Seit Freitag reißen 80 Tonnen schwere Bagger die letzte Brücke über der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen ab. Am Montag soll der Verkehr wieder rollen. Geht der Zeitplan auf?
Die Sonne brütet, das Thermometer steht bei 30 Grad. Einen Schattenplatz sucht man an diesem Samstagvormittag vergebens auf der Baustelle an der AutobahnA 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen.
Rund 30 Arbeiter und ihre tonnenschweren Baumaschinen ackern auf dem Schotterareal an der nur noch zur Hälfte stehenden Brücke am Ende der Sindelfinger Straße auf Böblinger Seite. Ihr Auftrag: Bis Montag, 5 Uhr, die Brücke so abreißen, dass der Autobahnverkehr zwischen Böblingen-Hulb und Sindelfingen-Ost zum Wochenstart wieder rollen kann.
Martin Schippers hat den Überblick als Baubevollmächtigter. Foto: Max Vogel/Eibner Pressefoto
Den Hut beziehungsweise den Helm auf an diesem Tag hat Martin Schippers, Bauingenieur von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (Deges). Die Deges koordiniert den Ausbau der A 81 von vier auf sechs Spuren. 600 Quadratmeter Gesamtfläche und 2000 Kubikmeter Beton der rund sechs Meter hohen und 30 Meter langen Brücke müssen dafür abgebrochen werden.
Umgeben von Staubwolken erklärt der Baubevollmächtigte, was seit der Vollsperrung des Autobahnteilstücks am Freitagabend, 22 Uhr, passiert ist: „Als erstes wurde ein Fallbett gelegt. So beschädigen die Trümmerteile aus Beton und Stahl nicht die Fläche der Fahrbahn. Dann begannen die Bagger mit Zange, Meißel oder Schaufel, die Brücke Stück für Stück abzuschlagen.“
Hier weiß jeder, was er zu tun hat
Ein Dutzend teils 80 Tonnen schwere Bagger arbeiten sich an der Jahrzehnte alten Verkehrsachse ab. Je nach Brückenteil – also Widerlager, Pfeiler, Fahrbahn oder Unterbau – wird ein anderes Endstück verwendet.
Was für den Laien wie ein heilloses Chaos aus Trümmerteilen aussieht, hat für den 40-Jährigen System: „Wir haben nur mit Stahl und Beton zu tun. Die lassen sich gut voneinander trennen, abtransportieren und wiederverwenden.“
Dennoch gibt es bei dieser Monsterbaustelle durchaus Besonderheiten: „Der Beton wird wiederverwendet. Wir betreiben also Recycling – ein Vorgehen, das es in der Branche noch nicht so oft gibt. Das Recyceln spart nicht nur Material, das wir sonst aus Steinbrüchen holen müssten, sondern es ist auch aus Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsgründen sinnvoll. Außerdem handelt es sich bei diesem vor Jahrzehnten verbauten Material um gute Qualität“, erklärt Schippers. Bemerkenswert ist auch, dass nur Beton verarbeitet wird – und nicht Asphalt. Schippers erläutert: „Asphalt ist hitzeanfälliger und bildet Rillen. Beton ist haltbarer und wird nicht weich bei Hitze. Der Beton hier hat alle dreieinhalb Meter eine Dehnungsfuge. Er kann sich also nicht aufwölben. Außerdem fährt es sich auf Beton leiser, was wiederum Lärmschutzvorteile mit sich bringt.“
Auch Bombenaufspürer sind am Werk
Zwar leisten die Bauarbeiter und ihre mit brachialen Kräften vorgehenden schweren Geschütze die Hauptarbeit – wichtig sind aber auch die restlichen Gewerke. Vor der Behelfsbrücke bohrt ein Bagger mit einer sogenannten Endlosschnecke tief in den Boden hinein. „Hier arbeiten Kampfmittelsondierer. Diese bohren und schicken dann eine Sonde in das Loch, um zu schauen, ob sich dort Metall befindet. Schlägt die Sonde Alarm, bestünde der Verdacht, dass es einen Blindgänger gibt“, erläutert Schippers.
Da im Raum Böblingen/Sindelfingen in der Vergangenheit immer wieder Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs gefunden wurden, werde hier genau hingeschaut. „Am Montag wissen wir, ob Metallteile gefunden wurden und wenn ja, was dies bedeuten würde“, sagt der 40-Jährige.
Der Zeitplan jedenfalls geht auf. Die Autobahn wird am Montagfrüh wieder freigegeben. „Bis dahin laufen die Bagger durch. Es gibt weder am Tag noch zur Nacht Pausen. Wir müssen schließlich die gesamte Brücke abgetragen und die Fahrbahn komplett vom Schutt freigeräumt haben“, betont Martin Schippers. Die seit Dienstag außerplanmäßig gesperrte Fahrbahn auf der Behelfsbrücke in Richtung Böblingen ist inzwischen wieder offen. Autofahrer, die andersherum nach Sindelfingen fahren, konnten schon zuvor die Behelfsbrücke wieder nutzen. Grund für die tagelange Sperrung war eine fehlerhafte Verschraubung, die mittlerweile repariert ist.
Autofahrer, die sich am Wochenende in dem Gebiet rund um Böblingen und Sindelfingen und unmittelbar vor den gesperrten Abschnitten befanden, gerieten in Staus und kamen auf den Weg zu den Umleitungen nur stockend voran. Alleine zwischen dem Kreuz Stuttgart und der Ausfahrt Sindelfingen-Ost kamen Autos am Samstag nur schleppend voran. Ein Verkehrschaos, wie bei früheren Vollsperrungen zu beobachten, blieb dieses Mal wohl aus.
Nach der Sperrung ist vor der Sperrung
Sperrungen Die nächste Autobahnsperrung folgt im Mai beziehungsweise Juni 2026. Ein genaueres Datum steht noch nicht fest.
Nächste Schritte Der Ausbau von vier auf sechs Spuren verlangt längere Brücken. Die werden als nächstes in Angriff genommen. Außerdem wird in der Nähe des Flugfelds der aufgebaute Lärmschutz erprobt.