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Studieninfotag der DHBW Stuttgart: Diagnose am Holopatienten

Die DHBW Stuttgart setzt als erste deutsche Hochschule auf den Einsatz von Augmented Reality und schafft damit ganz neuartige Lernumgebungen.

Studieninfotag der DHBW Stuttgart: Diagnose am Holopatienten

Die Holo-Patient-Software im Einsatz. Pflegestudierende arbeiten mit der AR-Brille. Foto: Foto: GigXR..

Der Patient sieht nicht gut aus, was ihm wohl fehlt? Fünf Studierende scharen sich um ihn, nehmen ihn genau in Augenschein: Wie atmet er, wie sind seine Vitalfunktionen, gibt es etwas Auffälliges? Wenn keine Fragen offen sind, geht es in die Diskussion: Die Brillen werden abgenommen, der Patient ausgeschaltet.

Am Studienzentrum Gesundheitswissenschaften und Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart wird Pflegestudierenden durch den Einsatz von Augmented Reality (AR) eine besondere Möglichkeit geboten, Situationen mit kranken Menschen so real als möglich zu erleben. Sie erstellen Diagnosen an Hologrammen. Die Holo-Patient-Software machts möglich. Als erste Hochschule in Deutschland setzt die DHBW Stuttgart auf sie.

Den Studierenden eröffnet die Zusammenarbeit mit den Hologrammpatienten eine ganz neue Lernumgebung und führt sie im Hinblick auf die technische Komponente in Neuland ein. „Wer noch nie mit einer AR-Brille zu tun hatte, muss sich tatsächlich damit vertraut machen“, sagt Prof. Dr. Bettina Flaiz, Studiengangsleiterin Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Die Echtheit der Hologramme sei frappierend, sagt sie, und dass sie bei Versuchen, die Patienten zu berühren, in die Luft gegriffen habe.

Die finanziellen Mittel gab es über EdCoN, ein von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördertes Digitalisierungsprojekt. In diesem Jahr haben die ersten Studierenden der Pflegewissenschaften aus dem fünften Semester damit gearbeitet. Je nach räumlicher Gegebenheit saß der Patient oder die Patientin zwischen ihnen auf einem Stuhl, stand neben ihnen oder lag beispielsweise im Bett. Viele verschiedene Krankheiten hält das Programm bereit: Die Hologramm-Menschen haben zum Beispiel leichten einen Schlaganfall erlitten, leiden unter einer Blutvergiftung oder haben Probleme mit ihrem Diabetes.

„Die Echtheit der Hologramme ist frappierend.“
Prof. Dr. Bettina Flaiz
Studiengangsleiterin Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften

Auf Fragen antworten die Patienten so gut wie nicht, man kann sie aber rundum in Augenschein nehmen und ihre Vitalparameter abrufen. Sehr real sind auch die akustischen Reize, wie etwa die Atemgeräusche, und es gibt durchaus Gefühlsäußerungen, wie Weinen und eine Mimik. Während der Hologramm-Visiten wurden die Studierenden nicht alleine gelassen.

„Eine besondere Gruppe zukommen, Betreuung ließen wir der die mit einem Vergewaltigungsopfer zu tun hatte“, sagt Bettina Flaiz. „Dieser extremen Situation wollten wir sie nicht unvorbereitet gegenüberstellen.“ Die anderen Studierenden wurden von ihren Patienten und ihren gesundheitlichen Problemen jeweils überrascht.

Die Arbeit mit den Hologrammpatienten hat allen ein lebendiges Lernen ermöglicht, und bei der nachfolgenden Aufbereitung ihres Falls konnten sie sehr viel Wissen rund um das jeweilige Krankheitsbild erwerben. Ihren Lernfortschritt schätzten alle weit besser ein als beim bloßen Lernen anhand von Unterlagen. „Interessant auch“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Münzenmay: „Den gleichen Patienten und die gleiche Situation vor Augen, nahmen die Teilnehmenden einer Gruppe sehr unterschiedliche Dinge wahr.“ Frei von der Angst, Fehler zu machen, war es für alle eine wertvolle „Praxiserfahrung“. Insbesondere jene Gruppe, die sich der vergewaltigten Frau angenommen hatte, sprach von sehr viel Gewinn und einer guten Vorbereitung, sollten sie in Zukunft mit so einer Situation konfrontiert werden.

„Unsere Studierenden haben soziale Kompetenz erworben, gelernt, im Team zu kommunizieren, zusammenarbeiten, was besonders in der Pflege wichtig ist“, betont Prof. Dr. Margrit Ebinger, Studiengangsleiterin für Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Und: Im Pflegealltag halten digitale Techniken immer mehr Einzug. Wer sich im Studium damit beschäftigt, hat im Arbeitsalltag große Vorteile.

Von Julia Alber

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