Protestkundgebung vor den Toren im März
Im März dieses Jahres hatten gut 200 Mitarbeiter vor den Toren von Bosch Rexroth und Bosch Power Tools in Murrhardt gegen die Pläne protestiert, Teile der dort angesiedelten Geschäftsbereiche nach Osteuropa zu verlegen. Der Betriebsrat und die IG Metall forderten den Stopp der Verlagerungsplanungen für die Rexroth-Montage, von der in Murrhardt nach damaligen Schätzungen 70 Arbeitsplätze direkt betroffen wären. Insgesamt, so die Befürchtungen damals, könnten in den beiden in Murrhardt kooperierenden Geschäftsbereichen bis zu 160 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Rede war sogar vom Verdacht, dies sei womöglich ein erster Schritt hin zur sukzessiven Auflösung des Bosch-Standortes in Murrhardt.
„Mit diesem gemeinsamen Beschluss haben wir die Weichen für eine wettbewerbsfähige Zukunft gestellt“, sagt nun Carsten Löffelholz, der Kaufmännische Leiter des Bosch-Geschäftsbereichs Power Tools. „Ich bin froh, dass wir in konstruktiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern eine gemeinsame Lösung gefunden haben, die sowohl wirtschaftlich sinnvoll als auch sozialverträglich ist.“
Mit der Einigung sei sichergestellt, dass der Standort samt Ausbildungswerkstatt als wichtiger Arbeitgeber in der Region erhalten bleibe, betont wiederum der Betriebsratsvorsitzende des Bosch-Standorts Murrhardt, Jürgen Voag: „In intensiven und harten Gesprächen und Verhandlungen haben wir für unsere Kolleginnen und Kollegen eine den Umständen entsprechende gute Lösung erzielt“, so Jürgen Voag.
Bosch investiert fünf Millionen Euro
Als „Investitionen und zur Transformation für eine wettbewerbsfähige Zukunft“ will Bosch für die beschlossene Neuausrichtung bis zum Jahr 2028 mehr als fünf Millionen Euro in den Standort Murrhardt investieren. Damit werde die Teilefertigung mit marktgerechten Angeboten wettbewerbsfähig aufgestellt. „Die Erzeugnisse sollen in Zukunft verstärkt auch Kunden außerhalb von Bosch anziehen.“ Andererseits wird – auch das ist Teil der Einigung – die Montage industrieller Schraubtechnik mit Verweis auf den hohen Preis- und Wettbewerbsdrucks künftig voraussichtlich an einem Rexrodt-Standort in Slowenien erfolgen.
150 Mitarbeiter weniger als momentan
In seiner neuen Ausrichtung wird der Standort Murrhardt künftig rund 280 Mitarbeiter beschäftigen. Das sind rund 150 weniger als momentan. Der Umfang der betrieblichen Ausbildung, so heißt es in der Mitteilung zur betrieblichen Einigung weiter, werde an die reduzierten Bedarfe angepasst, bleibe aber entgegen ursprünglicher Befürchtungen bestehen. „Alle diese Veränderungen werden ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen.“ Das Unternehmen biete seinen Mitarbeitern in diesem Zusammenhang Qualifizierungsmaßnahmen, Vermittlung von Arbeitsplätzen an andere Bosch-Standorten sowie Unterstützung bei einem Wechsel auf Stellen außerhalb der Bosch-Gruppe durch die branchenübergreifende Initiative „Allianz der Chancen“ an. Zusätzliche Angebote wie Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen sowie freiwillige Aufhebungsverträge seien ebenfalls Teil des Maßnahmenpakets.
Der Standort Murrhardt stehe seit Jahren unter Preis- und Kostendruck, heißt es seitens der Firmenleitung. Die Grundauslastung des Werkes sei rückläufig. Seit April 2021 prüfe das Unternehmen deshalb die Situation im Werk und arbeite an Lösungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.
Das Unternehmen
Power Tools
Die Robert Bosch Power Tools GmbH ist als ein Geschäftsbereich der Bosch-Gruppe ein weltweit agierender Anbieter von Elektrowerkzeugen, Gartengeräten, Elektrowerkzeug-Zubehör und Messtechnik. Im Jahr 2021 erwirtschafteten rund 21 000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro, rund 80 Prozent davon entfielen auf das Ausland.
Bosch
Die Bosch-Gruppe ist ein internationales Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit mehr als 400 000 Beschäftigten. Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 78,7 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in vier Bereiche: Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst etwa 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern.