Theresa Panfil ist Co-Trainerin der Frauen des VfB Stuttgart. Foto: VfB Stuttgart
Die Periode kann für Leistungssportlerinnen eine Herausforderung sein. Die Co-Trainerin der VfB-Frauen spricht über ihre Erfahrungen und darüber, wie der Verein mit dem Thema umgeht.
Dribbeln mit Krämpfen im Unterleib, Tore schießen mit Rückenschmerzen, Kopfballduelle gewinnen mit Migräne: Mit der Periode Sport zu treiben, zum Beispiel Fußball zu spielen, ist für Frauen nicht immer leicht. Gerade für Leistungssportlerinnen, die möglichst immer in Top-Form sein müssen, kann die Periode eine Herausforderung sein.
Das weiß auch Theresa Panfil. Sie ist seit einem Jahr Co-Trainerin der VfB-Frauen. Die 29-Jährige hat zuvor beim 1. FFC Frankfurt, bei Bayer 04 Leverkusen und Eintracht Frankfurt in der Frauen-Bundesliga und 2. Frauen-Bundesliga gespielt und durchlief ab der U15 alle U-Nationalteams. 2022 beendete Panfil ihre Karriere.
VfB-Co-Trainerin über Periode: schlechtere Reaktionsfähigkeit
Wie ist es, mit der Periode auf dem Platz zu stehen? Bei jeder Frau kann sich die Menstruation individuell auswirken. Theresa Panfil selbst litt in ihrer Zeit als aktive Fußballerin nicht unter starken Beschwerden, wie sie erzählt. „Deswegen konnte ich das auf dem Platz ganz gut ausblenden.“ Rund um die Periode habe sie sich trotzdem nicht so leistungsfähig wie sonst gefühlt. Kurz vor der Menstruation kämpfte sie mit vermehrter Müdigkeit, sagt Panfil. „Meine Beine fühlten sich etwas schwerer an und mein Geist war nicht so wach wie gewohnt.“ Auch ihre Reaktionsfähigkeit sei schlechter gewesen: „Wenn ein komplizierteres Spiel gemacht wurde, musste ich mich doppelt konzentrieren, um zu verstehen, wo der Ball hinkommt und wohin ich laufen muss.“
Aus Erfahrungen mit früheren Teamkameradinnen weiß Panfil, wie herausfordernd die Periode für Profifußballerinnen sein kann. „Ich hatte Mitspielerinnen, die rund um die Menstruation mit starker Migräne oder muskulären Problemen zu kämpfen hatten“, erinnert sie sich. „Sie waren einfach nicht so leistungsfähig. Hin und wieder mussten vereinzelte Spielerinnen auch mal eine Trainingseinheit pausieren.“ Und das sei im Leistungssport fatal: „Das kann bedeuten, dass du am nächsten Wochenende nicht spielst“, erläutert die 29-Jährige.
Wie sich die Periode auf die Leistungsfähigkeit auswirkt
„Die Periode bringt für viele Sportlerinnen unangenehme Begleiterscheinung mit sich“, sagt Dr. Lara Liewald, Oberärztin an der Sportklinik im Klinikum Stuttgart. Sportlerinnen würden von Unterleibskrämpfen, Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Müdigkeit berichten. „Und solche Symptome können die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen.“ Manche Athletinnen würden sogar Wettkämpfe auslassen, wenn sie ihre Periode haben, weil sie wissen, dass sie nicht ihre volle Leistung abrufen können, so Liewald.
Auch die Hormonschwankungen während der Periode wirken sich auf den Körper der Sportlerinnen aus – und auf die Psyche. Sie können laut Lara Liewald etwa zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit führen. Mehr als 90 Prozent der Sportlerinnen würden von solchen emotionalen Veränderungen im Laufe des Zyklus berichten. „Dieses Stimmungstief kann die mentale Stärke und den Fokus im Wettkampf beeinflussen“, so Liewald. Die Menstruation könne außerdem zu Frust führen. „Wenn ein wichtiger Wettkampf ansteht und man seine Periode bekommt und sich nicht so fit fühlt, machen sich die Sportlerinnen selbst einen gewissen Druck. Da kann ein Muster entstehen, das sich jeden Monat wiederholt – ein Teufelskreis, der an der Psyche nagt.“
Aber nicht nur während der Periode, sondern im Laufe des gesamten Zyklus beeinflussen Hormone die Leistungsfähigkeit von Sportlerinnen. In der ersten Zyklusphase, in der das Hormon Östrogen im Körper steigt, sei man leistungsfähiger, erklärt Dr. Diana Wöhrmann. Auch sie arbeitet in der Sportklinik des Klinikums Stuttgart und ist Mannschaftsärztin der weiblichen U17-Handballnationalmannschaft. Der Höhepunkt sei während des Eisprungs erreicht. „In der Phase zwischen dem Eisprung und der Menstruation lässt das Östrogen nach, das Hormon Progesteron steigt an und man fühlt sich einfach erschöpfter und müder“, erläutert Wöhrmann. „Gerade wenn es um Ausdauer geht, lässt die Leistungsfähigkeit dann nach.“
Zyklus beeinflusst Verletzungsrisiko
Der weibliche Zyklus scheint auch die Verletzungsgefahr zu beeinflussen. Statistisch erleiden Frauen deutlich häufiger Kreuzbandrisse als Männer, erläutert Lara Liewald. Lange sei dafür die andere Anatomie und Muskulatur der Frau verantwortlich gemacht worden. Neue Forschung deute aber daraufhin, dass auch der Zyklus eine Rolle spielt.
Es gibt laut Liewald starke Evidenz, dass das größte Risiko für eine Kreuzbandverletzung bei Sportlerinnen in der Zeit um den Eisprung herum liegt. Der Östrogenschub in dieser Phase mache die Bänder nachgiebiger und dadurch habe zum Beispiel das Knie weniger Stabilität. Das fördere ungünstige Belastungswinkel. Die Studienlage zur Auswirkung des Zyklus auf Leistungsfähigkeit und Verletzungsgefahr sei noch begrenzt, so die beiden Sportmedizinerinnen, es werde aber immer mehr zu dem Thema geforscht. Kürzlich startete etwa der Weltverband Fifa eine neue Studie zum Einfluss des Menstruaktionszyklus auf das Verletzungsrisiko im Spitzensport.
Auch Theresa Panfil spürt, wie sich ihr Zyklus auf ihren Körper auswirkt. „Vor allem nach dem Eisprung hatte ich ein Tief, wo mir mein Körper gezeigt hat, du bist gerade müde und nicht so spritzig“, erläutert sie. Außerdem fühle sie sich an einem bestimmten Punkt im Zyklus nicht so stabil in ihrem Körper. Zwei Mal habe sie sich das Kreuzband in einer ähnlichen Phase des Zyklus gerissen.
Die Periode: Ein Tabuthema im Sport
Obwohl sie alle Sportlerinnen betrifft, sprechen nur wenige mit ihrem Trainer oder ihrer Trainerin über ihre Periode. Laut einer Studie der Themengruppe „Frauen im Leistungssport“ des Instituts für angewandte Trainingswissenschaft sind es gerade einmal 21 Prozent. Die Hemmschwelle zu sagen, dass man wegen seiner Periode einen Tag nicht mitspielen kann, sei im Leistungssport hoch, sagt Panfil – aus Angst, durch ein verpasstes Training beim nächsten Spiel nicht auf dem Platz stehen zu können.
Auch sie selbst sprach in ihrer aktiven Zeit nicht mit ihren Trainern über die Menstruation. „Es ist ein Tabuthema, das jahrelang totgeschwiegen wurde. Das hat auch etwas mit unserer Gesellschaft zu tun“, sagt die VfB-Co-Trainerin. Es herrsche sehr wenig Wissen und Verständnis über den weiblichen Zyklus. „Im Frauensport war die Periode nie ein Thema, weil man als Sportlerin immer versucht hat, es zu verschweigen. Man wollte das nicht überbetonen, damit niemand denkt, dass man eine Ausrede für etwas sucht.“
Theresa Panfil. Foto: VfB Stuttgart
Mittlerweile brechen immer wieder Athletinnen das Tabu. So etwa Ski-Star Mikaela Shiffrin, die 2023 über die Auswirkung ihrer Periode auf ihre Leistung in einem Interview sprach – und prompt von einem Übersetzer falsch verstanden wurde. Aus ihrer englischen Formulierung, dass sie sich gerade an einem ungünstigen Moment in ihrem Zyklus befinde, übersetzte er, dass sie nicht zum monatlichen Radfahren gekommen sei. „Das war das erste Mal, dass ich wahrgenommen habe, dass eine Frau im Leistungssport öffentlich über ihre Periode gesprochen hat“, sagt Theresa Panfil. In den letzten Jahren sei die Periode im Sport etwas enttabuisiert worden. Vor wenigen Monaten sprach etwa auch Nationalspielerin Lena Oberdorf in ihrem Podcast über ihre Menstruationsbeschwerden. „Jetzt ist bekannt, dass der Zyklus die Leistungen von Frauen beeinflusst. Aber trotzdem trauen sich die meisten Sportlerinnen nicht, offen darüber zu sprechen“, sagt Theresa Panfil.
Panfil: Es braucht mehr Wissen über den Zyklus
Es brauche mehr Wissen über den weiblichen Zyklus im Leistungssport, meint die 29-Jährige. Im Individualsport würden Coaches mittlerweile auf den Zyklus der Sportlerinnen eingehen. Im Mannschaftssport sei das schwierig.
Wie können Frauen zyklusorientiert trainieren? Die erste Zyklusphase bis zum Eisprung, in der Frauen leistungsfähiger sind, nutzt man laut Sportmedizinerin Diana Wöhrmann für Krafttraining und Training mit hoher Belastung. „Während des Eisprungs, wenn das Verletzungsrisiko höher ist, achtet man dann mehr auf die Stabilität, um Verletzungen zu vermeiden“, erläutert sie. In der zweiten Zyklushälfte, wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt, sei es sinnvoll, mehr auf Regeneration zu setzen und den Fokus beispielsweise auf Technik oder Ausdauergrundlagen zu legen. „Die Forschung zu zyklusorientiertem Training ist noch in den Anfängen. Aber aus unserer Erfahrung macht so ein Training Sinn“, sagt die Sportmedizinerin.
Wie der VfB mit der Periode der Spielerinnen umgeht
Auch bei den VfB-Frauen wird die Periode der Spielerinnen mittlerweile berücksichtig. Bei einem Monitoring geben diese laut Theresa Panfil jeden Morgen an, wie es ihnen geht, ob sie ihre Periode und dadurch Beschwerden haben oder ob bei ihnen andere zyklusbedingte Probleme auftreten. „Und dann gehen wir mit der Spielerin ins persönliche Gespräch und fragen, wie sie sich gerade fühlt und ob sie trotzdem trainieren möchte, nur bei Teilen des Trainings mitmachen möchte oder wie wir das Training für sie anpassen können“, erläutert sie.
Ähnlich gehen laut Panfil mittlerweile die meisten Mannschaften der ersten Bundesliga mit dem Zyklus der Spielerinnen um. Ein individuelles zyklusbasiertes Training gibt es für die Fußballerinnen des VfB bislang nicht. Mit einem Cheftrainer und zwei Co-Trainern sei dieser Aufwand nicht zu leisten, so Panfil.
Das Musterbeispiel für den Umgang mit der Periode im Fußball: Die Frauenmannschaft des FC Chelsea. Dort wird seit Jahren der Zyklus der Spielerinnen getrackt und das Training der jeweiligen Zyklusphase individuell angepasst. „Die Wunschvorstellung ist, dass das irgendwann in allen Mannschaften möglich ist“, sagt Panfil.