1996 explodiert in Stuttgart die Kreativität, der Kessel wird zum Mekka des deutschen Hip-Hops. In einer Videoserie haben wir die 0711-Erfolgsgeschichte schon einmal nachgezeichnet.
1996. Helmut Kohl war Bundeskanzler. Im Londoner Wembley-Stadion schoss uns Oliver Bierhoff mit einem „Golden Goal“ zum EM-Sieg. Wir hatten Angst vor dem Rinderwahnsinn. Und in Stuttgart bastelten ein paar junge Menschen an einem neuen Sound. Das Stuttgarter Hip-Hop-Wunder – genauer: das zweite nach dem „Die Da!“-Senkrechtstart der Fantastischen Vier 1992 –, es begann so richtig mit diesem Jahr.
Im Club Prag tanzen junge Menschen zu Hip-Hop-Tracks – organisiert von Johannes „Strachi“ Graf von Strachwitz und Jean-Christoph „Schowi“ Ritter. Aus der Partyreihe wird ein Kreativbüro: 0711. Im Herbst bringen Massive Töne das „Kopfnicker“-Album auf den Markt – stilbildend für eine ganze Generation. Max Herres Freundeskreis formiert sich. Afrob, Skills en Masse, Die Krähen – die Mutterstadt bringt ohne Ende Rap-Talente hervor. In diesem Jahr ist das alles 30 Jahre her.
Vor ein paar Jahren haben wir die Erfolgsgeschichte des Stuttgarter Hip-Hops schon einmal nachgezeichnet. Dafür haben Kathrin Waldow, Siri Warrlich, Hannes Opel und Ingmar Volkmann mit vielen der damaligen Protagonisten gesprochen: Mit Max Herre von Freundeskreis. DJ 5ter Ton von Massive Töne. Den DJs Änna und Emilio. Smudo und Thomas D von den Fantastischen Vier. Anlässlich des 30. Geburtstags von 0711 veröffentlichen wir diese Videos nun erneut.
Teil 1: Willkommen in der Mutterstadt
Der Kessel ist klein. Und auf engstem Raum blüht die Kreativität. Der gewaltige Erfolg der Fantas wird in der Szene aber mit Misstrauen beobachtet.
Teil 2: Die Jams und die Kolchose
Keimzelle des Hip-Hops aus dem Kessel sind die Stuttgarter Jugendhäuser. Hier kommen die vier Hip-Hop-Elemente zusammen: Rap, DJing, Breakdance und Graffiti. Die Kolchose entsteht.
Teil 3: Stuttgarter Hip-Hop auf der nationalen Bühne
1999 beherrschen Massive Töne, Freundeskreis und die Fantas die Charts. Und ganz Deutschland bemerkt spätestens jetzt: Ganz im Südwesten geht gerade so einiges. Dreh- und Angelpunkt: das 0711-Büro.
Teil 4: Der Kessel ist zu klein für Feindschaften
Die Kolchose legt ihr Misstrauen gegen die Fantas ab, viele Hip-Hopper schlüpfen unters Dach von Four Music. Denn eigentlich hat man sich ja auch doch ein bisschen lieb.
Teil 5: Die Hip-Hop-Stadt am Neckar
„Mutterstadt“, die Stuttgart-Hymne von Massive Töne, kann wahrscheinlich jeder mitrappen. Plötzlich ist es cool, aus Stuttgart zu sein.
Am Samstag, 23. Mai, wird im Rahmen des SWR-Sommerfestivals auf dem Stuttgarter Schlossplatz 30. Geburtstag und große 0711-Reunion gefeiert: Massive Töne sind der Main Act, unterstützt von ihren Kolchose-Kollegen Afrob und Max Herre. Außerdem mit dabei: Clueso, Cora E, Das Bo, Harris, Jan Delay, Marteria, die Stieber Twins, Toni L (Advanced Chemistry) und die Stuttgarter Techno-Rapperin Lucy Duffner. Die Tickets waren innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft.