Ärger auf der Königstraße Laute Straßenmusik: „Wir sind völlig entnervt“

Die Regeln für Straßenmusiker sehen in Stuttgart vor, dass an einem Standort höchstens 30 Minuten am Stück gespielt werden darf. Foto: Pixabay AndreasAux

Akkordeon, Saxophon, Xylophon: In der unteren Königstraße ist bei Büromietern und Einzelhändlern ein Streit um die musikalische Dauerbeschallung entbrannt.

Ist Straßenmusik nervtötend? Für diejenigen, die sie den ganzen Tag hören müssen, ohne es zu wollen, wahrscheinlich schon. In der unteren Königstraße entbrennt aktuell ein Streit mit der Stadt darüber, ob die musikalische Dauerbeschallung für dort arbeitenden Menschen zumutbar ist oder nicht.

 

Straßenmusiker auf der Königstraße: Immer wieder dieselben Stücke

Silke Haas führt Buch. In einer Excel-Tabelle vermerkt sie seit einigen Monaten akkurat, wie oft am Tag und mit welchen Instrumenten Straßenmusiker gegenüber ihrem Büro zur Tat schreiten. Akkordeon, Saxophon, Xylophon sind die häufigsten Nennungen in ihrer Tabelle.

„Vier bis fünf Mal im Schnitt jeweils eine halbe Stunde“ sagt die Mitarbeiterin eines Einzelhandelsmaklers, der im fünften Stock des Marquardtbaus seine Büroräume hat. Meistens spielten sie immer wieder dieselben Stücke. Die Musiker stehen an einem genehmigten Platz vor dem direkt gegenüberliegenden König-Olga-Bau. Die Akustik in der Straßenschlucht ist prächtig.

Einzelhändler auf der Königstraße fühlen sich derzeit von der Straßenmusik genervt. Foto: LICHTGUT

Büromieter und Einzelhändler seien völlig entnervt von der Straßenmusik

Genau das sorgt auch dafür, dass jeder Ton auch ganz oben in den umliegenden Gebäuden zu hören ist. Ob man will oder nicht. „Denn leider verfügt unser unter Denkmalschutz stehendes Gebäude nur über einfach verglaste Fenster“, sagt Silke Haas. Sie zu schließen, nütze wenig. Die rund 20 am Standort betroffenen Büromieter und Einzelhändler seien völlig entnervt, sagt sie. Sich auf die Arbeit zu konzentrieren sei sehr schwer. „Mieter aus unserem Haus geben den Musikern bereits Geld, damit sie den Standort direkt nach Spielbeginn wieder verlassen“, erzählt die Angestellte.

Im Namen der Betroffenen ist Silke Haas bereits bei der Abteilung Straßenrecht des Ordnungsamts schriftlich vorstellig geworden. In dem Protestschreiben berichtet sie davon, dass Einzelhändler von Musikern auch schon beleidigt worden seien, als sie sich über die Dauerbeschallung beschwert hatten. Auch von einem Musiker, der als Reaktion auf eine solche Beschwerde vor den Laden uriniert haben soll, ist die Rede.

Haas und ihre Mitstreiter fordern nun mit Nachdruck von der Stadt, den offiziellen Standort für Straßenmusiker vor dem Königin-Olga-Bau vorübergehend auszusetzen, um „die komplette Streichung beziehungsweise Verlegung Richtung Schlossplatz zu überdenken“.

Straßenmusik belebe die Stadt

Aktuelle weist die Stadt in der Innenstadt sieben solcher Standorte aus, die der Gemeinderat genehmigt hat. Eine Sprecherin bestätigt auf Anfrage, dass „immer wieder Meldungen über Lärmbelästigung durch Straßenmusiker an verschiedenen Orten eingehen – auch im Bereich des Königin-Olga-Baus“.

Dem Wunsch, den Standort zu streichen oder zu verlegen, dürfte die Stadt aber vorerst nicht nachkommen. „Aktuell“, so heißt es weiter, „gibt es keine konkreten Pläne oder Überlegungen, das Musizieren an diesem Ort zu untersagen.“ Nach Ansicht der Verwaltung belebe Straßenmusik die Stadt und trage zu einem freundlichen Ambiente bei. „Daher setzen wir vor einem Verbot auf Kontrollen, um die Einhaltung der Vorgaben sicherzustellen und mittels Gesprächen zu vermitteln.“

Strenge Vorgaben und Ruhezeit für Straßenmusiker

Im Falle der unteren Königstraße scheint das bisher nicht gefruchtet zu haben. Jedenfalls nicht so, dass der Zustand für alle annehmbar ist. Die Regeln für Straßenmusiker sehen in Stuttgart vor, dass an einem Standort höchstens 30 Minuten am Stück gespielt werden darf. Die erlaubten Spielzeiten liegen zwischen 9 Uhr und 22 Uhr. Zwischen 14.30 Uhr und 16 Uhr gilt eine Ruhezeit.

Zudem sind elektronische Verstärker, so erklärt die Stadt weiter, nicht zulässig. Ebenso besonders laute Instrumente. Und auch aus mehr als drei Musikern darf eine Combo nicht bestehen. Wer sich an alles hält, hat wenig zu befürchten. Alles in allem also eine vertrackte Situation: Ist doch das Ruhebedürfnis arbeitender Menschen mindestens so nachvollziehbar wie eine Innenstadt ohne Straßenmusik für viele undenkbar ist.

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