750 Jahre Dachtel Jubiläum bewegt und begeistert die Massen

O’zapft isch: Bürgermeisterin Helena Österle, Ortsvorsteher Ulrich Eisenhardt, Dorfgemeinschafts-Vorsitzender Thorsten Mieskes und Raiba-Chef Markus Vohel (von links) beim Fassanstich. Foto: Eddie Langner

Der Aidlinger Teilort feiert noch bis zum Montag sein 750-Jahr-Jubiläum mit einer viertägigen Sause. Das Jubiläum sorgt für ein großes Gemeinschaftsgefühl – sogar bis in die USA.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Rauchschwaden steigen aus einem Fenster der Dorfkirche. „Es brennt, es brennt. Kommet z’amma!“, ruft ein Feuerwehrmann in historischer Uniform. Er fährt auf dem Fahrrad durch den Ort und versucht, mit Trompetensignal und Rufen eine Löschmannschaft zu mobilisieren. Das klappt erstaunlich gut: In kürzester Zeit bilden Kinder und Erwachsene eine Eimerkette und auf beiden Seiten des Hydrophors bringen helfende Hände die Pumpe in Schwung.

 

Diese Szene spielte sich am Samstagnachmittag als Programmpunkt des Dachteler 750-Jahr-Jubiläums ab. Der Feuerwehroldtimerverein und die Freiwillige Feuerwehr Aidlingen hatten gemeinsam eine Schauübung organisiert, um zu zeigen, wie vor rund 150 Jahren Brände gelöscht wurden und wie ein Löschangriff heute aussieht – inklusive Drohnen, die surrend über dem Geschehen kreisen. Die Zuschauer waren ganz dicht dran, packten teils selbst mit an und lachten fröhlich, wenn ihnen Löschwasser eine unverhoffte Abkühlung verschaffte.

Rund 370 Ehrenamtliche sind am Samstag rund um das Fest im Einsatz

In gewisser Weise steht dieser Moment beispielhaft für das gesamte Dorfjubiläum, denn genau wie bei dem simulierten Kirchenbrand gelingt es den Organisatoren, für diese viertägige Sause massenweise Menschen zu bewegen und zu begeistern. Rund 370 Ehrenamtliche waren alleine an diesem Samstagnachmittag im Einsatz, um auf der Festmeile, an den Bier- und Essensständen oder im Festzelt für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Auf die Einwohnerzahl hochgerechnet, gehört mehr als ein Viertel der Dachteler zum aktiven Helferteam.

Voller Einsatz bei der historischen Feuerwehrübung Foto: Langner

„Die kommen aber aus der gesamten Gemeinde Aidlingen und darüber hinaus“, sagte Alexander „Hotte“ Hoss. Der Fahrradhändler ist Vorstandsmitglied beim Verein Dorfgemeinschaft Dachtel, dessen Mitglieder zum Teil bereits seit mehr als zwei Jahren auf dieses Jubiläum hinarbeiten.

Vier Tage Fest, Bands und Programm im Festzelt und auf einer Open-Air-Bühne, Festmeile mit regionalem Erzeugermarkt und Handwerkständen, Heißluftballonfahrten, Kinderspielstraße, Foodtrucks, Backhausbetrieb, historische Ortsführungen und Oldtimerrallye – für ein 1400-Seelen-Örtchen macht Dachtel einen Riesenwirbel.

Los ging’s am Freitagabend mit einem Festakt im Bürgerhaus. Es gab Grußworte aus Landes- und Lokalpolitik – darunter von Bürgermeisterin Helena Österle und Landrat Roland Bernhard – sowie einen historischen Vortrag von Wolfgang Wulz. Der ehemalige Lehrer am Goldberg-Gymnasium Sindelfingen ist Vorsitzender des Vereins Schwäbische mund.art und lieferte interessante und teils humorvolle Einblicke in Dachtels Ortsgeschichte – zum Beispiel über die einstigen Animositäten zwischen den Bewohnern der Nachbardörfer Dachtel und Deufringen, die ihrem Ortsnecknamen nach Füchse und Schnecken genannt werden. Der Fuchs zieht sich übrigens in Bildern, Ansteckern und einer riesigen Holzstatue am Ortseingang durch die gesamte Jubiläumsfeier.

Füchse und Schnecken: Was sich liebt, das neckt sich . . .

Dass die Konflikte zwischen den Aidlinger Teilorten heute wohl weitgehend überwunden sind, zeigte Dachtels Ortsvorsteher Ulrich Eisenhardt. „Was sich liebt, das neckt sich“, sagte er beim Festakt und erzählte augenzwinkernd, dass er als Dachteler Fuchs seit vielen Jahren glücklich mit einer Deufringer Schneck’ verheiratet sei. Deufringens Ortsvorsteherin Jutta Kühnle hob in einer Mischung aus Anerkennung und mildem Spötteln hervor, dass Dachtel es als erster Teilort geschafft habe, die Gesamtgemeinde Aidlingen und alle anderen Ortsteile in sein Jubiläum mit einzuspannen.

Eigens fürs Jubiläum aus Chicago angereist: Eisenhart-Belytschko Foto: Eisenhardt

In ihrer wie auch den anderen Festreden spiegelte sich die Kraftanstrengung, vor allem aber die Kräftebündelung und das dadurch entstandene Gemeinschaftsgefühl wider, das durch die Jubiläumsvorbereitungen auch bis über Dachtel und Aidlingen hinaus entstanden seien.

Wie weit die Strahlkraft der 750-Jahr-Feier reicht, zeigte sich am Besuch von Gail Eisenhart-Belytschko, die wohl genau wie Ortsvorsteher Ulrich Eisenhardt (mit einem „d“ im Nachnamen), von derselben Familie abstammt. Einer ihrer Vorfahren war im Jahr 1751 in die USA ausgewandert, um in Pennsylvania Land zu erwerben. Die 79-Jährige aus dem Norden von Chicago zog es bereits mehrfach zu ihren Wuzeln im Heckengäu zurück. Zum Jubiläum brachte sie jetzt weitere Verwandte aus der Eisenhar(d)t-Familie sowie einen Plüschfuchs als Gastgeschenk mit.

Am Montag gibt es ein großes Helferessen und Livemusik

Am Samstag war sie eine von zahlreichen Gästen bei der großen Festsause. Am Abend sorgten die Band Albkracher für einen ersten Höhepunkt im ausverkauften Festzelt. Am Sonntag ging es mit viel Programm weiter, abends trat das Duo Soul2Go und die A-Cappella-Band Pepper & Salt auf.

Am heutigen Montag geht das lange Festwochenende in die letzte Runde. Los geht es mit einem Handwerkermittagessen und Jahrgangstreffen um 12 Uhr und anschließendem Musikprogramm. Den Schlusspunkt setzt um 19 Uhr die Rockcoverband No Change im Festzelt.

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