Die wütenden Proteste von Fahrgästen aus Altbach ändern nichts am Entschluss: Der 140er soll künftig in Oberesslingen enden. Ab wann ist jedoch noch unklar.
In der Sache bleiben sie hart. Während der jüngsten Sitzung des Altbacher Gemeinderates haben die Erste Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr und der Leiter der Planungsabteilung des VVS, Thomas Knöller, die Pläne zur Verkürzung der Buslinie 140 verteidigt. Die wütenden Proteste aus Altbach ließen sowohl den VVS als auch das Landratsamt unbeeindruckt. Die Verkürzung der Linie soll kommen, sobald Esslingen seine Lärmaktionsplan-Maßnahmen umsetzt. Wann das genau sein wird, sei noch unklar. Die Redner versprachen aber, die Fahrgäste rechtzeitig zu informieren.
Bus endet künftig in Oberesslingen
Bereits heute sei der stündliche Umlauf ein „heißer Ritt“, wie Knöller sagte. Gerade einmal drei Minuten sogenannte Wendezeit gibt es aktuell auf der Linie. Falls die Stadt Esslingen ihre Pläne der vierten Stufe des Lärmaktionsplanes umsetzt und auf der Strecke der Buslinie 140 die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde verringert, ist der Stundentakt nicht mehr zu halten. „Man müsste einen zweiten Bus einsetzen“, sagte der Abteilungsleiter. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 200 000 Euro.
Angesichts der Alternativen zur Linie 140 möchten weder der VVS noch der Kreis diese Kosten tragen. Stattdessen soll der Bus zukünftig in Oberesslingen enden. Wer weiter zum ZOB der Kreisstadt wolle, könne von der zukünftigen Endhaltestelle des 140er innerhalb weniger Minuten in den nächsten Bus einsteigen und weiterfahren. „Wir haben in der Plochinger Straße drei Linien, die während der Hauptverkehrszeit sogar im 15-Minuten-Takt fahren“, hob Knöller hervor. Außerdem könne man noch darüber nachdenken, morgens kurzzeitig einen zweiten Bus einzusetzen und einzelne 140er-Busse weiterhin bis zum Esslinger ZOB durchfahren zu lassen, wovon insbesondere Pendler und Schüler profitieren würden.
Heute nutzen an Schultagen durchschnittlich 1200 Fahrgäste den Bus. In Altbach steigen rund 800 Fahrgäste zu. 500 fahren nach Plochingen, 300 nach Esslingen. Von den Fahrgästen nach Esslingen steigen rund 100 bis Oberesslingen aus. Von der Verkürzung wären, so die Rechnung des VVS, also rund 200 Fahrgäste betroffen.
Die Planer verweisen darauf, dass es mit der S-Bahn ein paralleles Angebot für die Strecke gebe. Die Krux dabei ist, dass bei allen Alternativen ein Umstieg notwendig ist. Gerade für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ist das Umsteigen keine vollkommen unproblematische Angelegenheit. Nichtsdestotrotz müsse der Nahverkehrsplan des Kreises lediglich das Basisangebot abdecken, betonte die Landesbeamtin Leuze-Mohr. Der Bus 140 sei aber eine Ergänzung zum Basisangebot. „Das macht einen Unterschied in der Bewertung“, sagte sie.
Andere Abfahrtszeiten abgelehnt
Die Line wie gehabt, aber zu anderen Abfahrtzeiten verkehren zu lassen, ist aus Sicht des VVS keine gute Idee. „Das lehnen wir strikt ab“, sagte Knöller. Aus Sicht des Planers hängt die Attraktivität des Angebots maßgeblich an den fixen Abfahrtzeiten, die jede Stunde gleich sein sollen. Gleiches gilt für die Ausdünnung der Haltestellen. Auch davon möchte der VVS nichts wissen.
Insgesamt stellten die Lärmaktionspläne eine große Herausforderung für den ÖPNV dar, sagte Leuze-Mohr. Die Kommunen sind aber gezwungen, ihre Lärmaktionspläne fortzuschreiben. Die einfachste und vor allem günstigste Lösung ist es oft, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Sollte Altbach ebenfalls auf seiner Durchgangsstraße Tempo 30 beschließen, müsste der Bus 140 aber nicht bereits in Zell enden, versprach Knöller. Durch die Verkürzung in Oberesslingen hätten die Busfahrer eine Wendezeit von sieben Minuten. Würde der Bus in Altbach zukünftig etwas langsamer fahren, wäre der zeitliche Puffer also immer noch ausreichend.