Man stelle sich vor: Ein wohlbekanntes Raumschiff schwirrt fesch durchs All, der Kommandant, die erste Offizierin, der Kommunikationsoffizier und die anderen sitzen auf der Brücke, spähen hinaus in die Endlosigkeit, in der die Sterne schweben – und plötzlich kommt ein Asteroid ins Bild. Darauf hockt eine Band, sehr gut gelaunt, und singt auf Schwäbisch.
HASA heißt die Gruppe. Der Name steht für Heiners All-Star-Attraktion und ist zugleich eine Verballhornung der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde. Sie spielt „Bschissjazz, Rock und Steh-Blues“, reaktiviert die 1970er Jahre auf lustig-verspielte, raffinierte Weise und landet mit ihrem ersten Album an diesem Freitag in Stuttgart in der Rosenau.
Das Album ist mit viel Liebe gestaltet
Heiner Reiff, der Anführer der Truppe, ist als Komödiant und Instrumentalist Heinrich bekannt als Duo-Partner des Mundart-Kabarettisten Ernst Mantel. Das Duo gibt es seit 25 Jahren, HASA, Heiner Reiffs Bandprojekt, seit nunmehr sechs. Die Pandemie bremste den Flug; nun ist das erste Album fertig, das zweite bereits weit gediehen. „Wir haben noch einiges in petto“, sagt Heiner Reiff. „Rund 40 Nummern.“
NASAs Debüt „Space Pop from Dåhanna“ ist erschienen als liebevoll gestaltete CD mit sehr umfangreichem Booklet: in einer Pizzaschachtel, bedruckt mit selbst kreiertem schillerndem Kachelmuster, mit eingelegtem Flokati-Teppich, vielen Bildern, Cartoons, Texten auf Schwäbisch, Englisch, Japanisch, Collagen, Gimmicks. Auf jeder Seite dieses Buches findet sich ein QR-Code, der die Leser in „digitale Hinterzimmer“ lockt, wo ihn Zugaben an psychedelischen Materialien erwarten. Das Vorbild für die grafische Präsentation des Band-Universums ist die Arbeit des Grafikdesigners, Illustrators und Comicautors Cal Schenkel, der bis Mitte der 1970er Jahre die Schallplattencover für Frank Zappa gestaltete.
Auf der Bühne dann verschmelzen alle Zutaten zum Livespektakel – mit „Space Toys“, seltsamen Instrumenten, schwäbischen Liedzeilen, die nicht unbedingt Sinn ergeben müssen, mit funky Grooves und Videosequenzen und Animationen auf kreisrundem Bildschirm. Ein „Verklickerer“ tritt auf, ein Moderator im Raumanzug, der das Publikum heranführt an die ausgeflippte Welt, sie hineinzieht ins „HASA-Galaxiele“. Das Theremini, eine digitalisierte Version des Theremin, das auf Tonarten, Tonleitern und Klangeffekte programmiert werden kann, schwirrt, als höben alle Untertassen gleichzeitig ab. Digitale Flöten japanischer Bauart spielen mit, Melodica, Mellotron. Und die „Naughtylus“, eine elektronische Effektharfe, streut ihren Glanz aus.
„Heiner ist jemand, der immer neue Sachen ausprobieren möchte“, sagt Ellen Reinhardt, die Theremini-Spielerin. „Er schafft diese Instrumente an, stellt sie vor uns hin und sagt dann: Guckt mal, macht mal!“
Mit HASA hat Heiner Reiff sich einen Traum verwirklicht: ein Multimedia-Gesamtkunstwerk, eine Neuerfindung der 1970er Jahre im Stil großer Vorbilder wie Steely Dan, Frank Zappa, The Grateful Dead. „Ich möchte all das ganz unnostalgisch in unsere Zeit herüberholen“, sagt er. In den späten 1970er Jahren, nach absolviertem Zivildienst, machte Reiff sich selbst auf, reiste nach Los Angeles, suchte Anstellung als Musiker, fand sie. Sein Vorbild Zappa traf er nicht, und er zog aus jener Zeit auch diese eine Lehre: Von Musik zu leben, das ist schwer.
Zurück in Deutschland begann er, als Produzent zu arbeiten, gründete ein Rock-Jazz-Trio, erstellte Filmmusiken für industrielle Auftraggeber. Anlässlich eines Showauftritts in Köln begegnete er Ernst Mantel. Mantel wollte ein Soloprogramm spielen, bat Reiff um Unterstützung, und beide wurden Bühnenpartner. „Ernst ist ein genialer Pointenschreiber“, sagt Heiner Reiff. Sein eigener Humor jedoch schlägt eine andere Richtung ein, liefert keine Pointen, sondern umfassende Verschrobenheit.
Schierer Nonsense und schwäbischer Küchenexistenzialismus
Und die findet bei HASA ihre größte Spielwiese. Da kreuzt sich schierer Nonsense mit schwäbischem Küchenexistenzialismus, da hört man von trockenen Bananen, Weinsorten („Schon Kelten wählten Württemberger zum Vollmond-Ritual!“), Ferrari-Fahrern und Stocherkahnfahrten.
Dreistimmige Chöre singen, Bilder aus dem Video-Synthesizer leuchten, und die Musik, fein ausgedacht und ausgeführt, kreuzt quer durch alle Schubladen. Ein Stück, das auf dem Erstlingsalbum von HASA keinen Platz fand, aber zum festen Liverepertoire der Band gehört, ist eine deutliche Hommage. Heiner Reiff hat Frank Zappas Song „Son of Orange County“ zergliedert, auf den Kopf gestellt, entfremdet, umbenannt. Nun heißt das Stück, gut Schwäbisch: „Der Sembl von Blaubeuren“, und im Refrain singen Ellen Reinhardt und Caro Saia: „’s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei“.
Die schöne Lau kommt auch zu Wort
Der Mundart-Zungenbrecher stammt von Eduard Mörike aus dem „Märchen von der schönen Lau“, der Freak trifft auf den Idylliker. Die heile Welt ist nicht tot, sie riecht nur komisch.
Die Band HASA und ihre Aktivitäten
Ensemble
HASA kommen aus Wurmlingen bei Rottenburg und aus Tübingen. Sie bestehen aus Heiner Reiff (Gesang, Gitarre, Musik und Texte), Caro Saia (Gesang, „Naughtylus“ und „Space Toys“), Ellen Reinhardt (Theremini, Bass, Gesang, „Space Toys“), Ralf Schuon (Keyboards, Arrangements, Gesang, Bass, Percussion), Daniel Jakobi (Schlagzeug, Percussion) und Dieter Schumacher (Schlagzeug).
Show
Dieter Hermenau zeichnete Comics für die Band, Joachim Maier gestaltete ihr Artwork; die Kostümbildnerin Sibylle Schulze schuf die Bühnenoutfits, Anne Kondschak stylte die Musiker, und Siegmar Siegel tritt auf als „Verklickerer“ im Raumanzug.
Termin
An diesem Freitag, 27. Januar, feiern HASA um 20 Uhr die Release-Party ihres Debütalbums in der Rosenau in Stuttgart . Viele weitere Informationen, Musik und Bilder finden sich auf der Band-Website.