Aktion „Achtung, Schulweg!“ 1300 Gefahrenstellen auf Stuttgarts Schulwegen
Unsere Mitmachaktion zeigt, wo Eltern die Schulwege als gefährlich empfinden. Eine Schule liegt mit großem Abstand vorn – und zwar nicht zum ersten Mal.
Unsere Mitmachaktion zeigt, wo Eltern die Schulwege als gefährlich empfinden. Eine Schule liegt mit großem Abstand vorn – und zwar nicht zum ersten Mal.
Stuttgarts gefährlichster Schulweg führt weiterhin zur Vogelsangschule. 2023 hat die Fahrradinitiative „Kidical Mass“ den Wegen rund um die Grundschule in Stuttgart-West nach einer Vor-Ort-Begehung den zweifelhaften Titel verliehen, nun wird diese Wahrnehmung durch unsere Aktion „Achtung, Schulweg!“ bestätigt.
Nicht weniger als 90 Meldungen zu Gefahrenstellen gingen zu den Vogelsang-Schulwegen ein, bei rund 1300 insgesamt seit Ende Juli. Das ist mit großem Abstand der erste Platz, vor der Marienschule (50) sowie der Schwabschule und der Grundschule Heumaden (je 44).
Sämtliche gemeldeten Gefahrenstellen haben wir auf der Karte verortet. Geben Sie den Namen der Schule ein, um alle Meldungen zu sehen. Der Klick auf einen Punkt zeigt Ihnen die Details an sowie einen Link zu Google Streetview.
Die Eltern der Vogelsang-Schüler empfinden vor allem die Straßenecken an der Paulus- und Seyfferstraße als gefährlich. Die allermeisten davon beziehen sich auf zugeparkte Straßen oder schlechte Sicht. Das Problem ist nicht nur bekannt und wird von der Elterninitiative „Macht Platz“ intensiv bearbeitet, sondern es ist auch scheinbar nicht zu lösen – wie das Ordnungsamt selbst eingestanden hat.
Morgendliche Parkverstöße werden zwar immer wieder mal kontrolliert, liegen aber nicht im Fokus der Verkehrsüberwachung. Dazu komme das Problem der Elterntaxis, meint die Rektorin Karin Lehr. Auf einer Karte zeigen sich zumindest für Ortskundige sehr eindeutig, wo die Probleme liegen.
Schwerpunkte sind Elterntaxis im unmittelbaren Umfeld der Schule sowie überhöhte Geschwindigkeit in der Gutenbergstraße (Tempo 30) und Rötestraße (Spielstraße), als gefährlich empfundene Straßenbahnübergänge an der Bebelstraße – und die vielen zugeparkten Straßenecken.
Dass von der Vogelsangschule so viele Meldungen eingingen, hat auch mit den sehr aktiven Eltern dort zu tun. Tatsächlich gingen bis auf zwei von allen Grundschulen Meldungen ein.
Zur Mehrzahl der Grundschulen wurden zehn oder mehr Meldungen eingebracht. Die Tabelle zeigt, wie viele Gefahrenstellen zu jeder Schule gemeldet wurden und welches die häufigsten Kategorien sind.
Auffällig ist, dass die zwei am häufigsten genannten Kategorien sich auf Probleme beziehen, die mit dem Auto zu tun haben. Dass diese zu schnell fahren, wird insbesondere an den Grundschulen Gaisburg und Hofen sowie der Bachschule in Feuerbach als gefährlich empfunden.
Das muss nicht bedeuten, dass Autos mit 60 km/h durch den Ort schießen. Häufig wird in den Meldungen betont, dass es keinen Gehweg gibt oder die Autos für eine Spielstraße zu schnell unterwegs sind – dafür reichen auch schon 20 oder 30 Stundenkilometer.
Zugeparkte Straßenecken sind ebenfalls ein im Wesentlichen durch Autos verursachtes Problem. Nicht nur von der Vogelsangschule gingen sehr viele solcher Meldungen ein, sondern auch von der Falkert-, Schwab- und Marienschule in Stuttgart-West und Stuttgart-Süd.
Schlechte Sicht beim Überqueren von Straßen ist also vorrangig ein Innenstadtproblem. Ein Elterntaxi-Problem wurde dagegen von der Grundschule Sommerrain gemeldet, wo sich direkt vor dem Schuleingang Autos und Kinder in die Quere kommen.
Die Aktion „Achtung, Schulweg!“ zeigt damit sowohl in der Masse als auch beim Blick auf einzelne Schulen und problematische Stellen im Straßenraum, wie es um die Sicherheit auf Stuttgarts Schulwegen bestellt ist. Nicht überall, aber an vielen Stellen enthalten die Meldungen der Eltern auch Verbesserungsvorschläge. Damit vor Ort damit weiter gearbeitet werden kann, stellen wir die vollständige Liste der (anonymisierten) Meldungen im Internet zur Verfügung.
Das kann beispielsweise Bezirksbeiräten helfen, um vor Ort für Verbesserung zu sorgen. Die am Freitag in Kraft getretene novellierte Straßenverkehrsordnung wird manches möglich machen, was bisher nicht ging – sicherlich auch an einigen der 1300 Stuttgarter Gefahrenstellen.
Sämtliche Berichte aus unserem Projekt finden Sie auf dieser Themenseite. Am Sonntag diskutieren wir die Ergebnisse des Projekts zudem im Kulturzentrum Merlin. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen kurzfristig noch möglich.
Interaktiv
Auf unserer interaktiven Karte stellen wir die anonymisierten Meldungen der Eltern dar. Die Karte ist nach Schulen durchsuchbar. Mit einem Klick auf ein Meldungssymbol erhalten Sie Informationen über die gemeldeten Gefahren, eine Kurzzusammenfassung des Problems sowie unter „Details“ die vollständige Problembeschreibung aus der eingereichten Meldung.
Methodik
In einigen Fällen mussten angegebene Koordinaten korrigiert werden. Die Texte der Meldungen wurden auf Rechtschreibung geprüft und um persönliche Informationen bereinigt. Die Kurzzusammenfassungen wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) formuliert und von unserer Redaktion geprüft.