Pride Month: PR oder Haltung?: Vor der FIFA Klub-WM: Studierende fordern klare Statements von Sponsoren

Klaus Gourgé und seine Studierenden fordern klare Haltung von großen Unternehmen.
HfWU Nürtingen-GeislingenDer Juni hat begonnen und mit ihm der sogenannte Pride Month. Während dieses Monats wird jedes Jahr sexuelle und geschlechtliche Vielfalt gefeiert und gleichzeitig auf Diskriminierung aufmerksam gemacht. Auch bekannte Unternehmen beteiligen sich am Pride Month, zum Beispiel mit bunten Werbekampagnen. „Der Pride Month hat gesellschaftliche Relevanz, wird jedoch zunehmend für Marketingzwecke genutzt“, sagt Patricia, Studentin des Fachs Nachhaltiges Management an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Sie möchte ihren Nachnamen nicht nennen.
Patricia und ihre Mitstudierenden empfinden das als kritisch. Denn häufig handle es sich bei solchen Aktionen um reine Symbolik ohne echtes Engagement. „Es fehlt oft an glaubwürdigen, langfristigen Maßnahmen.“ Aber warum ist es überhaupt wichtig, dass Unternehmen zu gesellschaftlichen oder politischen Themen Stellung beziehen?
FIFA Klub-WM: Unternehmen in der Verantwortung
„Unternehmen tragen Verantwortung“, sagt Patricia. Einer ihrer Kommilitonen, Moritz, stimmt ihr zu. Auch er bevorzugt es, nur mit Vornamen genannt zu werden. „Große Unternehmen haben eine einflussreiche Meinung, die Gesellschaft orientiert sich an ihnen“, erklärt er. Patricia und Moritz besuchen in diesem Semester einen Kurs von Klaus Gourgé, Professor und Leiter des Studiengangs Zukunftstrends und Nachhaltiges Management an der Hochschule. Sein Lehrstil folgt dem Konzept des sogenannten transformativen Lernens. „Die Studenten sollen sich nicht nur überlegen, was sie in der Welt verändern wollen, sondern auch, wie sie es tun können“, erklärt Gourgé.
Also startete Gourgé ein Projekt mit zwei weiteren Kursen, die er in diesem Semester betreut. Im Fokus steht dabei die FIFA Klub-WM, ein Fußballturnier, das am 13. Juni in den Vereinigten Staaten beginnt und an dem auch die Bundesligisten FC Bayern München und Borussia Dortmund teilnehmen. Also in den Staaten, wo Diversitätsprogramme und Menschenrechte von US-Präsident Trumps Regierung immer massiver unter Druck geraten.
Studierende stoßen auf Mauern bei großen Konzernen
Sie wenden sich an die Sponsoren der beiden Vereine und auch des Deutschen Fußballbundes. Für die Unternehmen sei dies „eine perfekte Gelegenheit zu zeigen, dass sie nach wie vor zu ihren eigenen Diversity-Kampagnen stehen“. Insgesamt 50 Studierende verteilen sich in Gruppen. Jede Gruppe wendet sich an einen Sponsor, darunter Unternehmen wie Allianz, SAP, Unilever oder Lufthansa. In ihren Anfragen schildern die Studierenden ihr Projekt und bitten die Unternehmen um Unterstützung in Form eines Statements. Patricia und ihre Gruppe haben mehrere Anfragen an Unilever geschickt. „Wir erhielten nur automatisierte Absagen“, sagt sie. „Gerade bei einem Unternehmen, das Offenheit betont, wirkt das wenig konsistent.“ Dass das Unternehmen nicht antworte, stehe im Widerspruch zu seinen an die Öffentlichkeit vermittelten Werten.
Auch den anderen Gruppen geht es ähnlich. Moritz und seine Gruppenmitglieder haben mehrmals bei Lufthansa nachgefragt, haben es sogar persönlich an den Münchner und Frankfurter Flughäfen versucht. „Wir wurden jedes Mal weggeschickt“, sagt er. Sie hätten eine Antwort per Mail erhalten, in der jedoch nur auf das Karriereportal des Unternehmens und den Geschäftsbericht verwiesen wurde. Von allen kontaktierten Unternehmen hat sich nur Allianz offen gezeigt und den Studierenden ein Interview mit einer Pressesprecherin angeboten.
Verpasste Chancen im Kampf um Fachkräfte
Kursleiter Klaus Gourgé kann die Reaktionen, genauer gesagt das Fehlen jener nicht nachvollziehen. „Wir haben es den Unternehmen wirklich leicht gemacht. Wir wollten kein Geld von ihnen, sondern nur Statements“, sagt er. Er habe zwar schon gewusst, dass die Studierenden nicht mit „euphorischen Reaktionen“ rechnen könnten, habe aber etwas mehr Resonanz erwartet. „Den Unternehmen entgeht eine Chance“, sagt Gourgé und verweist auf den Fachkräftemangel. „Das sind potenzielle Kontakte und Arbeitskräfte, die ihnen verloren gehen.“
Tatsächlich würden die Sponsoren für die Studierenden als Arbeitgeber nun weniger in Frage kommen. „Ich finde es wichtig, dass Unternehmen Haltung zeigen“, sagt eine andere Studentin. „Als Konsumentin achte ich auch darauf, ob ein Unternehmen sich zu Themen wie Nachhaltigkeit oder Gleichberechtigung äußert.“ Wenn Unternehmen zu gesellschaftlichen Themen schweigen, wirke das oft unnahbar oder gleichgültig.
Gourgé und seine Studierenden haben nun eine Petition gestartet. Ziel ist es, den Unternehmen ein Signal zu senden, heißt es darin. Die Teams und ihr Dozent lassen sich von der fehlenden Resonanz nicht unterkriegen. In ihrer Petition appellieren sie erneut an die Sponsoren: „Liebe Unternehmen, geben Sie anlässlich der FIFA Klub-WM in den USA jetzt ein klares Statement ab für Vielfalt, Toleranz, Menschenrechte und Demokratie.“
Hintergrund zur Diversität in den USA
USA
Die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet, dass mehrere große Unternehmen in den vergangenen Monaten angekündigt haben, ihre Unterstützung für verschiedene Veranstaltungen während des Pride Month einzustellen. Zudem planen sie, Diversitätsprogramme zur Förderung und zum Schutz von Minderheiten abzubauen. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte US-Präsident Trump die Diversitätsprogramme der Regierung beendet und US-Konzerne per Dekret aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen.
Projekt
13 studentische Teams der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen haben sich an die Sponsoren von FC Bayern, dem BVB und dem Deutschen Fußballbund gewendet. Die Unternehmen wurden gebeten Stellung zu beziehen.