Abwehrmann des VfB Stuttgart Dan-Axel Zagadou spricht – so sehr genießt er sein Comeback

Dan-Axel Zagadou ist zurück auf der Bundesligabühne. Foto: Baumann/Volker Mueller

Der Koloss ist zurück. Dan-Axel Zagadou hat nach langer Leidenszeit nun wieder Bundesligaspiele bestritten. Nach dem 3:2 gegen den FC Augsburg hat sich der Franzose dazu geäußert.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Als Innenverteidiger ist er eigentlich keiner für schnelle Gegenstöße. Aber dieser Konter kam blitzschnell. „Auf deutsch?“, fragt der Reporter, als Dan-Axel Zagadou nach der Partie des VfB Stuttgart gegen den FC Augsburg zum Gespräch erscheint. „Auf französisch?“, lautet seine fixe Gegenfrage. Und man einigt sich auf englisch.

 

Deutsch, Französisch, Englisch – am Ende eigentlich egal. Denn so oder so kommen die Messages des Hünen aus der VfB-Abwehr an. Es sind: frohe Botschaften. Für einen, der eine lange Leidenszeit hinter sich hat.

„Eineinhalb Jahre“, sagt Zagadou selbst, hat er ja nun kein Fußballspiel auf Erstliganiveau bestreiten können. Knieverletzungen haben ihn außer Gefecht gesetzt. Mal wieder. Dass er nun wieder in der Bundesliga auf dem Spielfeld stehen darf – für den 26-Jährigen ist das quasi ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Über Kurzeinsätze und die zweite Mannschaft ist er herangeführt worden in den vergangenen Wochen. Beim 2:1-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 stand er dann erstmals wieder in der Bundesligastartelf des VfB. Am Sonntag beim 3:2 gegen den FC Augbsurg folgte der nächste Einsatz vom Anpfiff weg – und diesmal auch über die volle Distanz.

„Diesmal“, sagt Zagadou nun, „fühle ich mich gut.“ Vor zwei Wochen, nach seiner Comeback-Partie gegen die Mainzer, war das noch anders gewesen. „Da habe ich meinen Körper wirklich gespürt“, erklärt er lächelnd. Schon damals haben ihm nach dem Abpfiff viele im Verein zu seiner Rückkehr auf die Bundesligabühne gratuliert. Am Sonntag war es nach dem 3:2-Erfolg gegen den FCA nicht anders.

„Wirklich jeder hier freut sich für mich“, sagt der Franzose, der betont: „Das bedeutet mir viel. Denn es zeigt mir, dass ich wieder Teil des Teams bin.“ Nachdem er monatelang raus gewesen ist aus dem Alltag eines Profis, ergänzt er, „fühle ich mich nun wieder wie ein echter Fußballspieler“.

Dan-Axel Zagadou „genießt“ dieses Gefühl, denn er berichtet auch davon, dass es „nicht leicht“ gewesen sei, „immer den Glauben an eine Rückkehr zu behalten. Viel gebetet habe er, Zagadou betont: „Gott hat mir in dieser schwierigen Situation geholfen.“ Nun, da das Comeback geschafft ist, gibt es keinen im weiß-roten Lager, der ihm dies nicht gönnt.

Fast drei Jahre Ausfallzeit seit 2017

„Da geht mir und da geht uns allen“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „das Herz auf.“ Sie alle haben mitgelitten mit dem verletzungsanfälligen Hünen, haben ihm auf dem Weg zurück geholfen. Der Trainer Sebastian Hoeneß findet es „super“, dass „Daxo“ Zagadou wieder an Bord ist. Wohlgemuth ergänzt: „Er ist auf dem Weg, wieder ein wichtiger Eckpfeiler der Mannschaft zu werden.“ Unter einer Voraussetzung.

„Für ihn geht es darum, dass er jetzt stabil bleibt“, sagt Hoeneß. Der Innenverteidiger selbst versichert, er werde „alles dafür tun, gesund zu bleiben“. Wohl wissend, dass er das nicht allein in seinen Händen hält. 70 Spiele hat Dan-Axel Zagadou verletzungsbedingt verpasst, seit er im Spätsommer 2022 zum VfB gekommen ist. 150 sind es, nimmt man seine Zeit bei Borussia Dortmund (2017 bis 2022) hinzu. Auf 1161 Tage beläuft sich seine Ausfallzeit seit 2017 – das sind über drei Jahre – und eine schwere Hypothek für einen Fußballer, der gerade erst 26 Jahre alt ist.

Per Kopf ist Dan-Axel Zagadou eine echte Bank. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Doch nun könnte sich das Ganze ja doch noch einmal zum Guten wenden. Der 1,96 Meter große Zagadou hat gegen den FCA 118 Ballkontakte verbucht – mehr als jeder andere Spieler auf dem Feld. Er hat über 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen, vor allem in der Luft war er eine Macht – und damit bester VfB-Zweikämpfer. 81 seiner 99 Passversuche waren zudem erfolgreich. „Er war“, sagt Hoeneß, „sehr präsent.“ Kein Wunder – Dan-Axel Zagadou ist ja auch eine richtige Erscheinung.

Aber eben auch eine, die weiß, eine gute Rolle innerhalb der Gruppe zu spielen. Er kümmert sich viel um die französisch sprechenden Spieler im Team. Aber „nicht nur um die“, versichert Deniz Undav. Entsprechend anerkannt ist Zagadou – trotz der langen Ausfallzeit auch als Führungsfigur. „Wenn du spielst, bist du der Boss“, hätten die Mitspieler zu ihm gesagt, berichtet der Abwehrspieler. Der aber lieber andere „Leader“ nennt: „Deniz Undav ist einer. Auch Atakan Karazor.“

Nun aber darf auch er selbst wieder auf dem Spielfeld den Ton angeben – und als die beiden Genannten ausgewechselt waren, trug der Franzose sogar einige Minuten die Kapitänsbinde. Entsprechend freut er sich auf alles, was noch kommt. Zum Beispiel das Gastspiel bei seinem Ex-Club in Dortmund am 22. November. Bis dahin ist aber ein bisschen Ruhe gegeben – die Dan-Axel Zagadou auch nötig hat.

Das Gespräch in der MHP-Arena beendet er jedenfalls so: „Ich gehe jetzt schlafen.“

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