A81 zwischen Böblingen und Sindelfingen Ab Montag fließt der Verkehr über ein erstes neues Teilstück

Eine bauliche Veränderung bei der Streckenführung machte die Sperrung auf der A81 am Wochenende nötig. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

An verschiedenen Stellen wurde am Wochenende an der gesperrten A81 gearbeitet. Am zeitaufwendigsten ist dabei die Änderung der Streckenführung.

Am späten Samstagvormittag ist die am weitesten sichtbare Arbeit während der noch bis Montag, 12. Mai, 5 Uhr andauernden Vollsperrung der A81 zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb schon so gut wie abgeschlossen. Im Bereich der S-Bahnhaltestelle Goldberg hat ein großer Autokran bereits eine Behelfsbrücke für Busse in ihre endgültige Position über der Autobahn gehievt, die Schwerlastgurte hängen bereits durch. Gemeinsam mit dem schon vorhandenen Interimsbauwerk für Fußgänger und Radfahrer ersetzt diese die Verlängerung des Elefantenbrückles, das am ersten Adventswochenende 2024 abgebrochen worden war. Damit ist das Ende der Umwege für die Busverbindungen zwischen Sindelfingen und Böblingen ein Stück näher gerückt.

 

Geplant ist, dass die Strecke im Juli befahrbar sein wird. Bis dahin müsse noch der Anschluss an den verbliebenen Brückenteil hergestellt und außerdem die Verbindung auf dem neuen Tunneldeckel zur Leipziger Straße auf der Sindelfinger Seite geschaffen werden, erläutert Projektleiter Johannes Kuhn von der für die Erweiterung des rund sechs Kilometer langen Autobahnabschnitts zuständigen Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Baugesellschaft (Deges) bei einem Vor-Ort-Pressetermin der zeitgleich zum Abschluss der Brückenarbeiten stattfand. Zumindest zu diesem Zeitpunkt hielten sich die Rückstaus an den Ausleitungen sowie auf den Umleitungsstrecken durch Sindelfingen in Grenzen.

Reduzierte Reifen-Fahrbahn-Geräusch

„Nichts ganz Spektakuläres“, wie etwa ein Brückenabriss, stehe während dieser Vollsperrung auf dem Arbeitsplan, so Kuhn weiter. Eine bauliche Veränderung bei der Streckenführung macht die Sperrung dennoch nötig. Alle, die vor und nach der Aufhebung der Vollsperrung auf der A81 in dem Bereich unterwegs sein werden, werden diese auf jeden Fall bemerken. Denn bisher wurden im Bereich des Breuningerlands beide Fahrtrichtungen auf der einst nördlichen Richtung Singen führenden Spur geführt.

Die neuen Fahrspuren haben bereits weiße Fahrbahnmarkierungen, weil sie nicht wie in den provisorisch gelb markierten Bereichen verschmälert sind. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Südlich davon entstand im letzten dreiviertel Jahr ein rund ein Kilometer langer Autobahnabschnitt in Betonbauweise. Drei reguläre Fahrspuren plus Seitenstreifen, der temporär freigegeben werden kann, führen dort nach der voraussichtlich 2027 erfolgten kompletten Fertigstellung in Richtung Stuttgart. Doch zunächst teilen sich nach Aufhebung der Sperrung am Montagfrüh jeweils zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung – getrennt durch Betonschutzwände – den ersten fast komplett fertigen Bauabschnitt. Dann kann mit dem Bau der neuen Fahrspur Richtung Singen begonnen werden.

Die neuen Fahrspuren haben bereits weiße Fahrbahnmarkierungen, weil sie nicht wie in den provisorisch gelb markierten Bereichen verschmälert sind. „Was noch fehlt, sind die Verkehrszeichenbrücken, die Fundamente gibt es schon“, so Johannes Kuhn. Bis auf die Brückenbauwerke, die einen Gussasphalt-Belag erhalten, werden die übrigen Fahrbahnen in Beton ausgeführt. Diese seien langlebiger, aber aufwendiger in der Herstellung, erläutert der Projektleiter. Neben der charakteristischen Plattenoptik zeichnet diese eine spezielle Oberflächenbehandlung genannt „Grinding“ aus, mit der eine gute Ebenheit der Fläche erreicht wird und gleichzeitig das Reifen-Fahrbahn-Geräusch reduziert wird.

„Es gibt einen stundengenauen Einsatzplan“

An beiden Enden der Betonfahrbahn müssen die Bautrupps verschiedener Firmen während der 55 Stunden dauernden Sperrung die Anbindungen an die bestehende Streckenführung herstellen: Dabei müssen der alte Asphalt aus- und die neue Behelfsfahrbahn wieder aufgebaut werden. Über den Schotter kommen dabei mehrere Schichten Asphalt, die jeweils eine bestimmte Zeit zum Auskühlen benötigen. Anschließend müssen die Betonschutzwände und die Markierungen angebracht werden. „Es gibt einen stundengenauen Einsatzplan“, weil viele Gewerke ineinandergreifen müssten, erläutert der Projektleiter. Immerhin spielt das Wetter mit – denn dann lassen sich beispielsweise die neuen Markierungen problemlos aufbringen.

Blick von einer Bruecke aus auf die Baustelle der A81. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Dieser erste fertige Streckenabschnitt war der einzige, der neben der bestehenden Autobahn errichtet wurde. Sonst muss Platz geschaffen werden, während der Verkehr fließt. Das erklärt das „Hin-und-Her“ innerhalb im Streckenverlauf. Sechs Abweichungen vom geraden Verlauf, die im Fachjargon „Verschwenkungen“ genannt werden, zählt die Baustelle aktuell.

Ein Grund für diesen quasi „Zick-Zack-Kurs“ liegt auch in der Anforderung an die Straßenbauer begründet. Denn demnach dürfen nie zwei aufeinanderfolgende Anschlussstellen auf der gleichen Seite in der gleichen Richtung geschlossen werden. Das hat die Deges bei ihrem neuen Anschlusskonzept berücksichtigt: Nach der Vollsperrung entfällt die Ausfahrt an der Anschlussstelle Sindelfingen-Ost in Richtung Stuttgart. Dafür ist ab Montagfrüh die südliche Anschlussstelle Böblingen-Ost wieder freigegeben. Diese war für den Umbau seit Anfang Oktober 2024 gesperrt.

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