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So wird Wein richtig gelagert

Warum selbst teure Weine im Alltag schnell ihren Zauber verlieren - und wie man sie mit einfachen Tricks vor Hitze, Licht und Schimmel schützt.

So wird Wein richtig gelagert

Im Weinkühlschrank herrschen stets richtige Lagerbedingungen. Foto: Franziska Gabbert/dpa

Man macht bei einer Weinverkostung mit, verliebt sich in einen edlen Tropfen und gibt dafür mehr aus als geplant. Doch wenn man die Flasche daheim öffnet, schmeckt sie anders. Das kann an der berühmten veränderten Umgebung und Atmosphäre liegen - aber auch an der Aufbewahrung. „Leute geben manchmal viel Geld aus für Wein, lagern aber die Flasche nicht richtig“, sagt Katrin Puff vom Weingut Kloster Eberbach. Die Leiterin der Kellerwirtschaft hat in ihrem Weinkeller in der hessischen Weinstadt Eltville natürlich 1-a-Bedingungen. Aber an ihrer Beobachtung ist was dran.

Das so ziemlich Grauenhafteste, was man einem Wein antun kann, ist ein Standort auf dem Fensterbrett. Das mag zwar repräsentativ aussehen. Aber:„Wein liebt die Dunkelheit. UV-Strahlen können unerwünschte Reaktionen im Wein hervorrufen, die den Geschmack des Weines negativ beeinflussen. Das gilt insbesondere für Weißweine in hellen Flaschen“, sagt Steven Buttlar, Sprecher der Sommelier-Union. Doch nicht nur das Licht ist ein wichtiger Faktor für eine gelungene Weinlagerung, sondern auch die Temperatur: „Ideal sind 12 bis 16 Grad“, sagt Buttlar. Was für ihn allerdings noch wichtiger ist, ist die Konstanz. „Hohe Schwankungen wirken sich negativ auf den Wein aus. 

Die Geschwindigkeit des Reifeprozesses erhöht sich bei höheren Temperaturen - wertvolle Aromen bleiben auf der Strecke, stabilisierende Säuren werden abgebaut, dem Wein geht schneller die Luft aus“, erklärt der Weinexperte. Deshalb sind für Patrick Jacklin vom Weingut Heitlinger Lagerorte wie Dachböden, Gartenhäuser oder Garagen ungeeignet„ ,da hier die Temperaturen viel zu stark schwanken und der Wein Schaden nehmen könnte“. Gleiches gelte für die Lagerung nahe einer Heizung oder im Kleiderschrank. Steven Buttlar kennt noch ein „Gift“: Erschütterungen. „Vibrationsfreie Lagerorte - abseits von Waschmaschinen, Heizungen oder Lautsprechern - sind wichtig für die optimale Weinlagerung. Besonders gereifte Burgunder, alte Rieslinge oder gereifter Champagner reagieren empfindlich auf Erschütterungen jeglicher Art.“

Unternehmen aus der Region

Er erinnert daran, dass der Volksmund sagt: „Wein atmet“. In der Tat findet ein leichter Luftaustausch durch den Kork statt. „Er kann dabei besonders penetrante Umgebungsgerüche aufnehmen. Deshalb sollten Farben, Lösungsmittel, Benzin oder aggressive Reinigungsmittel im Weinlagerraum möglichst vermieden werden.“ Nicht außer Acht lassen sollte man zudem die Luftfeuchtigkeit: Ist sie zu niedrig, können Naturkorken mit der Zeit austrocknen. Dann dringt Luft in die Flasche ein und der Wein oxidiert. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit droht wiederum Schimmel an Etiketten und Kapseln. Um beide Extreme zu vermeiden, wäre eine konstante Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent wünschenswert.

Um also eine konstant kühle Lagerung mit 65-prozentiger Luftfeuchte und ohne UV-Strahlung zu gewährleisten, kommen für das heimische Weinlager somit nur Kellerräume oder Weinklimaschränke infrage. „Falls man beides nicht zu Hause hat, ist ein unbeheizter, fensterloser Raum, etwa ein kühler Hauswirtschaftsraum, gut geeignet“, schlägt Buttlar vor. Wer auch diesen nicht hat, dem rät er: „Bei kleineren Wohnungen kann man seine hochwertigeren Weine zur Not vorübergehend im Vorratsschrank oder unter dem Bett lagern.“ Für eine längere Lagerung größerer Mengen hochwertiger Weine könne man über eine professionelle Weinlagerlösung nachdenken. „Am besten in einem Weinkeller mit konstantem Klima. So etwas bieten „Storage“-Unternehmen in vielen Städten an.

Oder wie wär's mit einem Weinkühlschrank? „Die gibt es heute für fast jedes Budget - vor allem bei gebrauchten kann man ein echtes Schnäppchen machen“, sagt Patrick Jacklin, selbst Mitglied in einer Winebank. „Das ist ein, Private Members Club, der Weinlagerung und Weinclub vereint. Das Konzept gibt es heute in vielen Innenstädten und ist ideal für alle, die gerne Wein lagern und selbst keinen Platz zu Hause haben.“ Jacklin hat auch noch einen Trick auf Lager, wenn ein Wein wirklich lange gelagert werden soll - zum Beispiel für einen runden Geburtstag aus dem Geburtsjahrgang des Beschenkten: „Wenn man da das Etikett über Jahrzehnte perfekt erhalten möchte, bietet es sich an, die Flasche in Frischhaltefolie einzurollen.“ Apropos Alter: Jacklin weiẞs, dass viele dazu neigen, bei hochwertigen Weinen auf den richtigen Moment zu warten, um sie zu öffnen. Er rät:„Lieber einen Wein zu jung trinken, als dass er nicht mehr zu genießen ist.“


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