Abschiedstour kommt nach Stuttgart „Mein Ende ist ja nah“: Bushido hat keine Lust mehr auf Musik

„Für mich war Musik immer ein tolles Hobby“ Bushido auf der Bühne. Foto: Veranstalter/Anne Schulz

Auf seiner Abschiedstournee gastiert der Rapper Bushido Anfang 2026 zwei Mal in der Schleyerhalle. Im Interview sehnt er sein Karriereende herbei.

Nach 30 Jahren Deutschrap empfindet Bushido seinen Job als Belastung. Im März 2026 soll für den Rapper endgültig Schluss sein mit der Musik. Im Interview erklärt er, dass er mittlerweile andere Interessen habe. Mehr als die Selfie-Mentalität in Deutschland schätze er seine Anonymität in Dubai, sagt er. Dennoch erwägt er eine temporäre Rückkehr. Ansonsten habe seine Frau immer Recht, und Gangster-Rap zum Schluss sei „kein Riesen-Act“. Seine Kinder würden seine Texte gut filtern können.

 

Guten Morgen, im ARD-Magazin „Brisant“ haben Sie neulich von Bushido in der dritten Person gesprochen, mit der Sie „nicht mehr viel zu tun“ hätten. Soll ich Sie also Bushido oder Herr Ferchichi nennen?

Bushido ist okay. Ich weiß, dass Sie mich meinen. Da müssen wir nicht so unterscheiden.

Bushido, manche Popstars gehen mit Mitte 80 auf Abschiedstournee. Warum starten Sie Anfang 2026 mit 47 eine Abschiedstour?

Naja, weil ich für mich persönlich entschieden habe, dass jetzt Schluss ist mit Musik. Ich mache das seit 30 Jahren. Ich bin 47, also habe ich 17 Jahre ohne Musik verbracht, 30 Jahre mit Musik, und das Ding ist jetzt auch mal durch. Ich habe mir ja ein paralleles Leben aufgebaut, geheiratet und Kinder bekommen. Ich habe Verpflichtungen, ich habe Verantwortung, ich lebe nicht mehr in Deutschland. Da sind so viele Sachen, die im echten Leben passieren, denen ich mich gerne widmen möchte, und deswegen steht es für mich außer Frage, jetzt auch mal ein Karriereende herbeizusehnen.

Ich dachte, dass sich Ihre Musik und Ihre Texte gerade dem echten Leben widmen wollen.

Ja, aber mein Leben ist ja schon lange nicht mehr das Leben, das ich in meiner Musik beschreibe. Ich bin weg von den Dingen, die ich über Jahre hinweg thematisiert habe. Natürlich habe ich auch mal einen Song gemacht, in dem es um meine Frau oder um die Kinder geht oder sowas, aber das ist für mich keine Basis, auf der ich noch 20 Jahre Musik aufbauen möchte. Ich habe ja auch ganz andere Interessen. Für mich war Musik immer ein tolles Hobby. Ich bin froh, dass ich eigentlich nie arbeiten gehen musste, auch wenn Musik machen und das ganze Drumherum natürlich auch sehr anstrengend ist. Ich wurde fürstlich entlohnt, aber in diesem Leben warten noch ganz andere Sachen auf mich.

Peter Kraus geht seit vielen Jahren immer wieder auf Abschiedstourneen. Bei Ihnen beginnt im Januar die zweite nach 2014. Werden weitere folgen?

Nein, für mich persönlich ist es die letzte, weil ich mit der Musik an sich abschließen möchte. Ob ich zu irgendeiner Zeit mal irgendwo irgendwie mal wieder auf einer Bühne stehen könnte? Warum denn nicht. Das kann ich nicht ausschließen, aber ich habe ganz fest vor, meine aktive Musikkarriere im März 2026 zu beenden.

Was haben Sie danach vor? Ihre Frau hat dieser Tage in ihrem Podcast angedeutet, dass Sie sich eine Rückkehr von Dubai nach Deutschland vorstellen könnten…

Was ich auf jeden Fall vorhabe, ist, die Dinge auf mich zukommen zu lassen. Deutschland ist nach wie vor unsere Heimat, und wir haben das Glück, dass wir relativ unabhängig sind, was unsere Persönlichkeit betrifft, aber auch finanziell. Wenn wir dann auf die Idee kommen, ein Stück weit wieder ein bisschen mehr Natur, ein bisschen mehr Heimat temporär haben zu wollen, dann steht es uns frei, uns das auch erschließen zu können. Das ist der wahre Luxus. Deswegen möchte ich so leben, dass ich jederzeit das machen kann, was ich gerne möchte – in Absprache mit dem Familienverband.

Ihren Umzug nach Dubai haben Sie vor drei Jahren von RTL Zwei begleiten lassen. Wer sich dafür interessiert, kann sich auf YouTube anschauen, wie Sie sich mit Ihrer Frau über die Positionierung der Couch im neuen Haus streiten. Ist Ihnen sowas nicht zu privat für die Öffentlichkeit?

Nö, zu privat finde ich das nicht. Vielleicht sind einige Menschen überrascht, dass wir uns mit so alltäglichen Dingen beschäftigen und nicht alles so Actionfilm-mäßig ausgearbeitet ist, sondern dass es um Banalitäten geht. Damit ist ja Mario Barth reich geworden: Er redet über das Prinzip Mann und Frau, einfacher kann es gar nicht sein, aber so interessant ist das auch. Ich denke auch, dass es eine ganz große Parallele dazu ist, dass die Leute eben nicht das Gefühl haben, wir seien hochstilisierte Multimillionäre in irgendwelchen Rolls-Royce-Karren, sondern wir stehen im Wohnzimmer und diskutieren über die Position der Couch, und am Ende hat natürlich meine Frau wie immer auch Recht, beziehungsweise: Was sie sagt, wird gemacht.

Nochmal zurück zu Ihren Aussagen neulich in der ARD. Da sagten Sie: „Ich war leider oft so wie Bushido. In meinen dunkleren Zeiten war ich eher so wie er.“ Manche haben dieses Statement als eine Abkehr vom Gangster-Rap verstanden, aber dann wurde wenige Stunden später Ihr neuer Song „CCN“ mit Ihrem Kollegen Lacazette veröffentlicht, in dem Sie einem von Ihnen als „Hurensohn“ bezeichneten Mann drohen: „Ich tret‘ dir deinen Schädel ein!“ Wie passt ein solcher Text zur Distanzierung von der Figur Bushido?

Das passt ungefähr so zusammen wie bei Millionen von Menschen, die keinen Bock auf ihre Arbeit haben und trotzdem morgens aufstehen und ins Büro fahren. Die machen halt das, was sie machen müssen, weil es ihr Beruf ist und weil sie damit ihr Geld verdienen. So ist das halt auch ein bisschen. Aber mein Ende ist ja nah, und deswegen ist es jetzt im Nachgang eigentlich kein Riesen-Akt, jetzt noch einmal ein paar Monate durchzuhalten.

Ist Ihr Job, den viele als Traumjob empfinden, mittlerweile zu einer Belastung für Sie geworden?

Ja klar, auf jeden Fall. Aber die Leute träumen ja auch nur deshalb davon, weil sie selber diesen Job nicht haben.

Dürfen Ihre Kinder so etwas hören wie Ihren neuen Song mit Lacazette?

Ich glaube, dass wir einen so guten und normalen Umgang miteinander haben, dass das bei meinen Kindern gar nicht auf so große Aufmerksamkeit stößt. Ich weiß, dass meine Kinder solche Dinge gut filtern und sie das gar nicht juckt. Natürlich hören sie das, aber sie zeigen kein Interesse daran. Natürlich gibt es Drogen, Glücksspiel und andere Versuchungen: Wenn man künstlich davon ferngehalten wird, dann entsteht in vielen Menschen der Drang, dass man es halt doch machen möchte. Aber ich habe bei unseren Kindern das Gefühl, dass sie so wissend aufwachsen, dass sie für sich wissen: Wir wollen so einen Blödsinn gar nicht hören, also hören wir ihn nicht, Punkt.

Markige Worte, starke Posen: Bushido live. Foto: Veranstalter

Fühlen Sie sich bedroht, wenn Sie nach Deutschland kommen?

Darüber möchte ich nicht sprechen.

Möchten Sie darüber sprechen, dass offenbar dieser Tage die Berliner Polizei das Referat für Personenschutz aufgelöst hat, nachdem bekannt geworden war, dass mehrere Beamte privat für Sie als Bodyguards gearbeitet haben sollen? Laut Polizei gebe es „belastbare Anhaltspunkte für eine korruptionsverdächtige Entwicklung“ im entsprechenden Kommissariat.

Abgesehen davon, dass ich dazu vor vier Jahren eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben habe, kann und möchte ich auch dazu nichts sagen, weil das ist nicht meine Angelegenheit, und da mische ich mich nicht ein.

Wenn Sie in Dubai auf der Straße oder in einer Mall seltener erkannt werden als in Berlin – genießen Sie das, oder fehlt Ihnen was?

Ich genieße das total. Ich will gar nicht nicht anonym sein. Erstens bilde mir darauf nichts ein, und zweitens ist es immer nur nachteilhaft – gerade die Mentalität, überall angegrapscht und fotografiert zu werden. Das ist schon sehr übergriffig, gerade in Deutschland. Deswegen ist das hier in Dubai von der Mentalität her total angenehm, und ich genieße das wirklich sehr.

Apropos Fotografieren: Auf Instagram werben Sie für ein sogenanntes VIP-Package für die Konzerte Ihrer „Alles wird gut“-Tournee Anfang nächsten Jahres, das neben Ihrem aktuellen Album, einer College-Jacke und ein paar Souvenirs auch die Berechtigung enthält, Sie nach dem Konzert im Backstage-Bereich „zum kurzen Quatschen, zum Foto-Machen“ zu treffen. Warum kostet das Paket 1999 Euro?

Warum soll es keine 1999 Euro kosten?

Weil es teuer ist, und weil es sich nicht jeder leisten kann?

Einige Dinge kann sich nicht jeder leisten, sonst würden wir nicht in einer Demokratie leben, sonst müssten wir wahrscheinlich die alten DDR-Regeln wieder aufnehmen, damit sich jeder alles leisten kann. Es ist ein Grundprinzip der freien Marktwirtschaft, dass sich nicht jeder alles leisten kann. Tut mir leid, dass nicht jeder einen Mercedes AMG oder einen Ferrari fährt. Ich habe auch einen Ferrari, ich kann mir den leisten. Auf der ganzen Welt gibt es so viele Unterschiede, und so gibt es Menschen, die können sich das leisten, und es gibt Menschen, die können sich das nicht leisten. Es soll ja auch Menschen geben, die können sich das leisten aber wollen sich das nicht leisten – das steht denen ja allen frei. Wir leben ja zum Glück noch in einer freien Welt.

Auch im Hip-Hop scheinen zwei gegensätzliche Welten zu existieren: Die einen wedeln mit Geldscheinen und präsentieren in ihren Videos teure Autos und teuer gekleidete Frauen. Die anderen sprechen sich für die Rechte Unterprivilegierter aus und fordern mehr Chancengleichheit beziehungsweise Gleichheit. Wo verorten Sie sich?

Rap steht nicht für Gleichheit. Der Deutschrap lebt davon, dass jeder sich als besser und stärker und reicher und schöner fühlt als andere. Da herrscht ein absolutes Konkurrenzdenken. Es soll Leute geben, die erzählen, dass alle gleich sind, aber wir sind nicht alle gleich. Es gibt zwar auch eine Form von Rap, die sich irgendwie mit politischen Themen beschäftigt, aber das liegt mir fern. Ich habe Rap damals angefangen, weil ich’s cool finde, weil ich damit Geld verdienen wollte, und alles andere ist mir auch egal.

Info

Rapper
Bushido (47), bürgerlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi, hat sein erstes Album „Vom Bordstein bis zur Skyline“ 2003 veröffentlicht. Später machte er unter anderem mit indizierten Songs, dem Bambi-Integrationspreis und juristischen Auseinandersetzungen von sich reden. 2022 zog Bushido mit seiner Frau Anna-Maria Ferchichi und ihren acht Kindern nach Dubai.

Abschiedstour
Bushidos „Alles wird gut“ betitelte Abschiedstournee beginnt am 12. Januar 2026 in Berlin. Sein Konzert am 17. Januar in der Stuttgarter Schleyerhalle sei „quasi ausverkauft“, teilt der Veranstalter mit. Für sein zweites Konzert in der Schleyerhalle am 12. März gibt es noch Karten.

Weitere Themen