Abriss Wittwer-Haus Stuttgart Warum das Denkmalamt den Stuttgarter Wittwer nicht schützen will
Anders als viele hoffen, kommt das vom Abriss bedrohte brutalistische Wittwer-Haus in Stuttgart nicht ins Denkmalverzeichnis. Warum? Wir haben die Fakten.
Anders als viele hoffen, kommt das vom Abriss bedrohte brutalistische Wittwer-Haus in Stuttgart nicht ins Denkmalverzeichnis. Warum? Wir haben die Fakten.
Der geplante Abriss des 1968 erbauten Wittwer-Buchhauses im Herzen der Stadt schlägt international Wellen. „Nach knapp 60 Jahren Betriebszeit befindet sich das Gebäude am Ende seines Lebenszyklus, wodurch ein dringender Handlungsbedarf zur Neuplanung besteht“, teilen die Bauherren, die Dinkelacker AG, mit: „Eine Sanierung des aufsteigenden Gebäudes ist weder aus technischer Sicht noch im Hinblick auf Nutzungsperspektiven sinnvoll.“
Wie berichtet, haben sich in einer Umfrage Stuttgarter Architektinnen und Architekten gegen dieses Argument und gegen den Abriss des vom Architekturbüro von Hans Kammerer und Walter Belz entworfenen Geschäftshauses gewendet. Die international aktive Initiative #SOS Brutalism, die sich für den Erhalt von markanten baukulturell bedeutsamen Betonbauten stark macht, hat das Gebäude ebenfalls als erhaltenswert eingestuft und würde es am liebsten unter Denkmalschutz gestellt wissen.
Dies sind die Argumente: „Mit seiner skulpturalen Fassade und seiner Rolle bei der Neugestaltung der Stuttgarter Innenstadt in der Nachkriegszeit stellt es ein bedeutendes Beispiel für die brutalistische Architektur in Süddeutschland dar, das es verdient, behutsam behandelt zu werden, anstatt verloren zu gehen – nicht zuletzt angesichts der ökologischen Auswirkungen eines Abrisses.“
Wie Stuttgarts Bürgermeister Peter Pätzold, Leiter des Referats Städtebau, Wohnen und Umwelt, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, habe das Landesamt für Denkmalpflege befunden, das Gebäude weise „keine Kulturdenkmaleigenschaft“ auf und werde daher nicht in das Denkmalverzeichnis aufgenommen.
„Insgesamt kommt das Landesamt für Denkmalpflege zu dem Schluss, dass der dokumentarische und exemplarische Wert des Gebäudes als Geschäftshaus der Zeit des Brutalismus durch die Menge und Stärke der Überformungen so stark geschmälert ist, dass eine Kulturdenkmaleigenschaft nicht begründet werden kann“, heißt es in der Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege vom 19.10.2025.
Sollte das Gebäude tatsächlich abgerissen werden, wird, so der Plan, ein Ideenwettbewerb über die städtebauliche Setzung, die Einbindung in das Umfeld sowie Vorschläge zur Optimierung des umgebenden Freiraums stattfinden.
Auf Basis dieser Ergebnisse wird dann ein architektonischer Realisierungswettbewerb für das neue Gebäude ausgeschrieben. Dies ist für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen, die nächste Abbruch-Baustelle in Stuttgart würde dann ab 2028 eingerichtet, nachdem die aktuellen Nutzer der Immobilie, die Buchhandlung Thalia ausgezogen sein wird. So oder so: Stuttgart gehen die Baustellen nicht aus.