Adelsfamilie von der Mainau Wer sind die Bernadottes – und wie kommen sie an den Bodensee?

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Bernadotte: Der Name ist untrennbar mit den Geschicken der Mainau-Insel verbunden. Doch wie kamen die Schweden eigentlich an den Bodensee? Und wie eng sind die Beziehungen nach Stockholm heute?

Er holte die Insel Mainau aus dem Dornröschenschlaf und machte sie zu dem Besuchermagneten, der sie heute ist: Graf Lennart Bernadotte mit seiner ersten Frau Karin. Foto: dpa 14 Bilder
Er holte die Insel Mainau aus dem Dornröschenschlaf und machte sie zu dem Besuchermagneten, der sie heute ist: Graf Lennart Bernadotte mit seiner ersten Frau Karin. Foto: dpa

Stuttgart - Ein schwedisches Adelsgeschlecht und eine Insel im Bodensee: Die Verbindung der Familie Bernadotte mit der Blumeninsel Mainau ist eine im wahrsten Sinne fruchtbare. Aber wie kamen die Skandinavier ans Schwäbische Meer? Und wie eng sind die Beziehungen der Mainau-Bernadottes zum Palast in Stockholm? Eine Spurensuche.

Woher kommt das Adelsgeschlecht Bernadotte?

Bernadotte – das klingt nicht besonders schwedisch. Der Schein trügt nicht: Das schwedische Königshaus hat seine Wurzeln im napoleonischen Frankreich. Jean-Baptiste Bernadotte (1763 – 1844) hatte sich in Napoleons Armee einen Namen als begnadeter Heeresführer gemacht. Nachdem 1810 in Stockholm der Kronprinz überraschend das Zeitliche segnete, stand Schweden ohne Thronfolger da.

Man sah sich in Frankreich um – und die Wahl fiel auf Maréchal Bernadotte. Nach anfänglichem Zögern sagte der Franzose zu. Damit bekamen die Schweden nicht nur einen hochdekorierten Kronprinz und späteren König, sondern auch eine elegante Königin: Désirée, Tochter eines Import-Export-Händlers aus Marseille und – pikantes Detail – einst mit Napoleon verlobt.

Bis heute sitzen die Bernadottes auf dem schwedischen Thron: Der amtierende Monarch Carl XVI. Gustaf ist der Ur-Ur-Urenkel von Jean-Baptiste.

Wie kam die Mainau in den Besitz der Schweden?

Die Mainau, heute ein Besuchermagnet für Menschen aus der ganzen Welt, hat eine bewegte Geschichte: Seit dem 8. Jahrhundert gehörte das kleine Eiland im Überlinger See zum Kloster der Insel Reichenau, im 13. Jahrhundert wurde sie an den Deutschen Orden verschenkt.

Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) besetzten schwedische Truppen die Mainau. Doch dieses skandinavische Intermezzo dauerte nur kurz: 1649 zogen die Schweden ab – nicht ohne die Insel zu plündern und anschließend zu verwüsten.

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Mit der Säkularisation von 1806 kam die Mainau in den Besitz des Großherzogtums Baden. 1827 kaufte der ungarische Fürst Nikolaus von Esterhazy die Insel, 1853 fiel die Insel aber wieder an die Badener zurück.

Die Mainau blieb im Besitz der badischen Großherzöge – auch über das Ende der Monarchie im Jahr 1918 hinaus. 1928 starb Friedrich II., der letzte Großherzog von Baden. Da er kinderlos war, erbte seine Schwester Viktoria die Blumeninsel. Diese war mit Gustav, dem König von Schweden, verheiratet. Knapp 280 Jahre, nachdem erstmals Soldaten aus dem hohen Norden ihren Fuß auf das Eiland setzten, war die Mainau wieder in schwedischem Besitz.

Wie die Bernadottes die Mainau wach küssten

Nach dem Tod Viktorias trat 1930 ihr jüngerer Sohn Prinz Wilhelm von Schweden das Mainau-Erbe an. Ihn interessierte das winzige Eiland im Süden Deutschlands wenig. Die Mainau verwilderte zusehends, auch dem Schloss war die Vernachlässigung anzusehen. Es war Graf Lennart Bernadotte (1909-2004), der die Mainau aus ihrem Dornröschenschloss holte.

1932 übergab Wilhelm die Verwaltung der Bodenseeinsel an seinen Sohn. Lennart hatte kurz zuvor seinen Platz in der schwedischen Thronfolge aufgeben müssen, weil er die bürgerliche Fabrikantentochter Karin Nissvandt geheiratet hatte.

Lennart hatte die Mainau noch aus den glücklichen Ferientagen seiner Kindheit in Erinnerung – und war entschlossen, sie wieder zu altem Glanz zu führen. Er erkor die Mainau zum Wohnsitz für seine Familie (während des Zweiten Weltkriegs harrten die Bernadottes allerdings in Schweden aus), machte die Insel zum Gartenparadies und öffnete die 45 Hektar große Insel fürs Publikum. Der Sommersitz des Adels wandelte sich zur Haupttouristenattraktion am Bodensee.

Lennart Bernadotte galt als einer der Pioniere im Umwelt- und Naturschutz. Bereits 1961 stellte er in der „Grünen Charta der Mainau“ Regeln für den Umgang mit der Natur auf, die auch heute noch Gültigkeit haben. Daneben hatte er sich bereits in jungen Jahren einen großen Namen als Fotograf gemacht.

1971 ließen sich Graf Lennart und seine Frau Karin scheiden. 1972 heiratete der Graf Sonja Haunz, seine 35 Jahre jüngere Assistentin. Der Mainau-Gründer hat neun Kinder – vier aus erster, fünf aus zweiter Ehe. Graf Lennart starb 2004 im Alter von 95 Jahren.

Wer hat heute auf der Mainau das Sagen?

2008 erlag Gräfin Sonja, die Witwe des Mainau-Grafen Lennart, einem Krebsleiden. Sie hatte bis kurz vor ihrem Tod die Geschäfte auf der Blumeninsel geführt. Heute stehen die beiden ältesten Kinder des Paares, Gräfin Bettina und ihr Bruder Graf Björn, an der Spitze des Familienunternehmens Mainau.

Ihre jüngeren Geschwister gehen ihre eigenen Wege und führen doch auf ganz eigene Art die Familientraditionen weiter: Gräfin Catherina ist Landschaftsarchitektin, Graf Christian produziert Dokumentarfilme und Gräfin Diana, das 1982 geborene Nesthäkchen der Familie, führt auf der Blumeninsel ein Hutatelier.

Jüngst machten die Mainau-Bernadottes mit ihrem Privatleben Schlagzeilen: Erst ging die Ehe von Graf Björn in die Brüche, dann gab Gräfin Diana die Trennung von ihrem zweiten Mann bekannt.

Wie eng ist das Verhältnis zum schwedischen Königshaus?

Die Bernadottes vom Bodensee haben ein enges Verhältnis zu ihren Verwandten in Stockholm. Schließlich waren Graf Lennart und der Vater des jetzigen Königs Carl XVI. Gustaf Cousins.

Immer wieder besucht die schwedische Königsfamilie die Blumeninsel. Das liegt natürlich auch an Silvia, der „deutschen Königin“ und Frau von Carl Gustaf, die selbst aus Baden-Württemberg stammt. Königin Silvia macht bei Besuchen in der alten Heimat häufiger einen Abstecher an den Bodensee.

Auch bei Familienfesten sieht man sich: Schwedens Kronprinzessin Victoria war 2009 bei der Hochzeit von Graf Björn zugegen, ein Jahr später waren Björn und seine Schwester Bettina in Stockholm bei Victorias Vermählung mit Daniel Westling zu Gast.