Abfallentsorgung in Stuttgart Darum verzögert sich die Biogasanlage erneut

Ein erster Eindruck von der Bioabfallvergärungsanlage, die im Zuffenhäuser Gewann Hummelsbrunnen-Süd gebaut werden soll. Foto: Stadt Stuttgart

Eigentlich sollte in diesem Sommer der Baustart für das rund 32 Millionen Euro teure Projekt sein. Doch erneut wurde der Termin wegen Änderungen verschoben. Warum müssen die Planungen noch einmal überarbeitet werden?

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Seit zwölf Jahren plant die Stadt Stuttgart an einer Biogasanlage im Stuttgarter Norden. Der Grund: Standortdebatten, Planungsänderungen, jede Menge Gutachten sowie Gerichtsprozesse sorgten dafür, dass ein Baubeginn im Gewann Hummelsbrunnen-Süd in schöner Regelmäßigkeit verschoben werden musste. Anfang 2024 zeigte sich Markus Töpfer, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), allerdings optimistisch, dass eine „noch fehlende Nachtragsgenehmigung“ im Sommer vorliegen werde und dann endlich der Startschuss für eine moderne, rund 32 Millionen Euro teure Bioabfallanlage im Norden gegeben werden könne.

 

Termin für Baubeginn nicht zu halten

Doch auch dieser Termin kann nicht gehalten werden. „Der von der Genehmigungsbehörde geforderte Antrag auf Änderungsgenehmigung bedeutete einen erheblich größeren Aufwand, als zunächst vermutet“, sagt Markus Töpfer. Als Beispiel nennt der AWS-Chef Mindestabstände zur angrenzenden Bundesstraße. Um die einhalten zu können, musste die Planung teilweise geändert werden. „Die sich hieraus ergebenden statischen Anforderungen haben wiederum Einfluss auf die angrenzenden Bereiche der Hallen“, so Töpfer. Die Folgen: Neue Gutachten zu Lärm, Geruch und Schornsteinhöhe waren nötig.

Zudem sei ein Sachverständiger mit der geplanten Ausführung eines Teilbereichs nicht einverstanden gewesen, was eine weitere Umplanung zur Folge hatte. Zu guter Letzt kam hinzu, dass der Projektleiter des Planers das Büro verlassen habe und die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern Zeit erfordere. Die Umplanung ist inzwischen abgeschlossen, und derzeit stellen die AWS-Verantwortlichen die Antragsunterlagen erneut zusammen. Markus Töpfer: „Diese sollen in den kommenden Wochen eingereicht werden – wir gehen davon aus, bis Jahresende die Genehmigung zu erhalten.“

16 Lastwagenfahrten täglich

An den Gesamtkosten des Projekts in Höhe von rund 32 Millionen Euro hat sich nichts geändert, allein mit 22 Millionen Euro schlägt die Anlage zu Buche. Sie besteht aus einer 80 auf 50 Meter großen Halle mit Annahmebereich, Behandlungstechnik und Rottetunnel, einem Fermenter (rund 35 auf 10 Meter) aus drei bis zu 11,5 Meter hohen Presswasserspeichern und einem Betriebsgebäude. Die Zu- und Abfahrt erfolgt von der B27a über eine neue Straße. Die Belästigung durch An- und Abfahrten, etwa 16 Lkw-Fahrten täglich, soll laut der AWS moderat sein.

In der Anlage wird organisches Material unter Luftabschluss mittels Bakterien vergoren. Dabei entsteht Biogas, ein Gemisch aus Methan und Kohlendioxid. Mit dem Gas sollen Strom und Wärme in einem eigenen Blockheizkraftwerk produziert und für den Eigenbedarf genutzt werden. Der überwiegende Teil des Gases wird jedoch über eine erdverlegte Leitung von der Firma Porsche abgenommen werden. Dafür wird eine von den Stadtwerken finanzierte und betriebene unterirdische Leitung zur Sportwagenschmiede in Zuffenhausen gebaut. Entsprechende Verträge wurden im November 2020 unterzeichnet.

Abluft wird gereinigt

Nachdem das organische Material den Vergärungsprozess durchlaufen hat, erfolgt eine Fest-Flüssig-Trennung. Der feste Teil der Gärreste wird in belüftete Rotte-Tunnel verbracht, um Kompost zu erzeugen. Bei dem flüssigen Gärrest handelt es sich ebenfalls um ein zertifiziertes Qualitätsprodukt, das in Stahlbetonbehältern zwischengelagert wird und der Landwirtschaft zur Verfügung steht. Die gesamte Anlage wird im Unterdruck betrieben, die geruchsintensive Abluft wird gereinigt sowie anschließend über einen Biofilter in die Atmosphäre entlassen.

70 000 Haushalte haben eine Biotonne

Die Anlage ist für eine Verarbeitungskapazität von 35 000 Tonnen pro Jahr ausgelegt, weshalb Technikbürgermeister Dirk Thürnau schon seit längerem betont, dass bei der „Braunen Tonne noch Luft nach oben“ sei. Vor Inbetriebnahme der Anlage sind Kampagnen geplant, um die rund 70 000 Haushalte mit Biotonnen zum Sammeln zu motivieren. Denn aus Bioabfall wird Biogas und Kompost gewonnen. „Das Potenzial zur Vollauslastung ist in Stuttgart auf jeden Fall vorhanden“, sagt der AWS-Geschäftsführer Markus Töpfer. Allerdings dürften die größeren Abfallmengen nicht zu Lasten der Qualität gehen. Es könne daher sinnvoll sein, für eine Übergangszeit die Auslastung der Anlage mit externen Bioabfallmengen sicherzustellen. „Denn erst bei voller Auslastung kann die Anlage kostenneutral arbeiten“, sagt Markus Töpfer.

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