Gefäßerkrankungen: Flotten Schrittes aus dem Krankenhaus

Vor ihrer Behandlung im Klinikum Stuttgart konnten Gudrun und Horst Smolla kaum noch laufen. Jetzt sind Sie wieder gut zu Fuß unterwegs.
Klinikum Stuttgart/Thomas NiedermuellerErste Anzeichen von Erkrankungen der Becken- und Beinschlagadern sind oft Schmerzen beim Gehen. Schreitet der Verschluss der Arterien weiter fort, kann dies zu schwerwiegenden Durchblutungsstörungen der Beine bis zum Verlust von Extremitäten führen. Im Klinikum Stuttgart wird Betroffenen mit dem gesamten Spektrum der modernen Gefäßchirurgie geholfen. Rund 80 Prozent der Eingriffe erfolgen minimalinvasiv.
Flotten Schrittes verlassen Gudrun, 88, und Horst Smolla, 93, das Sprechzimmer von Prof. Philipp Geisbüsch. Noch vor kurzem konnte das Ehepaar kaum noch laufen. „Ich bin nicht mehr ohne Pause von der Haltestelle bis ins Krankenhaus gekommen“, erinnert sich die Rentnerin. Nach 20 bis 30 Metern hätte sie das Gefühl gehabt, eine „Zwinge“ an der Wade zu haben. Ursache für ihre Schmerzen war ein Verschluss der Schlagader im Oberschenkel und in der Kniekehle, der die adäquate Durchblutung des linken Beines verhinderte (periphere Arterielle Verschlusskrankheit – pAVK).
„Wir haben dann bei Frau Smolla unter örtlicher Betäubung den Verschluss minimalinvasiv, endovaskulär (innerhalb eines Gefäßes) mit Katheterverfahren rekanalisiert, mit einem medikamentenbeschichteten Ballon eröffnet und zur dauerhaften Sicherung des Ergebnisses einen Stent eingesetzt“, erklärt Prof. Philipp Geisbüsch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie, endovaskuläre Chirurgie und Transplantationschirurgie und ausgewiesener endovaskulärer Spezialist. Schon am nächsten Tag nach dem Eingriff konnte die 88-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen. „Ohne Schmerzen und flotten Schrittes bin ich rausmarschiert“, freut sich Gudrun Smolla noch heute.

Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist Ultraschall das wichtigste Verfahren, um Gefäßveränderungen ohne Strahlenbelastung sichtbar zu machen.
Klinikum Stuttgart/Thomas NiedermuellerGroße Schmerzen in den Zehen
Einige Zeit später kam die Seniorin aus Marbach am Neckar dann verzweifelt mit ihrem Mann zu Prof. Philipp Geisbüsch in die Sprechstunde. Horst Smolla konnte ebenfalls kaum noch laufen, musste starke Schmerzmittel nehmen und hatte nachts so große Schmerzen in den Zehen, dass er nicht mehr schlafen konnte. Die Durchblutungsstörung war so weit fortgeschritten, dass an den Zehen bereits Gewebe zugrunde gegangen war und sich kleine Wunden gebildet hatten. Horst Smolla hatte sich notfallmäßig in seinem heimatnahen Krankenhaus vorgestellt. „Dort riet man mir, das Bein amputieren zu lassen“, erzählt der ältere Herr sichtlich aufgewühlt. Doch für das Ehepaar Smolla war diese Diagnose nicht akzeptabel. Sie beschlossen, sich bei den Gefäßspezialisten des Klinikums Stuttgart eine zweite Meinung einzuholen.
Hier zeigte sich in der Abklärung mittels Ultraschall und Kernspintomographie ein langstreckiger Verschluss in der Beinarterie bis unterhalb des Knies. In der sofort durchgeführten Intervention konnte das Team der Gefäßchirurgie in einem minimalinvasiven Eingriff den Verschluss wieder eröffnen und so Bein und Zehen retten sowie die Gehfähigkeit sicherstellen. Damit ist Horst Smolla einer von über tausend Patienten im Jahr, denen im Gefäßzentrum bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit minimalinvasiv endovaskulär geholfen wird.
Erhaltung der Mobilität ist essenziell für ältere Menschen
„In Deutschland finden jedes Jahr mehr als 75.000 Amputationen statt, davon 20.000 oberhalb des Sprunggelenks. Viele davon wären heute vermeidbar“, betont Gefäßchirurg Philipp Geisbüsch. Gerade für ältere Menschen sei die Erhaltung der Mobilität aber essenziell, um ihre Selbstständigkeit zu erhalten. Nur sehr wenige würden sich im hohen Alter noch mit einer Prothese anfreunden und wieder laufen lernen. Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit sei daher, die Extremitäten möglichst zu erhalten und die Durchblutung der Beine wieder zu verbessern. Hierzu kommt das gesamte Spektrum einer modernen Gefäßchirurgie zum Einsatz. Dazu zählen klassische, konventionelle, bewährte chirurgische Verfahren wie Bypass-Anlagen oder Ausschälplastiken im Bereich der Leistenschlagadern.
Bei rund 80 Prozent der Patienten ist es jedoch inzwischen möglich, dies minimalinvasiv mittels Katheterverfahren in örtlicher Betäubung vorzunehmen. Prof. Geisbüsch: „Unser Ziel ist es, jedem Patienten ein auf ihn zugeschnittenes Behandlungskonzept anzubieten. Neben der chirurgischen Wiederherstellung der Durchblutung gehört hierzu auch eine optimale internistische Abklärung und medikamentöse Therapie. Wir kooperieren daher eng mit unseren Partnern im Gefäßzentrum (unter anderem Kardiologie und Diabetologie).“

Prof. Geisbüsch erklärt dem Ehepaar Smolla den Befund und wie der Eingriff ablaufen wird.
Klinikum Stuttgart/Thomas NiedermuellerGudrun und Horst Smolla sind froh, dass sie wieder gut zu Fuß sind. „Unser Sohn lebt in Braunschweig, wir müssen im Alltag allein zurechtkommen“, sagt Horst Smolla. Und seine Frau ergänzt: „Wir leben in Marbach am Neckar in einem Reihenhaus. Ich bin so froh, dass wir die drei Stockwerke jetzt wieder problemlos hoch- und runterkommen. Und wenn wir jetzt mal stehen bleiben müssen, dann nicht wegen unserer Beine, sondern wegen unseres Alters, um Luft zu holen.“
Arteriosklerose kann zu Peripherer Arterieller Verschlusskrankheit führen
Die Hauptursache für die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist in über 95 Prozent der Fälle Arteriosklerose, umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bekannt. Dabei bilden sich über Jahre hinweg Ablagerungen aus Kalk, Fetten und Eiweißen an den Gefäßwänden, die den Blutfluss zunehmend behindern. Bei der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist es besonders wichtig, die Blutgefäße, auch in anderen Körperregionen (zum Beispiel Herz), zu schützen. Medikamente und eine bewusste Lebensweise bilden daher die Grundlage jeder Behandlung. Rauchen ist neben Diabetes und dem Alter der größte Risikofaktor für eine pAVK.
Weitere Informationen finden Betroffene und Angehörige auf der Webseite des Klinikum Stuttgart. Hier findet sich außerdem das Formular zur Anmeldung für die Sprechstunde.