125 Jahre Katzenbacher Hof Das Haus im Wald feiert stillen Geburtstag

Der Büsnauer Richard Weber schreibt zu dieser historischen Postkarte des Katzenbacher Hofs: Diese Postkarte stammt, den Kleidern der abgebildeten Personen nach geschätzt, etwa von 1910. Die Postkartenansicht zeigt die 1896 neu erstellten Gebäude. Foto: Caroline Holowiecki

Die denkmalgeschützten Gebäude des beliebten Ausflugslokals Katzenbacher Hof bei Stuttgart-Büsnau bestehen seit 125 Jahren. Tatsächlich liegt es auf Esslinger Grund. Wie kann das sein?

Büsnau - Der späte April-Schnee hat sich fast verzogen. Sonnenstrahlen fallen zaghaft aufs Backstein-Ensemble im Wald. Der ersehnte Wetterumschwung steht an, die Temperaturen sollen steigen. Beste Voraussetzungen eigentlich, dass sich am Wochenende Menschen rund um den Katzenbacher Hof tummeln, dass Kinder den Spielplatz bevölkern und den Kaninchen in ihrem Gehege zuschauen, während die Eltern in der Sonne ein Vesper genießen. Doch das beliebte Ausflugslokal im Wald bei Büsnau ist geschlossen. Coronabedingt. Bierbänke und Sonnenschirme bleiben eingelagert, Bewirtung gibt es nur im To-go-Betrieb. „Um den Spaziergängern einen Service zu bieten, um uns im Gespräch zu halten und die Mitarbeiter zu beschäftigen“, sagt Frank Löhle, der Geschäftsführer.

 

Den ersten Hof gab es wohl bereits im 13. Jahrhundert

Ihn schmerzt das. „Ostern wäre toll gewesen“, sagt er. Stattdessen warten er und die aktuell drei Mitarbeiter darauf, dass es endlich wieder brummt im Naturschutzgebiet rund um den Katzenbacher Hof. Es gäbe auch etwas zu feiern. Das denkmalgeschützte Haus mit den grünen Fensterläden und dem Hirschgeweih an der Fassade feiert einen runden Geburtstag. 1896 steht über der Eingangstür – 125 Jahre. Trotz des stattlichen Alters ist der jetzige Hof nicht der ursprüngliche. Den ersten Hof an dieser Stelle gab es laut der Recherchen des Gastroteams bereits im 13. Jahrhundert. Zeitweise wurden demnach auf dem Gehöft 30 bis 40 Stück Vieh gehalten. 1896 wurden die alten Gebäude abgebrochen. Ein Forsthaus mit Gaststube – das heutige Ausflugslokal – entstand.

Die Infos von Frank Löhle sind bruchstückhaft. Wenige historische Fotos, Gemälde und Zeichnungen hängen im Büro. Eines zeigt den aus Österreich stammenden Forstwirt Johann Unterkofler, den verstorbenen Vater des jetzigen Lokalbetreibers. Seine Frau Elisabeth soll Ende der 1960er, Anfang der 1970er mit einer einfachen Bewirtung mit Kuchen und frischer Milch begonnen haben, „so ist das immer mehr gewachsen“, sagt Frank Löhle. Weitere Bilder an den Wänden zeigen eine Gruppe Forstarbeiter und eine vergrößerte Ansichtskarte. Was Frank Löhle weiß, weiß er vor allem aus den Schriften des Büsnauers Richard Weber.

Im Mittelalter wurden Ortschaften hin- und herverkauft

Dort liest man auch dieses skurrile Detail: Wer sich im Wald rund um den Katzenbacher Hof bewegt, bewegt sich offiziell auf Esslinger Grund. Im Mittelalter wurden Ortschaften hin- und herverkauft. 1295 erwarb das Esslinger Spital Möhringen und zwei Jahre später Vaihingen von den finanziell angeschlagenen Pfalzgrafen zu Tübingen. Der Wald Katzenbach gehörte indes dem Ritter Konrad von Bernhausen. Der veräußerte 1297 das rund 285 Hektar große Gebiet ans Esslinger Spital. Deswegen, das liest man bei Richard Weber, wurde der einstige Katzenbacher Hof früher auch Esslinger Haus genannt. Beim Übergang der Reichstadt Esslingen ans Herzogtum Württemberg 1803 blieb der Katzenbacher Wald im Besitz der Stadt Esslingen. Ein riesiges Gemälde von 1910 im kleinen Gastraum des Gastro-Haupthauses weist bis heute auf die Verbindung in die Stadt am Neckar hin, und nach wie vor ist der Katzenbachwald samt des Gebäudeensembles eine Esslinger Exklave auf Stuttgarter Gemarkung, bestätigt ein Sprecher im Esslinger Rathaus.

Alles sind es Geschichten, die sich prima erzählen ließen bei einer 125-Jahr-Jubiläumsfeier des Kulturdenkmals. Wann und ob diese noch steigen wird, ist ungewiss. Frank Löhle zuckt mit den Schulter. „Ich weiß gar nicht, ob wir gefeiert hätten. Jetzt in der Zeit ist es wirklich sehr schwer“, sagt er angesichts der Pandemie. In Gefahr sei das beliebte Ausflugsziel aber aktuell nicht. „Wir haben vorausschauend gewirtschaftet“, betont er. Doch bald sollte auf dem verwaisten Gelände wieder Leben einkehren. Frank Löhle sagt: „Wenn im Sommer nicht aufgemacht wird, wird es zäh.“

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