Aktion „Achtung, Schulweg!“ 15 gefährliche Stellen auf Schulwegen – was die Stadt dazu sagt

Selbst Zebrastreifen garantieren keinen sicheren Schulweg – schreiben Eltern im Rahmen unseres Projekts „Achtung, Schulweg!“ Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Mit unserer Aktion „Achtung, Schulweg!“ bitten wir um Hinweise auf Gefahrenstellen. Nun reagiert erstmals die Stadtverwaltung. Sie verspricht in fünf Fällen Besserung. Warum sind die Eltern trotzdem nicht zufrieden?

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Mittlerweile haben Eltern, Lehrkräfte und Anwohner im Rahmen unserer Mitmachaktion „Achtung, Schulweg!“ fast 1000 Gefahrenstellen gemeldet. Als es noch rund 500 waren, hat unsere Redaktion eine Auswahl von 15 Meldungen der Stadtverwaltung vorgelegt. Die gemeldeten Stellen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und zeigen, wie vielfältig die Gefahren auf den Schulwegen sein können.

 

Mitmachen! Wir sammeln im Rahmen unserer Aktion „Achtung, Schulweg!“ Hinweise auf Gefahrenstellen an Stuttgarter Schulwegen. Melden Sie Hinweise anonym und schnell über dieses Formular.

Mal geht es um Abkürzungen, die auch Grundschulkinder gerne nehmen. Mal um innerörtliche Raserstrecken, dann um ungeschickt platzierte Werbeschilder, morgendliche Schleicherstrecken, häufig übersehene Zebrastreifen – und vieles mehr. In den Meldungen schildern die Betroffenen ihre Sicht. Was aber ist die der Stadtverwaltung?

Mittlerweile sind die Antworten da. In der Mehrzahl der Fälle wiegelt das Ordnungsamt ab: Probleme seien entweder bekannt oder zu den konkreten Orten bislang nicht gemeldet, man könne aus technischen oder verkehrsrechtlichen Gründen nichts unternehmen, der Schulwegplan berücksichtige die Gefahrenstellen ohnehin schon und empfehle deshalb ganz bewusst Umwege.

Fünf Schulwege, auf denen sich etwas ändert

In fünf Fällen aber wird sich infolge der Meldungen etwas ändern. An der Steinhaldenfeldschule (Bad Cannstatt) gibt es Beschwerden über die Fahrdienste der Helene-Schoettle-Schule, die den Gehweg zuparken. Sie werden erneut ermahnt, dies nicht zu tun. In der Tübinger Straße wird zum Schuljahresbeginn verstärkt kontrolliert, insbesondere beim Überweg Richtung Marienschule (Süd).

An der Paradiesstraße (Schulweg zur Österfeldschule, Vaihingen) wird der Vorschlag zur Einrichtung einer Einbahn- beziehungsweise Fahrradstraße aufgegriffen und überprüft. An der Gebelsbergstraße (Schulweg zur Wilhelm-Hauff-Schule, Heslach) wird eine verbesserte Beschilderung geprüft und eine Abstellverbotszone für E-Scooter angeordnet. Auch der Beschwerde wegen winterlicher Glätte auf dem Weg zur Pestalozzischule (Rohr) will das Ordnungsamt nachgehen. Bei einem problematischen Zebrastreifen unweit der Grundschule Heumaden „läuft die Prüfung zur Aufrüstung des Zebrastreifens bereits“, teilt das Ordnungsamt mit.

Karte mit allen Meldungen

Die vollständige Auswahl der 15 Gefahrenstellen, die unsere Redaktion dem Ordnungsamt vorgelegt hat, zeigen wir in der Karte. Klicken Sie auf die Punkte für die Schilderung des Problems, die Antwort des Ordnungsamts sowie eine Street-View-Ansicht des gemeldeten Stelle.

Wo die Stadtverwaltung keine Möglichkeiten zum Handeln erkennt, sind die Eltern selbstredend enttäuscht. Dass auf der Solitudestraße zwischen Weilimdorf und Korntal regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen stattfinden, helfe nichts, „diesen Wahnsinn“ zu beenden, schreibt der Vater, von dem die Meldung ausgeht. Er empfiehlt stationäre Blitzer und Ampeln – „so wie vor ein paar Jahren in der Theodor-Heuss-Straße“.

Zum Bauernwaldweg (Kirchhaldenschule) schreibt eine Mutter, die Durchfahrtskontrollen hätten auch während des Lockdowns stattgefunden – „und seien Sie sicher, es wird schnell gefahren“.

Zur „Aufrüstung des Zebrastreifens“ unweit der Grundschule Heumaden zeigt der meldende Vater Mails, die teils sechs Jahre zurückreichen. Damals ging es um verstärkte Kontrollen – und „Möglichkeiten zur dauerhaften Verbesserung“. Passiert ist seither offenbar wenig. Zum Hinweis, der Zebrastreifen sei nicht Teil des Schulwegs, schreibt er: „Ich muss mich doch als Bürger (und noch viel mehr als Minderjähriger) darauf verlassen können, dass ein Zebrastreifen generell sicher ist und nicht nur mit einer gesonderten Kennzeichnung.“

Wie Sie mitmachen können

Die Aktion „Achtung, Schulweg!“ läuft bis zum 13. Oktober. Unsere Redaktion sammelt mit einem vom Recherchenetzwerk Correctiv entwickelten, einfach und anonym zu bedienenden Online-Fragebogen Hinweise auf Gefahrenstellen. Diese dienen uns als Grundlage für eine vertiefende Berichterstattung zum Thema. Zum Ende des Projekts veröffentlichen wir alle Meldungen in Form einer Karte. Unsere Berichterstattung im Rahmen des Projekts finden Sie auf dieser Themenseite.

Am Sonntag, 13. Oktober findet zum Abschluss des Projekts zudem eine Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Merlin statt. Beginn ist um 11:30 Uhr, die Anmeldung ist kostenlos unter diesem Link möglich. Die Zahl der Plätze ist auf 100 begrenzt.

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