Abwärtsspirale bei Bäckerei Grau Warum Grau nach Stuttgart-West nun auch eine Filiale in Fellbach schließt

Ein Foto aus besseren Zeiten: Ines Grau in der Backstube Foto: Brigitte Hess

Die wirtschaftliche Schieflage zwingt die Fellbacher Traditionsbäckerei Grau nun doch zur Schließung mehrerer Standorte. Ehemalige Mitarbeiter bezeichnen die Probleme als hausgemacht.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Die Filiale in der Stuttgarter Bebelstraße ist nicht der einzige Standort, den die von Insolvenz betroffene Fellbacher Traditionsbäckerei Grau schließen muss. Auch die Verkaufstheke im Lindle fällt der wegen der finanziellen Schieflage des Familienunternehmens nötigen Schrumpfkur zum Opfer. Der Betrieb ist seit Montag vorübergehend geschlossen und soll wie die bisher unter dem Namen „Brotfreunde Grau“ bekannte Filiale im Stuttgarter Westen binnen der nächsten zwei Wochen von einem Bäckereiunternehmen übernommen werden.

 

Insolvenzverwalter Markus Eibofner spricht von einem wichtigen Schritt in Richtung einer „nachhaltigen Sanierung“ der Bäckerei. Um welche Firma es sich bei der geplanten Übernahme handelt, will der seit Anfang Oktober mit der Ordnung der finanziellen Turbulenzen betraute Rechtsanwalt noch nicht sagen.

Noch im Juli hieß es, dass wegen der Insolvenz kein Standort in Gefahr sei

Die Schließung der beiden Filialen ist der vorläufige Höhepunkt eines seit Monaten andauernden Kampfs ums wirtschaftliche Überleben. Noch Ende Juli hatte die Bäckereichefin Ines Grau auf Nachfrage erklärt, dass trotz des beantragten Insolvenzverfahrens kein Standort in Gefahr sei. „Der Geschäftsbetrieb läuft ganz normal weiter, wir werden keine unserer Filialen schließen und kein Personal entlassen“, sagte die Fellbacher Geschäftsfrau. Jetzt wird auf einer im Schaufenster hängenden Kundeninformation erklärt, dass das Unternehmen die Filiale „nicht mehr weiter betreiben“ dürfe. Als Gründe werden von der Geschäftsführerin ein „eklatanter Personalmangel und als Folge davon fehlende Umsätze“ genannt.

Schon im Juli hatte Ines Grau beklagt, dass ihr sowohl fürs traditionelle Backhandwerk als auch für den in einigen Niederlassungen angebotenen Mittagstisch das Personal fehle. Das lukrative Geschäft mit Hochzeitstorten sei völlig eingebrochen, weil die Bestellungen ohne die nötigen Konditoren gar nicht abgearbeitet werden könnten, auch für den Umsatz wichtige Großaufträge könne das Familienunternehmen oft gar nicht mehr annehmen. Von den 25 Arbeitsplätzen in der Backstube, die in der Maria-Merian-Straße in Fellbach angesiedelt ist, waren laut Ines Grau im Juli gerade mal sieben auch wirklich besetzt.

Ehemalige Mitarbeiter beklagen ausstehende Lohnzahlungen

Kritiker sehen die Schwierigkeiten aber als hausgemachtes Problem an. Bereits in den vergangenen Monaten beklagten ehemalige Mitarbeiter des 1939 gegründeten Unternehmens das schlechte Betriebsklima und mangelnde Wertschätzung für ihre Arbeit. Bekannt geworden ist auch, dass zumindest ein Teil der Beschäftigten offenbar über Wochen und Monate auf ausstehende Gehaltszahlungen warten musste.

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