Wie war das Weinjahr 2025 für die hiesigen Winzer?„Der Herbst war ziemlich ungewöhnlich“, meint Christel Currle dazu. Sie bewirtschaftet in Uhlbach vier Hektar, auf denen sie unterschiedliche Rebsorten anbaut. Normalerweise werden diese nach und nach reif, sodass während der Lese auch mal ein Tag Pause drin ist. Dieses Jahr wurde fast alles gleichzeitig reif.“ Es galt also, möglichst schnell zu ernten, was zu holen war. Denn wenn möglich sollte alles vor dem angekündigten großen Regen im Keller sein. Dreieinhalb sehr intensive Wochen hat die Lese, dieses Jahr gedauert. Schnell musste es auch bei Christian Wöhrwag in Obertürkheim gehen. „Wir hatten bis 12. September unseren Besen offen und haben am nächsten Morgen mit der Lese begonnen. Dann hat's pressiert.“ Mit der Qualität der Trauben ist er sehr zufrieden. „Der Trollinger war richtig schön durchgefärbt und blau. Das war fast wie 2003.“ Mit dem Rückschnitt der Reben ist er bereits fertig, bei anderen Betrieben sind die Arbeiten noch im Gange.
Schöne, gesunde Trauben
Auch Thomas Ziegler aus Uhlbach spricht von einem sehr schönen Weinjahr. „Das Frühjahr war zwar etwas trocken, aber im Sommer kam dann doch genug Wasser. Das hat die Qualitäten gerettet“, sagt der Wengerter. Lauter schöne, gesunde Trauben habe man dadurch ernten können. Er selbst liefert diese ans Collegium Wirtemberg, wo er auch im Vorstand ist. Im eigenen Betrieb gab es in dieser Woche beim Nikolaus-Besen – bis Samstag, 29. November – allerhand zu tun.
„Die Qualitäten waren sehr gut, die Menge überschaubar“, fasst Christian Zaißs aus Obertürkheim das Weinjahr zusammen. Für die Weine seien die geringeren Mengen aber nicht unbedingt schlecht. Auch bei ihm war die Lese intensiv: „Wir hatten noch nie so wenig Lesetage wie dieses Jahr.“ Mitte Oktober startete dann die Besen-Saison, die am ersten Adventssonntag wieder endet. Gleichzeitig läuft nun die Glühweinproduktion an.
Generell sei die Situation im Weinbau schwieriger geworden.„Man muss schon einiges tun, um den Wein zu verkaufen“, spricht Thomas Ziegler für das Collegium Wirtemberg. Unter anderem mit Veranstaltungen und Events. Auch mit neuen Mischgetränken und alkoholfreien Varianten wird experimentiert: „Die alkoholfreien Seccos funktionieren sehr gut.“ Dennoch ist die Situation im Weinbau nicht einfach. "Flächen, auf denen es sich nicht mehr lohnt, werden teilweise schon aufgegeben“, sagt auch Zaiẞs. „Das ist ein großes Thema in der Branche.“
Der Konsum von Weinen und Alkohol gehe zurück. Umso wichtiger findet es Zaiẞs, dass regionale Produkte geschätzt werden. „Schließlich betreiben wir auch Landschaftspflege. Die Weinberge sind Naherholungsgebiete – das muss aber auch gepflegt werden.“ Einen Einblick in die Arbeit im Weinkeller bekamen kürzlich die Teilnehmer des Obertürkheimer/Uhlbacher Abendspaziergangs. Der Handelsund Gewerbeverein hatte diesen nach längerer Pause wieder ins Leben gerufen. Mehr als 50 Gäste konnten nach dem Besuch beim Metallbaubetrieb Markus Heindel – einen Blick in die Keller des Wein- und Sektguts von Christel Currle werfen und auch den ein oder anderen Tropfen probieren. Vor allem die Sektherstellung und Wein aus dem Barrique-Fass liegen Currle am Herzen. „Sekt kann man eigentlich immer trinken“, findet die Winzerin. „Dafür braucht es keinen besonderen Anlass wie Geburtstag oder Silvester.“ Auch zum Sonntagsfrühstück passe ein Gläschen wunderbar.
Glühwein nicht zu süß
Und was empfehlen die Wengerter sonst noch, bis im Frühjahr die ersten Flaschen des Jahrgangs 2025 in den Handel kommen? „Beim Collegium gibt es einen fertigen Glühwein“, wirbt Ziegler. Dieser sei nicht so süßs und auch nicht überwürzt. Auch Christel Currle stellt einen Glühwein her, den man unter anderem beim Singen unterm Weihnachtsbaum in Uhlbach probieren kann. Mehrere Stände auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt beliefert Christian Zaiẞs.
„Wichtig ist vor allem eine gute Qualität“, erklärt er. "Nur aus einem guten Wein kann auch ein guter Glühwein werden.“ Neben frischen Gewürzen wird nur moderat Zucker zugegeben.„Es soll immer noch nach Wein schmecken.“
Dass Weingenuss in Maßen sogar der Gesundheit dient, betont Ziegler. Kürzlich ist im Remstal der bis dahin älteste Mann Deutschlands gestorben. „Der war Wengerter und hat jeden Tag ein Gläschen getrunken“, sagt Ziegler.„Da soll noch einer sagen, dass Wein nicht gesund ist.“
Von Martina Fürstenberger