Leonberg
Engelbergtunnel wird saniert
Michael Schmidt,
23.08.2010 16:16 Uhr
1999 wurde der Engelbergtunnel eröffnet. Foto: Steinert
Leonberg - Dank einer unauffälligen Nachtbaustelle werden die meisten Autofahrer nicht merken, was sich derzeit im Inneren des Engelbergtunnels bei Leonberg (Kreis Böblingen) tut. Aufquellende Gesteinsschichten setzen den Autobahntunnel wieder einmal so sehr unter Druck, dass er für knapp eine Million Euro saniert werden muss. Ein Fahrstreifen wird von Montag an nachts drei Wochen lang jeweils von 20 bis 6 Uhr gesperrt. Tagsüber stehen alle Fahrspuren offen.
Ein Entlastungsschnitt in der Betondecke der Fahrbahn soll den horizontalen Setzungen entgegenwirken. Eine sogenannte Anhydritstrecke bereitet seit dem Bau des Tunnels massive Probleme und hat erst in den Jahren 2008 und 2006 teure Bauarbeiten nötig gemacht. Nachdem vor acht Jahren die ersten Wassereinbrüche im Engelbergtunnel zu verzeichnen waren, wurden seither alle durchgeführten Druck- und Bewegungsmessungen dokumentiert. "Das Gebirge bewegt sich nicht stärker als erwartet, aber im Anhydritbereich ungleichmäßig", sagte dazu vor einiger Zeit schon ein Tunnelexperte des Regierungspräsidiums.
Die Anhydritproblematik wird momentan auch im Zusammenhang mit Stuttgart 21 debattiert. Der Leonberger Architekt Frei Otto, der zusammen mit Christoph Ingenhoven den neuen Tiefbahnhof geplant hat, warnte vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung vor dem Tiefbau im unwägbaren geologischen Untergrund. Denn die geplanten 30 Kilometer Tunnelstrecken des neuen Stuttgarter Bahnhofs würden ebenso durch Anhydritschichten geführt. Unkalkulierbare Risiken kämen bei dem Tunnelbau auf die Planer zu, befürchtet der berühmte Architekt. Die Experten des Bauherrn Deutsche Bahn wiesen diese Kritik zurück. Es werde ein spezielles Trockenbohrungsverfahren zum Einsatz kommen, so dass Wasser mit dem heiklen Gestein überhaupt nicht in Kontakt gerate.
Anhydrit ist eine Vorstufe von Gips und dehnt sich beim Kontakt mit Wasser um bis zu 50 Prozent des Ursprungsvolumens aus. Daraus resultierten auch in Leonberg Probleme. Sowohl bei Probebohrungen wie auch beim eigentlichen Bau des Tunnels Mitte der Neunziger Jahre quoll Berggestein auf wie Hefeteig, zerstörte selbst massive Betonarmierungen. 120 Meter unter der Erdoberfläche wurden im Engelberg eine drei Meter dicke Tunnelarmierung eingebaut, ursprünglich sollte sie nur 70 Zentimeter dick sein. Nicht zuletzt deshalb stiegen die Baukosten von knapp 300 auf 400 Millionen Euro.
Neben dem Engelbergtunnel ist auch der Stuttgarter Wagenburgtunnel ein Beispiel für die Probleme mit Anhydrit. Auch hier sind ständig Nachbesserungen nötig. Bei anderen Tunnelprojekten der Region, wie dem Heslacher Tunnel oder dem S-Bahn-Tunnel zwischen dem Stuttgarter Westen und Vaihingen wurden ebenfalls solche Gipskeuperschichten durchstoßen, ohne dass es Probleme gegeben hätte.
Auch an der Standsicherheit des 2,5 Kilometer langen Engelbergtunnels, den täglich mehr als 100.000 Autofahrer passieren, hegen die Experten keine Zweifel. Sie sei nie gefährdet gewesen, wird das Regierungspräsidium seit Jahren nicht müde zu betonen. Die Folgen für die Autofahrer sind aber nicht nur die unsichtbaren Spannungen und die deutlich erkennbaren Risse in den Betonröhren, sondern im Winter wegen des Wassereinbruchs teilweise auch dicke Eiszapfen. Deshalb musste die Polizei den Tunnel sogar schon sperren.
Nun soll in den nächsten drei Wochen auf einer Strecke von 130 Metern in der Oströhre, also in Fahrtrichtung Heilbronn, der sogenannte Entlastungsschnitt erfolgen. Damit könne Druck aus der Statik des unterirdischen Bauwerks genommen werden, hoffen die Ingenieure.
Erste Wassereinbrüche vor acht Jahren
Ein Entlastungsschnitt in der Betondecke der Fahrbahn soll den horizontalen Setzungen entgegenwirken. Eine sogenannte Anhydritstrecke bereitet seit dem Bau des Tunnels massive Probleme und hat erst in den Jahren 2008 und 2006 teure Bauarbeiten nötig gemacht. Nachdem vor acht Jahren die ersten Wassereinbrüche im Engelbergtunnel zu verzeichnen waren, wurden seither alle durchgeführten Druck- und Bewegungsmessungen dokumentiert. "Das Gebirge bewegt sich nicht stärker als erwartet, aber im Anhydritbereich ungleichmäßig", sagte dazu vor einiger Zeit schon ein Tunnelexperte des Regierungspräsidiums.
Die Anhydritproblematik wird momentan auch im Zusammenhang mit Stuttgart 21 debattiert. Der Leonberger Architekt Frei Otto, der zusammen mit Christoph Ingenhoven den neuen Tiefbahnhof geplant hat, warnte vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung vor dem Tiefbau im unwägbaren geologischen Untergrund. Denn die geplanten 30 Kilometer Tunnelstrecken des neuen Stuttgarter Bahnhofs würden ebenso durch Anhydritschichten geführt. Unkalkulierbare Risiken kämen bei dem Tunnelbau auf die Planer zu, befürchtet der berühmte Architekt. Die Experten des Bauherrn Deutsche Bahn wiesen diese Kritik zurück. Es werde ein spezielles Trockenbohrungsverfahren zum Einsatz kommen, so dass Wasser mit dem heiklen Gestein überhaupt nicht in Kontakt gerate.
Ein Schnitt in die Fahrbahn soll den Druck aus der Statik nehmen
Anhydrit ist eine Vorstufe von Gips und dehnt sich beim Kontakt mit Wasser um bis zu 50 Prozent des Ursprungsvolumens aus. Daraus resultierten auch in Leonberg Probleme. Sowohl bei Probebohrungen wie auch beim eigentlichen Bau des Tunnels Mitte der Neunziger Jahre quoll Berggestein auf wie Hefeteig, zerstörte selbst massive Betonarmierungen. 120 Meter unter der Erdoberfläche wurden im Engelberg eine drei Meter dicke Tunnelarmierung eingebaut, ursprünglich sollte sie nur 70 Zentimeter dick sein. Nicht zuletzt deshalb stiegen die Baukosten von knapp 300 auf 400 Millionen Euro.
Neben dem Engelbergtunnel ist auch der Stuttgarter Wagenburgtunnel ein Beispiel für die Probleme mit Anhydrit. Auch hier sind ständig Nachbesserungen nötig. Bei anderen Tunnelprojekten der Region, wie dem Heslacher Tunnel oder dem S-Bahn-Tunnel zwischen dem Stuttgarter Westen und Vaihingen wurden ebenfalls solche Gipskeuperschichten durchstoßen, ohne dass es Probleme gegeben hätte.
100.000 Autos täglich
Auch an der Standsicherheit des 2,5 Kilometer langen Engelbergtunnels, den täglich mehr als 100.000 Autofahrer passieren, hegen die Experten keine Zweifel. Sie sei nie gefährdet gewesen, wird das Regierungspräsidium seit Jahren nicht müde zu betonen. Die Folgen für die Autofahrer sind aber nicht nur die unsichtbaren Spannungen und die deutlich erkennbaren Risse in den Betonröhren, sondern im Winter wegen des Wassereinbruchs teilweise auch dicke Eiszapfen. Deshalb musste die Polizei den Tunnel sogar schon sperren.
Nun soll in den nächsten drei Wochen auf einer Strecke von 130 Metern in der Oströhre, also in Fahrtrichtung Heilbronn, der sogenannte Entlastungsschnitt erfolgen. Damit könne Druck aus der Statik des unterirdischen Bauwerks genommen werden, hoffen die Ingenieure.
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Halbwahrheiten
Dr. Peter Lambeck schrieb: "Die bestehenden Tunnel, die (noch) keine Probleme machen, nämlich der Heslacher Tunnel und der S-Bahn-Tunnel, verlaufen in Tallängsrichtung, also mit dem Wasser - die S21-Baugrube läuft aber, genau wie der Wagenburgtunnel, quer zum Tal und zum Wasser. " Wer das Problem quellenden Anhydrits in der S21-Baugrube sieht (und auch noch den Richtungsvektor von Grundwasserströmen als wesentliches Argument miteinbezieht), zeigt, dass er über die Geologie des Stuttgarter Stadtgebiets keine Kenntnis hat. Anhydrit wird als allgegenwärtiges Schreckgespenst heraufbeschworen - weder die Journalisten der viel zitierten Printmedien noch die meisten ihrer Kommentatoren dürften jemals eine geologische Karte von Stuttgart erblickt haben, geschweige denn in der Lage sein, sie richtig zu lesen oder gar zu interpretieren. Anhydrit als allgegenwärtige Gefahr bei jeglicher Baumaßnahme im Zusammenhang mit S21 zu beschwören, zeugt von der fachlichen Unwissenheit der Meinungsmacher und hält diejenigen zum Narren, die sich fachlich und sachlich richtig mit den wirklichen Problemen des Projekts auseinandersetzen wollen. Beinahe gleicht es schon der Argumentation mit "Erdstrahlen", "Kraftfeldern" und was der unsichtbaren Dinge mehr sind, mit denen man dem Laien Angst einjagen kann. Also bitte: Mal genau nachschauen, wo für S21 überhaupt Baumaßnahmen in Anhydritvorkommen stattfinden, und wo überall nicht! Und dann für diese Stellen gezielt argumentieren, nicht mit dem tumben Holzhammer!
Zur Bauzeit im Engelbergtunnel...
wurde meines Wissens nach das Problem mit dem quellenden Anhydrit durch eine komprimierbare Schicht aus Blähton unter der Röhre gelöst. Die Worte eines ARGE Bauleiters waren sinngemäß folgende: Hat man noch nie gemacht. Es gibt keine Erkenntnisse, ob die Schichtdicke ausreicht. Es ist günstiger als andere Varianten. Also doch nur Profitgier beim Tunnelbau. Zum Glück haben aber die S21-Verantwortlichen alles unter Kontrolle! "...ich lächelte und war froh und es kam schlimmer."
IM Maulwurf u.a.
Sagt mal - kapiert ihrs wirklich nicht oder seid ihr tatsächlich so ignorant: Es geht doch nicht darum, den Fortschritt und die Entwicklung zu Besserem zu verhindern, sonder ebenjenige zu Schlechterem, wenn schon jetzt aufgrund vielfältiger Hinweise erkennbar ist, dass durch das vehemente Festhalten - ja geradezu Betonieren - an alten Beschlüssen, welche aufgrund von ungenügenden und fehlerhaften Kenntnislagen entstanden sind, immense Schwierigkeiten auftreten werden. Wer den Fortschritt und eine menschen- und naturverträgliche Entwicklung will, muss klug und weitsichtig sein, dafür aber die Dollar/Euro-Zeichen (Macht- und Geldgier) aus den Augen wischen. Btw Herr Maulwurf, sagen Sie doch - Sie kennen sich im Untergrund doch bestens aus - wie ist es denn bei dem beschworenen Trockenbohrverfahren mit den Grundwasserströmen - schließen Sie aus, dass ein solcher vielleicht noch unbekannter Wasserlauf trotz Trockenbohrung angebohrt werden kann und dadurch unkontrollierter und unkontrollierbarer Wasserzutritt zu Anhydrit auftritt. Sagen Sie dann dem unausgelaugten Gipskeuper, er solle doch bitte nicht quellen - oder wie verhindert die geneigte S21-Mache(n)rschaft dieses, hm? Menschenskind, langsam sollte doch wohl euer Horizont etwas erweitert sein - oder soll man euch wirklich der sträflichen Ignoranz zeihen? Ich bin tolerant, auch denen gegenüber, die S21 vielleicht noch aus weitgehender Unkenntnis der Tatsachen befürworten. Allerdings kenne ich keinen Befürworter, der nach Studium der zutage getretenen Informationen und Geheimschaften bei seinem Stand geblieben ist. Probieren Sie's doch aus, verehrter Maulwurf, Sie werden sich über sich selbst so wundern.