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Auf den Fildern

Kluger Quartiersumbau für grünere Städte

Sollen die Städte nicht mehr und mehr zu Hitzeinseln werden, braucht es clevere Konzepte für ein besseres Mikroklima. Wie das geht, stellen wir in Beispielen vor.

Kluger Quartiersumbau für grünere Städte

Auf Gründächern funktioniert auch Biodiversität, wie hier mit Nektarquellen, Totholz und einem Sandarium als Lebensraum für Wildbienenarten. Foto: BUGG Bundesverband GebäudeGrün

In Deutschland geht es vor allem um den Umbau existierender Stadtviertel und Quartiere. Es braucht mehr Schatten und mehr Verdunstung für ein besseres Mikroklima, das den urbanen Lebensraum vor zu viel Hitze schützt und die Lebensqualität verbessert. Das erreichen professionelle Dach- und Fassadenbegrünungen zusammen mit standortgerechten Baumpflanzungen nach dem Schwammstadtprinzip. Diese Maßnahmen dürfen auch in Zeiten knapper kommunaler Kassen nicht zurückstehen.

Rundum grün

Dach- und Fassadenbegrünungen leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer gesteigerten innerstädtischen Klimaresilienz sowie einer wasserbewussten Entwicklung. Sie schützen durch ihre Wasserspeicherfähigkeit vor Überflutungen, verhindern Hitzeinseln durch Verdunstungskälte, fördern Lebensräume und Biodiversität, schützen Gebäudehüllen und erhöhen die Lebensqualität für Stadtbewohner. Aus tristen Fassaden werden lebendige Wände. Flach- oder Schrägdächer bieten Tausende Quadratmeter Pflanzflächen. So verwandeln ausgewählte Pflanzenarten zusammen mit grünem Fachwissen und passenden Systemaufbauten industriell oder gewerblich genutzte Gebäude sowie private Domizile in grüne Oasen.

Grüne Inseln im urbanen Raum sorgen für Schatten, angenehmere Temperaturen und eine höhere Aufenthaltsqualität. Foto: Helix Pflanzensysteme GmbH, Axmann-Rottler
Grüne Inseln im urbanen Raum sorgen für Schatten, angenehmere Temperaturen und eine höhere Aufenthaltsqualität. Foto: Helix Pflanzensysteme GmbH, Axmann-Rottler

Fassadenbegrünungen - Multitalente

Mittlerweile gibt es wandgebundene Fassadensysteme, die sich nachträglich installieren lassen, denn sie passen sich den baulichen Gegebenheiten der Bestandsgebäude an. Meist sind es Pflanzkassetten, Paneelen oder Pflanztaschen, welche die Lebensgrundlage für verschiedenste Gräser, Farne und blühende Stauden bieten. Einige Hersteller bieten diese Systeme mit vorkultiviertem Grün an. Die Pflanzen wachsen überwiegend nicht in Substrat, sondern in einer anorganischen Substanz, etwa Mineralwolle. Die Bewässerung erfolgt gezielt, sparsam und vollautomatisch als geschlossenes System mit Nährlösung. So sind die Pflanzen optimal versorgt. Zugleich mindert dies den Pflegeaufwand für die grüne Fassade. Diese verbessert das Mikroklima, schützt Gebäude vor Überhitzung, wirkt besser als jede Klimaanlage und fördert die Biodiversität. Unterschiedliche Grüntöne und Texturen malen ein lebendiges Gemälde auf die Hauswand, das von Jahreszeit zu Jahreszeit attraktive Akzente setzt. Fassadenbegrünungen funktionieren auch im kleinen Stil bei Einfamilienhäusern auf eindrucksvolle Art.

Dachbegrünungengewerblich und privat

Nach wie vor gibt es in unseren Städten sehr viele nicht begrünte Flachdächer - ein unglaubliches Potenzial für mehr Klimaresilienz. Gründächer halten Regenwasser zurück, leiten es verzögert in die bei Starkregenereignissen überlastete Kanalisation ab und verdunsten das gespeicherte Wasser für ein kühleres Stadtklima. Solar und Begrünung funktionieren gemeinsam und dies sogar mit Synergieeffekten. Denn die Pflanzen sorgen an heißen Tagen für Kühlung, was die Photovoltaikanlage produktiver arbeiten lässt. Die gesamte Technik inklusive Grauwassernutzung für die Bewässerung ist vorhanden, nur wird sie leider viel zu wenig eingesetzt. Selbst Biodiversität klappt mit entsprechenden Pflanzen, Materialien und Nistmöglichkeiten auf dem Gründach hervorragend. Nicht nur Flachdächer eignen sich für eine Dachbegrünung auch Schrägdächer lassen sich dauerhaft begrünen. Bei Dachstuhlsanierungen sollte diese Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, denn neben all den anderen Vorteilen, die ein Gründach bietet, wie die Bindung von Feinstaub, Regenrückhalt und Verdunstung, isoliert es auch exzellent.

Unternehmen aus der Region

Wertvoller Schatten

Zu ebener Erde lässt sich mit klimafitten Schattenbäumen eine höhere Lebensqualität im urbanen Raum schaffen. Dabei ist auf ausreichend Wurzelraum und Wasser für eine lange Lebensdauer zu achten, was vor allem durch Bauweisen nach dem Schwammstadtprinzip erreicht wird. Parks und Grünzüge sind zu erhalten und mit mehr natürlichen Schattenplätzen aufzuwerten. Im Sommer bieten kleine Grüninseln in Städten kühle Treffpunkte am Mittag. Abends dienen sie als beliebte Treffpunkte im Quartier und fördern die soziale Resilienz. Alle diese Minibiotope, und darunter fällt auch ein einzelner Stadtbaum, fördern die Biodiversität.

Mögliches Vorzeigeprojekt

Drei Hektar wertvollen Stadtraum umfasst der A-81-Deckel zwischen Sindelfingen und Böblingen, dessen Fertigstellung 2027 geplant ist. Diese Fläche bietet enormes Potenzial, um beide Städte mit einem attraktiven Erholungsraum zu verbinden. Christoph Walker, Geschäftsführer der Karl Walker GmbH in Sindelfingen und Vorstandsmitglied im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V., sieht die einmalige Chance für ein wertvolles Naherholungsgebiet mit schattigen Aufenthaltsräumen sowie Freizeit- und Spielbereichen. „Diese Fläche nur als Schnellradweg und für Photovoltaikanlagen zu nutzen, wäre in Zeiten des Klimawandels fatal“, meint Walker, der eine Steigerung der Attraktivität für beide Städte sieht. „Dafür sind eine durchdachte und ausbaufähige Planung sowie der Check aller Fördermöglichkeiten durch den Bund und das Land erforderlich“, erklärt Walker. Der A-81-Deckel könnte zum Vorzeigeprojekt und Aushängeschild für ganz Baden-Württemberg werden. 

Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau besitzt die Expertise für den Bau dieser gesamten Begrünungsmaßnahmen. Das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (www.kompetenzzentrum-nk.de) berät Städte und Kommunen hinsichtlich der Gestaltung von Siedlungs- und Verkehrsflächen und kennt die passenden staatlichen Förderprogramme. Förderungen zur Stärkung von Ökosystemen und Klimaschutzleistungen koordiniert das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK).

Weitere Informationen: www.gruen-in-die-stadt.de

Von Petra Reidel


Einfache Mittel helfen Pflanzen bei Kälte

Nachtfrost kann Balkon- und Gartenpflanzen zusetzen. So schützen sie empfindliche Gewächse.

Tagsüber sehr sonnig, nachts immer noch eiskalt - diese starken Temperaturschwankungen sind Ende April keine Seltenheit. Wer auf dem Balkon oder im Garten gepflanzt hat, bangt um seine Pflanzen. Nachtfrost kann empfindlichen Gewächsen erheblich zusetzen: Gefriert das Zellwasser, werden Pflanzenzellen geschädigt oder zerstört. Einige robuste Arten verkraften zwar leichte Minusgrade. Kritisch wird es jedoch vor allem dann, wenn Pflanzen nach milden Tagen bereits ausgetrieben haben oder sich in der Blüte befinden. Gerade dann sind sie besonders anfällig, weil junge Triebe und Blüten weniger widerstandsfähig sind. Gefährdet sind unter anderem früh blühende Ziergehölze wie Forsythien oder Magnolien sowie viele Obstgehölze - insbesondere während der Blütephase, da hier Ernteausfälle drohen können. 

Auch Tomaten, Gurken, Bohnen und Zucchini sowie empfindliche Kräuter wie Basilikum reagieren sensibel auf Kälte. Solche Pflanzen stammen häufig aus wärmeren Klimazonen und besitzen kaum natürliche Frostresistenz. Generell gilt: Je jünger die Pflanze und je frischer sie gesetzt wurde, desto größer ist das Risiko von Frostschäden.

Einfach, aber durchaus wirkungsvoll

Vorbeugen lässt sich mit einfachen, aber wirkungsvollen Maßnahmen. Topfund Kübelpflanzen sollten bei angekündigten Kälteeinbrüchen möglichst in frostfreie Räume wie Garage oder Keller gebracht werden. Ist das nicht möglich, hilft ein geschützter Standort - etwa dicht an der Hauswand, wo sich tagsüber Wärme speichert und nachts langsamer abgegeben wird. Auch windgeschützte Ecken sind von Vorteil, da kalte Luftbewegungen die Auskühlung verstärken können. 

Kälteempfindliche Kräuter wie Basilikum lässt man ohnehin besser noch bis nach den sogenannten „Eisheiligen“ Mitte Mai auf der Fensterbank. Experten raten generell dazu, mit dem Auspflanzen wärmeliebender Arten zu warten, bis keine Spätfröste mehr zu erwarten sind. Für kurzfristige Kälteeinbrüche kann Gartenvlies ein Hilfsmittel sein. Das leichte, luft- und wasserdurchlässige Material kann über Pflanzen gelegt oder über Beete gespannt werden. Es wirkt isolierende, reduziert die nächtliche Wärmeabstrahlung und speichert tagsüber Sonnenenergie. So lassen sich empfindliche Pflanzen oft bis zu mehreren Minusgraden schützen). Wichtig ist jedoch dabei, die Abdeckung morgens wieder zu entfernen, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut und die Pflanzen ausreichend Licht und Luft erhalten. 

Eine weitere Option ist das Mulchen: Eine Schicht aus Rasenschnitt, Laub oder Rindenmaterial schützt den Boden und damit die Wurzeln vor starker Auskühlung. Gleichzeitig verbessert sie die Bodenstruktur und speichert Feuchtigkeit. Auch improvisierte Lösungen - etwa ein provisorisches „Schutzzelt“ aus Folie oder Stoff - können in akuten Frostnächten helfen. dpa/red


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