Landtagswahl Baden-Württemberg Das sind die 23 Abgeordneten der AfD

Wer sind die 23 Abgeordneten, die die AfD in den neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg schickt? Wir haben zusammengetragen, was aus öffentlich zugänglichen Quellen über die drei Frauen und 20 Männer herauszufinden ist.

Wer sind die 23 Kandidaten (hier ein Teil von ihnen), die am Wahlsonntag für die Alternative für Deutschland (AfD) in den baden-württembergischen Landtag eingezogen sind? In der Bilderstrecke stellen wir sie je einzeln vor. Foto: dpa 25 Bilder
Wer sind die 23 Kandidaten (hier ein Teil von ihnen), die am Wahlsonntag für die Alternative für Deutschland (AfD) in den baden-württembergischen Landtag eingezogen sind? In der Bilderstrecke stellen wir sie je einzeln vor.Foto: dpa

Stuttgart - Wer sind die 23 Abgeordneten, die die AfD in den neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg schickt? Nachdem über die beiden direkt gewählten Landtagsabgeordneten berichtet wur de, rücken die 21 übrigen neuen AfD-Abgeordneten in den Fokus.

Bei vielen von ihnen handelt es sich um Quereinsteiger und Politik-Neulinge, andere sind seit vielen Jahren auf Gemeindeebene politisch aktiv und waren früher bei anderen Parteien.

Über einige der AfD-Abgeordneten sind so gut wie keine Informationen verfügbar; einige von ihnen sprechen nicht mit etablierten Medien – äußern sich aber gern beispielsweise über ihren Facebook-Account.

Wir haben nachgeforscht, was aus öffentlich zugänglichen Quellen über die drei Frauen und 20 Männer herauszufinden ist, die künftig die AfD-Wählerinnen und Wähler im baden-württembergischen Landtag vertreten werden. Nachfolgend stellen wir die Abgeordneten vor.

Professor Jörg Meuthen, Wahlkreis Backnang:

Der 54-Jährige gilt als das freundliche Gesicht der Partei. Ursprünglich als Bernd-Lucke-Fan eingetreten, ist Jörg Meuthen mittlerweile Frauke Petrys Co-Sprecher in der Bundespartei. Im Wahlkampf zeigte sich Meuthen stets etwas zurückhaltender als seine Kollegen aus dem Bund oder Land. In seinem Wahlkreis Backnang holte er 19,7 Prozent der Stimmen. Bei der Wahlparty am Sonntag sprach Meuthen auch über die Belastungen des Wahlkampfs: Man habe die AfD „auf jede ­erdenkliche Weise bekämpft, wir wurden als rechtspopulistisch bezeichnet, was wir nicht sind“. Auch die Etiketten rechtsextrem und fremdenfeindlich wies Meuthen von sich. Meuthen, mittlerweile zum Fraktionschef der neuen Fraktion im Landtag in Stuttgart gewählt, gilt als Gegner der gleichberechtigten Homo-Ehe.Getty

Dr. Heinrich Fiechtner, Wahlkreis Göppingen

Der Onkologe und Palliativmediziner mit einer Praxis in Stuttgart sitzt bereits seit 2014 für die AfD im Stuttgarter Gemeinderat. In seinem Wahlkreis Göppingen holte er am Sonntag 17,4 Prozent. Fiechtner (Jahrgang 1960) ist Vertreter eines erzkonservativen Familienbildes und lehnt die Ganztagsbetreuung von Kindern ab. Auch die „ungesteuerte Einwanderung aus fremden Kulturen“ habe ihn zu seinem Engagement in der AfD bewogen. Fiechtner gilt auch innerhalb der Partei als Rechtsaußen. Empörung löste unter anderem aus, dass er den Stuttgarter OB Fritz Kuhn (Grüne) einmal auf Facebook als „miesen, faschistoid-populistischen Scharfmacher“ bezeichnete und den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ verglich.

Bernd Grimmer, Wahlkreis Pforzheim

Haarscharf holte Bernd Grimmer, 65 Jahre alt, am Sonntag mit 24,2 Prozent der Stimmen das Direktmandat für die AfD in Pforzheim - er errang 59 Stimmen mehr als die Kandidatin der Grünen. Grimmer war Anfang der 80er Jahre selbst Gründungsmitglied der Grünen, saß für sie zehn Jahre lang im Gemeinderat. In den Neunzigern wechselte er zu den Freien Wählern. Den Sprung in den Landtag schafft er erst jetzt mit der AfD. „Damit habe ich in keiner Weise gerechnet“, sagt Grimmer einen Tag nach der Wahl. Schließlich habe die AfD eine „maßlose Schmutzkampagne“ der übrigen Parteien im Wahlkampf durchlitten. Er sagt, dass mindestens 70 Prozent der AfD-Wahlplakate zerstört wurden. „Doch zu unserer Freude hat das wenig gewirkt.“ Seinen Erfolg erklärt er sich unter anderem durch seinen Bekanntheitsgrad: „Ich sitze seit mehr als 20 Jahren im Pforzheimer Gemeinderat.“ Seit Juni 2013 ist der promovierte Wirtschaftswissenschaftler AfD-Stadtrat, mittlerweile mit zwei anderen Parteimitgliedern. „Da mich viele in der Stadt kennen, kann keiner sagen, ich sei jetzt plötzlich ein Rassist.“ dpa

Rüdiger Klos, Wahlkreis Mannheim I

Klos (Jahrgang 1960) hat für die AfD das zweite Direktmandat geholt - ausgerechnet in der einstigen SPD-Hochburg Mannheim. Er ist Sohn eines Sudetendeutschen und einer Italienerin, katholisch, verheiratet und hat drei schulpflichtige Kinder. Ansonsten weiß man nicht viel über Klos, der stellvertretender Landessprecher der AfD ist. Mit dem „Mannheimer Morgen“, seiner Heimatzeitung, will Rüdiger Klos nicht sprechen, denn der „MM“ habe die AfD „wie den letzten Dreck“ behandelt. Solange sich die Zeitung nicht von einem Kommentar, der mit „Brauner Soße“ getitelt war, distanziere, stünde er für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Im Wahlkampf gab sich Klos moderat und vertrat den programmatischen Mainstream der Partei. Im Gegensatz zum radikalen deutschnationalen Flügel äußerte er durchaus Vertrauen in die Justiz und die Polizei, sofern man diese vernünftig ausstatten würde. Der Stellenabbau der Polizei müsse rückgängig gemacht werden. Als Gegenfinanzierung müssten die Ausgaben für den „Gender-Wahn“ und für die alternative Energiepolitik gestrichen werden. Eine gewisse Leidenschaft entwickelt der eher ruhig formulierende Klos beim Thema Windkraft. Diese sei ein ökologisches Desaster und ökonomisch ein Schildbürgerstreich. Bis hin zu den durch die Rotoren „massenhaft getöteten Fledermäusen“ führt Klos jedes erdenkliche Argument gegen diese Art von Energiegewinnung an. dpa

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Hmm: Interessant ist, dass die AfD ganz offensichtlich eine Männerpartei ist. Drei weibliche Abgebordnete: das spiegelt das Verhältnis Frauen-Männer innerhalb der Partei und Wählerschaft ganz gut wider. Einerseits finde ich den Umstand, dass eine Partei mit solch extrem rechtem Gedankengut mit einer so hohen Stimmenzahl in ein Landesparlament einzieht, andrerseits wird sich rasch zeigen, dass die AfD wie alle Parteien, die sie gerne als "Altparteien" oder "Blockparteien" karikiert, nur mit Wasser kocht und keine Bäume ausreisen kann. Meine Prognose: spätestens im Herbst 2017 wird der Hype um diese Partei ein Ende haben.

Totengräber der Demokratie. : Diese AfD ist alles andere als demokratisch aufgestellt. Man beachte, wieviele Neonazis in Ostdeutschland und z.T. im Westen (Saar) sich bei diesen "Blauen" tummeln. Auch in BW gibt es deutliche Beziehungen zu Rechtsradikalen. Besser wäre es, diesen Leutchen die Farbe Braun zuzuschreiben.

Nachdenklich: sehr informativ, bitte stellen sie auch die anderen Abgeordneten so detailliert vor! Fast alles Menschen, die es in ihrem Leben zu etwas gebracht haben und nicht deswegen Politiker geworden sind, weil sie sonst nichts sind oder können, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, auch wenn ich nicht mit allen Ansichten übereinstimme. Die Führungsriege der Grünen gibt da ein ganz anderes Bild ab und wenn man dann noch deren Vitas studiert ...

Hierzu passend möchte ich die Grünen-Politikerin: Maria Heubuch positiv erwähnen - eine gestandene, verbandserfahrene Allgäu-Bäuerin, die weiß was Arbeit heißt, und sich im Europaparlament fleißig-sachkundig abrackert zum zukunftswichtigen Thema Landwirtschaft: Lebens-Mittel statt zu stark chemisierte oder gar gentech-verschlimmbesserte (TTIP!) oder aus Massentierhaltung stammende Geringwertnahrungsmittel. Mehr solche Politikerinnen und Politiker, bitte! Habe als Arzt schon genug Patienten mit umwelt-mitbedingten Erkrankungen.

Wie bekloppt müssen Wähler sein?: Lt. AfD soll Hartz4 verringert werden, Arbeitslosen-Versicherung privatisiert, die Herdprämie soll erhöht werden, Allein-Erzieherinnen werden nicht nur finanziell diskriminiert. Usw., usw. Das durchweg unsoziale Programm der AfD wird blöderweise nicht aufmerksam gelesen! Genau das ist die größte Dummheit unseres Wahlviehs! Anders kann man verschiedene Verirrte nicht bezeichnen!

Unsozial?: Was ist denn ganz konkret unsozial daran, die Leistung und Arbeit von Frauen oder Männern, die sich zu Hause um Kind und Haushalt kümmern wollen, auch finanziell zu honorieren? Als verirrter Bestandteil des dummen Wahlviehs verstehe ich es nicht und hoffe auf intelligente Erklärung (in dieser bitte auf populistische und diffamierende Bezeichnungen wie "Herdprämie" verzichten). Vielen Dank!

Was soll das eigentlich: bringen liebe StZ? Wollen Sie damit es den linken Demonstranten leichter machen gegen die gewählten Vertreter vorzugehen? Am besten gleich noch Wohnadresse mitteilen, damit einfach Farbbeutel gegen deren Häuser geschmissen werden können oder einfach deren Autos zerkratzt werden können? Warum werden die anderen Vertreter von Grüne, SPD, etc. hier nicht veröffentlicht? Könnte es sein, dass dann die Wähler sehen könnten, dass die meisten von Grün oder SPD dem Steuerzahler als Beamte auf dem Staatssäckel liegen?

Herr: Wagner, ich kann es nur immer wieder sagen! Entgegen ihren polemischen Lügen liegen Beamte nicht dem Steuerzahler auf dem Geldbeutel, auch nicht dem Staatssäckel, es wurde schon oftmals festgestellt als Einsparungen anstanden, dass Beamte billger sind als Angestellte! Beim gleichen Brutto verdient der Angestellte zwar netto weniger, aber der Arbeitgeber muss hälftig Sozialabgaben leisten! Der Beamte hat dann zwar Netto mehr, aber er muss auch noch wenn er in Rente geht, alles versteuern, der Angestellte hat Freibeträge! Also was soll das jetzt gegen Beamte? Weil Sie angehalten wurden und einen Strafzettel bekamen? Oder sticht der Neid herau? Sollte es aber nicht, denn der Beamte darf in BW 4 Stunden/Woche mehr arbeiten als der Angestellte. Also was noch? Petri Heil Herr Wagner

Beamte: Ich arbeite in einem Betrieb wo es neben Angestellten auch Beamte gibt. Von daher weiß ich, dass letztgenannte Riesenvorteile haben: Bei ihnen besteht nicht nur die Gefahr, dass sie nicht arbeitslos werden, sondern z.B. noch folgendes: Regelmäßige Beförderung nur wenn eine bestimmte Anzahl von Jahren vergangen ist und ein höher besoldeter Posten frei wurde (ist oft der Fall, da alle Beamte früher in Pension gehen), eine eigene Krankenversicherung die ungefähr die Hälfte der gesetzlichen beträgt aber Leistungen wie Privatversicherungen gewähren, Beamte haben am 24.12. und 31.12. frei (weil das so im Beamtenrecht geregelt ist)-Angestellte müssen dagegen arbeiten, Beamte zahlen zwar mehr Steuern, durch die niedrigen Krankenversicherungsbeiträge und den Wegfall der Renten- und Arbeitslosenversicherung kommen sie netto auf einen höheren Nettoverdienst, wenn ein Angestellter längerfristig krank wird bekommt er nach 6 Wochen nur noch das viel niedrigere Krankengeld, ein Beamter bekommt es dagegen solange bis er notfalls "zwangspensioniert" wird (hatte mal einen Kollegen, der ein Jahr krank war und trotzdem über den ganzen Zeitraum die vollen Bezüge=Gehalt bekam) usw. usw. Mein Unternehmen ist bundesweit tätig, d.h. dessen Beamte genießen auch in BW diese Privilegien. Wenn mir früher Beamtenkollegen mit solchen Sprüchen wie sie kam spaßeshalber immer gesagt: "Bin sofort bereit meinen Angestelltenstatus gegen einen Beamtenstatus zu tauschen". Klar, das ist nicht möglich-aber trotzdem wurden die Beamten kleinlaut. Das ist nachvollziehbar: Denn wer gibt schon einen Job mit so viel Vorteilen, einem höheren Nettogehalt und Beförderung nur weil er älter wird auf.

KV: Totaler Quatsch mit der Krankenversicherung. Wie jeder Angestellte bezahle ich als Beamter 50 % zur KV und die anderen 50 % ist die Beihilfe, quasi der AG-Anteil. Nur dass die Beihilfe miserabel begleicht und 2 x die Hälfte nicht erstattet.

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