderem um die Liegenschaften der Firma kümmerte und danach Philosophie an der Uni Tübingen studierte.

Stoff für das nächste Theaterstück

In Vaihingen setzte Fasshauer von 1997 bis 2002 eine kleine Revolution der Arbeitswelt um. „Bis in die zweite Hälfte der 90er haben sich maximal drei Mitarbeiter ein Zimmer geteilt, danach wurde alles rausgerissen und in Großraumbüros umgewandelt.“ Die schöne neue Arbeitswelt in Vaihingen wurde ergänzt durch ein ganz neues Phänomen aus Amerika – das Homeoffice. „Damit hatten wir anfangs Probleme, weil der ein oder andere Mitarbeiter die neue Freiheit des Homeoffice lieber fürs Golfen genutzt hat“, erzählt Fasshauer.

Und nach welchen Parametern hat sich der amerikanische Weltkonzern einst für den Sitz der Deutschlandzentrale entschieden? Laut Fasshauer ging das Gerücht um, der US-Computerriese habe nur deshalb Stuttgart als Standort gewählt, weil der damalige Geschäftsführungsvorsitzende der IBM Deutschland, Walther Bösenberg, kurz zuvor in Sindelfingen gebaut hatte. „Die Amerikaner sagten: ,But the jets are landing in Frankfurt!‘ Bösenberg soll erwidert haben: ,But Stuttgart is also a very nice place‘“, erzählt Fasshauer. Der private Hausbau als Grund für die Ansiedlung einer Konzernzentrale? Das könnte Stoff sein für das nächste Theaterstück, das in der temporären Geisterstadt gespielt wird.




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