Magie oder Tierquälerei: Der Illusionist Sergey Stopakov zaubert eine Taube aus einem Kartenspiel hervor. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
Nach einer Strafanzeige von Tierrechtsaktivisten prüft auch das Veterinäramt die Vorwürfe gegen den Taubenmagier Sergey Stopakov beim Weltweihnachtscircus.
Der Zauberer hält einen Luftballon in der Hand. Es knallt, der Ballon zerfetzt in Stücke, dafür kommt eine weiße Taube zum Vorschein, die zum Zauberer auf die Hand fliegt. Im nächsten Trick flattert die Taube scheinbar aus einem Kartenspiel hervor, das der Magier sich vor den Bauch hält. Das Publikum applaudiert.
Der Tauben-Influencer Malte Zierden schaltet sich ein
Im Internet veröffentlichten die Aktivisten Videoaufnahmen, die aus der Stuttgarter Vorstellung stammen sollen und teilweise in Zeitlupe die Tricks des ukrainischen Illusionisten Sergey Stopakov filetieren. Es handele sich bei der Showeinlage nicht um Magie, sondern um pure Tierquälerei, urteilte der Hamburger Influencer und Taubenfreund Malte Zierden, der zusammen mit Animal Rebellion die Aufnahmen gesichtet hat.
Die Tiere würden ruckartig umhergezerrt. Stopakov zwänge die Jungtauben in seine Sakkotasche oder in den Ärmel. Bei seiner letzten Nummer würden sie plötzlich mit einem Rumms in einen höchstens zehn Zentimeter hohen Tisch-Hohlraum gedrückt. Dabei seien die Vögel während der gesamten Show an einem Faden am Bein festgebunden, der sie am Wegfliegen hindere.
Bei der Premiere hatte das offenbar auch die Frau des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper irritiert. „Die saßen alle so stocksteif da. Deshalb habe ich gedacht, die Tauben sind nicht echt“, sagte Gudrun Weichselgartner-Nopper. Kritisieren wollte sie die Vorstellung im Nachhinein aber nicht. „Das sind alles tolle Menschen.“ Die Einnahmen der Premiere seien an das Kinderhospital Olgäle gespendet worden.
Flut von 8000 Mails belastet Stuttgarter Veterinäramt
Der Zirkus wies die Vorwürfe zurück. Insbesondere seien die Tiere nicht angebunden, sagte der Zirkus-Chef Dalien Cohen. Derweil wurde die Stuttgarter Veterinärbehörde in den vergangenen Tagen von einer Flut von Mails von Tierfreunden förmlich überschwemmt. Es seien mehr als 8000 gleichlautende Nachrichten eingegangen, die auf die mutmaßlichen Missstände im Zirkus hinwiesen. „Diese Form der massenhaften Kontaktaufnahme belastet den Dienstbetrieb, ohne zusätzliche sachliche Erkenntnisse zu liefern“, sagte der Sprecher der Stadt, Sven Matis. Dies behindere nur die Arbeit.
Tatsächlich werde das Veterinäramt schon bei einem konkreten Hinweis tätig, versicherte Maitis. Am Dienstag prüfte die Behörde daraufhin erneut die Tierhaltung. „Mitarbeitende sind aktuell vor Ort, um sich selbst ein Bild davon zu machen, inwieweit das Wohl der Tauben gewährleistet ist“, sagte Matis. Es habe keine Beanstandungen gegeben, sagte Cohen im Anschluss. Von der Stadt lag zunächst keine Bestätigung vor.
Schon zu Beginn des Gastspiels war die Tierhaltung überprüft worden. Dabei sei die Unterbringung der Tauben für gut befunden worden, erklärte eine Sprecherin des Veterinäramts am Montag. Die Pferdeboxen seien sogar größer als in den Leitlinien vorgeschrieben. Auch der Auslauf im Paddock sei garantiert.
Aktivisten demonstrieren gegen Tiere im Weltweihnachtscircus. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Dass überhaupt Tauben Teil der Show im Weltweihnachtscircus sind, war ursprünglich nicht geplant gewesen. Stupakov tritt normalerweise mit einem Papagei auf. Wegen des Wildtierschauverbots, das seit 2019 in Stuttgart gilt, war das nicht möglich gewesen. Der Papagei war demnach zu exotisch. Jetzt fordern die Tierschützer ein generelles Tierschauverbot auch für Haus- und Nutztiere. Am Freitag ist dafür eine weitere Protestaktion auf dem Wasen geplant.