Pro und Kontra: Trinkverbote in Baden-Württemberg Was leisten Alkoholverbote?

Von Reiner Ruf 

Ein runder Tisch, von der Regierung einberufen, brachte kein Ergebnis. Aber nützen örtlich und zeitlich begrenzte Alkoholverbote etwas? StZ-Redakteur Reiner Ruf erklärt, warum er für Verbote ist – Kollegin Julia Schröder argumentiert dagegen.

Wo Partys auf öffentlichen Plätzen ausarten, wollen die Städte einschreiten. Foto: dpa
Wo Partys auf öffentlichen Plätzen ausarten, wollen die Städte einschreiten.Foto: dpa

Stuttgart - Die einen erhoffen sich eine Befriedung von zur Gewalt neigenden Trinkerszenen, die anderen sagen: Das bringt nichts und schränkt nur die Freiheit ein. Ein Runder Tisch, von Regierungschef Winfried Kretschmann einberufen, brachte diese Woche noch keine Ergebnisse. Aber helfen von den Kommunen verhängte Alkoholverbote überhaupt? Reiner Ruf argumentiert dafür, Julia Schröder formuliert das Kontra.

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Es ist wirklich eine behördlich sanktionierte bis mitinitiierte Doppelmoral,...: ...die die letzten 20 Jahre per Gesetze manifestiert wurde. Überall wird damit Geld umgesetzt, was sich auch 'Jugend- und junge Erwachsenenkultur' nennt, ist quasi zu 100% privatorganisiert und wird von irgendwelchen Einkünften der Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der eigenen Tasche bezahlt. Die Behörden sparen sich seit Jahrzehnten einen Wolf in die Richtung, das zw. Schule und Erwachsenenwelt sich eine kulturbefreite Diaspora auftut, aus der sich die öffentliche Hand komplett herausgezogen hat. Dies spült Miliarden in die Haushaltskassen. Und, was ich am verwerflichsten finde, nun tun die Verwaltungen, als wären Sie völlig überrascht vom Tun in den Innenstädten. Und als Grünenwähler blutet mein Herz, das die 'Spitzen' dieser Partei diesen kulturbefreiten Ansatz der Gesellschaft ohne Bruch weiterargumentieren. Keine sinnhaften Ansätze, nein, auch hier purer Populismus. Das ein Stadtfest auch eine Marketingstrategie einer Gemeinde im Wettbewerb um den Kunden der Region ist, das quasi von Anfang Mai bis Ende Sept. Strategien für die Innenstädte exisitieren, wie am meisten Leute in die Stadt gelockt werden können, bleibt aussen vor. Es ist wie immer, das Produkt Innestadt als Markt ist mit allen Beteiligten umsatzbezogen besprochen und so terminiert das z.B. Stadtfeste in einzelnen Gemeinden im Zeitversatz auch nach 'Konsumenten der Nachbargemeinde schielen, 'Produktionsabfälle in den Vorgärten' werden i.a.R. aber erst dann diskutiert, wenn Sie bereits angefallen sind. Alles scheint auf 'Markt' ausgerichtet, das es hier 'am Umsatz beteiligte Verlierer' gibt, wird auch von den Grünen ausgeblendet bzw. sind es die 'kurzen Wege' der Verbote und Strafverfolgung, die Geld und Hirneinsatz sparen. Die gemeinwesensbezogene Arbeit in den Gemeinden ist verbürokratisiert und verpädagogisiert und schafft sich diese Problematiken selbst. Ansätze neuer Ideen innerstädtischen Lebens auf eigenverwalterischer, aber immer gemeinwesenbezogen orientierter Arbeit wird ebenfalls i.a.R. aus 'Kostengründen' abgebügelt. Ein weiteres verwalterisches Trauerspiel. Veränderung nur, wenn diese immer kontrolliert werden kann und sei es nur über Zuschüsse. Grüne Bürgergesellschaft sieht also so aus. 'thanks a lot for nothing'.

Warum ist ein Verbot...: immer gleich ein großes Problem...so lange Eltern nicht in der Lage sind sich Zeit für Ihre Kinder zu nehmen und Ihnen ein würdiges Vorbild sind, Alkohol an Kassen, Tankstellen verschwinden, bessere Kontrollen und Perspektiven gegeben sind, wäre es höchste Zeit etwas zu tun und zwar dagegen. Bei uns hat man Alkoholikern eine nette Ecke eingerichtet, gleich neben den Spiel- und Sportplätzen und keiner kann etwas dagegen tun. Ich frage mich wo leben wir eigentlich? Auch ausgerechnet an Tankstellen Alkohol anzubieten grenzt schon an Schizophrenie.

verbote...: ...das ist alles was den politikern einfällt! ich selber trinke keinen alkohol, aber ich wehre mich gegen immer neue repressionen! hier wird wieder versucht an einem sympthom rumzudoktern, anstatt die krankheit an der wurzel zu packen. tatsächlich sollte man über werteverfall reden. ein paar leute, die immer stress machen gabs schon immer. allerdings hatte das alles seine grenzen. es wurde nicht nachgetreten, wenn einer am boden lag. das haben nichtmal die fiesesten schläger getan. also was ist wirklich los in den köpfen unserer mitmenschen? das hat nicht in erster linie mit alkohol zu tun, sondern mit der zunehmenden verrohung und dem ellenbogendenken in einer gesellschaft, in der es nur noch um druck und geld geht, die versäumt hat das soziale moment zu stärken.

früher Anstand: Früher wurd viel mehr gesoffen und das in allen Lebenslagen. Väter versoffen ihren ganzen Lohn in der Eckkneipe, zu Hause wurde gezecht ohne Ende, beim Baggerfahrer ging ohne einen Bier gar nichts, im Büro gabs Bier zu Mittag und Schnaps in den Kaffee. Heute alles verpönt und quasi verboten - wahrscheinlich zurecht. Früher wurde sich auch regelmäßig geprügelt im Suff - aber: Es gab Grenzen -es gab Dinge die macht man nicht, z.B. auf niemanden treten, der am Boden liegt...auch nicht im Suff.. Die Auswüchse heute sind nicht Folge des Alkohols, sondern der allgemeinen Verrohung in allen Lebenslagen. Alkohol ist weiter wie früher dabei. Man sollte mal bei der Erziehung der Eltern (!) ansetzen. Alkohol verbieten bringt gar nichts. Das alkopopverbot hat einfach dazu geführt, dass jetzt die Flasche Wodka direkt an den Hals gesetzt wird. Ist das Verboten, wird der eben vorher in eine Saftflasche umgeschüttet. Wird auch das verboten, werden mehr Pillen geschluckt...es müssen immer weitere Verbote folgen, die immer weniger kontrolliert werden können und folglich keine Akzeptanz finden... Jugendliche müssen Anstand lernen und ihre Grenzen kennen, dann saufen diese weniger stark, seltener und die Auswüchse bleiben im Rahmen!

Volks- und Frühlingsfest: Wer für Alkoholverbote ist, soll gleich auf dem Wasen beginnen. Ich persönlich trinke garkeinen Alkohol, so dass mir das egal wäre, aber ich finde dadurch werden nur Symptome und keine Ursachen bekämpft - ganz davon abgesehen, dass solche Verbote oftmals garnicht durchgesetzt werden können. Ruhestörung ist ja auch verboten, aber oft nützt das wenig.

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