Endress Motorgeräte hat zuletzt 20 Filialen in Süddeutschland geführt. Foto: Endress Motorgeräte
Die Insolvenzwelle trifft ein weiteres Traditionsunternehmen. Über Monate kämpfte die Firmengruppe Endress gegen die Billigkonkurrenz aus China – „doch wir hatten keine Chance“.
Für Seniorchef Ulrich Endress ist „dies der traurigste Moment in der über 70-jährigen Firmengeschichte unseres Familienunternehmens“, schreibt er in einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Endress Motorgeräte GmbH und der Endress Bayern GmbH.
Die Handelskette für Forst- und Gartentechnik ist zahlungsunfähig und befindet sich in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Branchenkenner nennen als Gründe für das Aus des Traditionsunternehmens den starken Preisdruck durch Billigprodukte – häufig aus China –, ein schwaches Privatkundengeschäft sowie ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Die Insolvenzwelle erfasst immer mehr Firmen im Land.
Belegschaft ist informiert
Am Dienstag hat Endress Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Die Belegschaft wurde über das Verfahren informiert. Das Familienunternehmen mit Sitz in Stuttgart beschäftigt etwa 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt derzeit zusammen 20 Verkaufs- und Servicestandorte in Süddeutschland. Für drei Monate können die Beschäftigten mit Insolvenzgeld rechnen.
„Trotz unseres über einjährigen Kampfes ums Überleben haben wir es nicht geschafft, die Insolvenz zu verhindern“, sagt Seniorchef Ulrich Endress am Dienstag unserer Redaktion. Mit den Billigpreisen der chinesischen Konkurrenz, die mit Akkugeräten den Markt überschwemmt, habe die Stuttgarter Firmengruppe nicht mithalten können. „Da haben wir keine Chance“, so Endress.
Mit aggressiver Preispolitik aus Fernost sei deutsche Wertarbeit, weil teurer, aber gleichzeitig auch sicherer und nachhaltiger, ins Hintertreffen geraten. „Der Markt hat sich gegen uns entwickelt“, sagt der Seniorchef, „und wegen der Veränderung zur Akku-Technologie werden unsere Service- und Beratungskapazitäten nicht mehr benötigt.“ Auch Stihl, dessen größter Kunde Endress viele Jahre war, habe seine Vertriebsstrategie in Richtung Baumärkte und Onlinehandel zulasten des Fachhandels verändert.
Einsparungen und Personalabbau konnten Unternehmen nicht retten
Hinzu kämen Kostensteigerungen in nahezu allen Bereichen sowie Lieferprobleme. Dies habe zu Liquiditätsschwäche geführt und letztlich zur Insolvenz. Das Unternehmen habe versucht gegenzusteuern – unter anderem durch Einsparungen und Personalabbau. Dennoch sei es nicht gelungen, die Lage zu stabilisieren. „Der Geschäftsbetrieb geht jetzt weiter“, betont Endress, „wir sind weiterhin für unsere Kunden da.“ Mit Hilfe des Insolvenzverwalters wolle man möglichst viele Filialen retten.
Ulrich Endress mit seinen Söhnen Alexander und Michael. Foto: Endress Motorgeräte
Die Insolvenzkanzlei Pluta, vertreten durch den Sanierungsexperten Steffen Beck, hat das Unternehmen beraten, die notwendigen Schritte koordiniert und die Belegschaft informiert. Ulrich Endress bedankt sich in seinem Schreiben ausdrücklich bei den Beschäftigten für ihre Treue und ihren Einsatz über viele Jahre.
Zugleich bittet er um Verständnis für den Schritt. Nun bestehe zumindest noch die Hoffnung, dass einzelne, also die wirtschaftlich erfolgreichen Standorte, erhalten bleiben könnten. Darüber entscheidet der vom Gericht in Kürze eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter.
„Eine jahrzehntelange Firmengeschichte geht unter Tränen zu Ende“, schreibt der Seniorchef der Belegschaft.
Problematisch war für Endress der Markt für Akku-Gartengeräte
Noch im vergangenen Herbst hatte die Geschäftsführung von einer schwierigen Restrukturierungsphase gesprochen. Doch der Druck im Markt hat sich weiter verschärft. „Wir erkennen bereits seit Monaten, dass mit dem Privatkundengeschäft nicht mehr sinnvoll zu wirtschaften ist“, sagte Geschäftsführer Michael Endress bereits Anfang November. Ein absatzschwacher Sommer und ein konjunkturell schwieriges Umfeld hätten die Lage zusätzlich verschärft.
Hinzu kommt ein hoher Lagerbestand, der das Unternehmen finanziell belastete. Nach Angaben der Geschäftsführung wurden Lieferanten um Unterstützung gebeten – etwa durch Warenrücknahmen oder Zahlungsstundungen. Einige Hersteller hätten kooperiert, allerdings nicht alle.
Hans Endress hat das Unternehmen im Jahr 1948 gegründet
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1948 zurück. Damals begann Firmengründer Hans Endress im Schwarzwald Zweimannsägen des Herstellers Stihl zu verkaufen. Ulrich Endress stieg mit 27 Jahren in das Familienunternehmen ein und übergab es 2015 im Alter von 70 Jahren an seinen Sohn Michael Endress und zwei weitere Geschäftsführer.
Endress ist die größte Fachhandelsgruppe für Motorgeräte in Deutschland. In den Filialen gibt es alles, was Gärtnerherzen höherschlagen lässt: vom Rasenmäher über Heckenscheren und Motorsägen bis hin zu Häckslern und Rasentraktoren.
In den 1990er Jahren veränderte sich die Vertriebsstruktur der Branche für Gartengeräte grundlegend. Stihl löste seine Werksvertretungen auf und organisierte den Händlervertrieb über eigene Gesellschaften. Parallel dazu engagierte sich der heutige 81-jährige Ulrich Endress beim Aufbau der Garten-marke Viking, die später von Stihl übernommen worden ist.
Jetzt beginnt die Suche nach Investoren
Mit der Übernahme der Endress Bayern GmbH im Jahr 1998 wurde das Filialnetz deutlich erweitert. Über Jahre entwickelte sich die Firma zu einem wichtigen Händler für Garten- und Forsttechnik – mit Filialen, Servicewerkstätten und einem eigenen Online-Shop.
Wie es mit den Filialen und den rund 260 Beschäftigten weitergeht, ist derzeit offen. In solchen Verfahren wird häufig nach Investoren gesucht oder eine Sanierung geprüft. Die Chancen für eine Teilrettung scheinen groß zu sein. Der Markt für Garten- und Forsttechnik verändert sich derzeit rasant – getrieben durch Onlinehandel, neue Akkutechnologie und den zunehmenden Wettbewerb durch günstige Importprodukte.