Aktienvorschau Keine Angst vor dem Inflationsbiest

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde – am 11. Juni erwarten die Experten von ihr mal wieder eine Leitzinserhöhung. Foto: dpa/Arne Dedert

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: In diesem Jahr könnten noch zwei Leitzinserhöhungen folgen – kein Schreckensszenario für die Börsen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Anhaltende Freude darüber, dass die Inflation in Deutschland im Mai überraschend auf 2,6 Prozent gesunken ist, ist nicht zu empfehlen. Sobald der Tankrabatt ausläuft, dürfte sie wieder steigen. Hohe Energiepreise verteuern Lebensmittel, Industriegüter und Dienstleistungen – all dies wird das Leben im zweiten Halbjahr gehörig trüben.

 

Noch zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr erwartet

Das Inflationsbiest sei wieder aus dem Käfig ausgebrochen, meint daher auch LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer. Der Iran-Krieg habe es hervorgelockt. Allerdings werde es nicht so wüten wie 2022/2023. Da seien die Währungshüter der Europäischen Zentralbank wachsam genug; nicht noch einmal dürfe die Glaubwürdigkeit des Euro so beschädigt werden, indem die Inflation in kürzester Zeit durch die Decke gehe. Insofern geht Kraemer fest von einer Leitzinserhöhung am 11. Juni um wahrscheinlich 25 Basispunkte aus – und von einem weiteren Anstieg im dritten Quartal. Auch die Commerzbank erwartet gleich zwei Zinserhöhungen statt nur einer.

Die Zeiten, wo derlei Anhebungen die Börse schreckten, sind längst passé. Die Jubelstimmung lässt sich so nicht trüben. Vielmehr schwelgt man an den Märkten hüben wie drüben weiter in Rekordsphären. Die Mehrheit der Akteure setzt darauf, dass die Entspannungssignale aus Washington und Teheran bald zum Durchbruch führen, nachdem Donald Trump vor einer Woche den Mund noch zu voll genommen hatte. Und die Anleger stürzen sich weiter auf Hightech-Werte – der KI-Boom nimmt kein Ende.

Märchenhaftes Wachstum bei Dell

Im Schatten von Nvidia & Co. werden märchenhafte Geschichten geschrieben. Über den US-Computerkonzern Dell etwa: Im ersten Geschäftsquartal explodierte der Umsatz mit KI-Servern um 757 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; der Gewinn legte um 256 Prozent zu. Die Aktie wurde um 33 Prozent nach oben katapultiert – das Plus in 2026 beträgt schon 230 Prozent.

29 Dax-Unternehmen haben ihre Dividende erhöht

So kann jeder erkennen, dass sich die Aktienmärkte auch dank der sehr gut verlaufenen Gewinnsaison in den USA im zweiten Quartal sehr positiv entwickelt haben: Der Dax legte seit Anfang April um elf Prozent zu und der Euro Stoxx 50 um neun Prozent – der US-amerikanische S&P 500 kletterte sogar um 15 Prozent. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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