Aktion an Grundschule Flacht 800-m-Läufer rennt mit Kids um die Wette – und unterschreibt alles

Mittendrin statt nur dabei: Beim Laufabzeichen macht Alexander Stepanov natürlich mit. Foto: Flemming Nave

Der Leichtathlet des VfL Sindelfingen begleitet die Grundschüler beim Laufabzeichen. Seine Karriere wurde durch eine schwere Verletzung beinahe vorzeitig beendet.

Leonberg: Flemming Nave (nave)

Alexander Stepanov läuft die 800 Metern in 1:44:17 Minuten. Das ist nur eine Hundertstelsekunde langsamer als der Bestwert von Olympiasieger Nils Schumann und eine gute halbe Sekunde langsamer als der deutsche Allzeitrekord.

 

Seine Teilnahme am Laufabzeichen der Grundschule Flacht beendet er aber bereits nach 15 Minuten, zusammen mit den Erst- und Zweitklässlern. „Dass es mir schwerfiel, war natürlich gelogen, damit die Kinder motiviert sind, mich zu schlagen. Sie haben die ganze Zeit gesagt, sie wollen schneller sein als ich“, verrät Alexander Stepanov, der nach dem absolvierten Laufen um Autogramme belagert wird. T-Shirts, Schuhe, Unterarme – alles bekommt eine Signatur.

Jugend trainiert für Olympia: Schulleiterin wünschte sich Läufer

Der Mittelstreckenläufer vom VfL Sindelfingen besuchte die Grundschule im Rahmen der Initiative „Jugend trainiert für Olympia“, bei der die Schule unter anderem einen Besuch eines Sportlers gewann. Um diesen mit dem jährlich absolvierten Laufabzeichen zu verknüpfen, hatte Ute Schuler explizit den Wunsch nach einem Laufsportler hinterlegt, wie die Schulleiterin verrät.

Auf Wunsch von Schulleiterin Ute Schuler (re.) kam Alexander Stepanov (li.) an die Grundschule Flacht. Foto: Flemming Nave

In Stepanov wurde ein solcher gefunden, der sich vor der körperlichen Arbeit den Fragen der Kinder stellt. Er erzählt von seinen sportlichen Erfolgen, diese können sich sehen lassen. Deutscher Meister 2025 und Deutscher Hallenmeister 2024 und 2026 über die 800 Meter, ein baden-württembergischer Rekord, dazu Teilnahmen an Wettkämpfen in Polen, Norwegen, Spanien und Israel. Sein Highlight: die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Tokio. „Es ist eine so große Stadt, so viel Neues, was ich nie erlebt habe“, schwärmt der 21-Jährige, der auf eine beeindruckende Vita zurückblickt.

Schwere Fußverletzung bremste Leichtathlet Alexander Stepanov lange aus

Dabei wäre all das vielleicht nie passiert. Ein Bruch des Wurzelknochens im linken Fuß warf den Mittelstreckenläufer 2021 zurück und brachte ihn beinahe zum Aufgeben. Den Schmerz nahm er eingangs kaum wahr. „Ich dachte, es ist nicht so schlimm und habe weiter trainiert“, erzählt Stepanov. Sogar Wettkämpfe absolvierte er noch. Doch nach stärkeren Schmerzen und einem Arztbesuch musste er sechs Wochen mit einer Orthese verbringen, danach brauchte er über ein Jahr, um wieder in Form zu kommen.

Besonders die Psyche machte dem damaligen Teenager schwer zu schaffen. „Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben, ich war wirklich am Boden“, gibt er Einblicke. Er dachte ans Aufgeben, seine Eltern, selbst ehemalige Mittelstreckenläufer, motivierten ihn wieder. „Sie sind immer eine wichtige Stütze für mich“, sagt Stepanov dankbar. Die Psyche sei in seinem Sport der wichtigste Faktor, „am Ende gewinnt der, der gelassen, aber auch mutig läuft“, erklärt der Läufer. Heute könne er vor dem Hintergrund seiner bisherigen Errungenschaften nicht mehr aufgeben. Er strebt weitere Ziele an, wie ein WM-Finale und die Olympischen Spiele.

Natürlich muss der Gast fleißig Autogramme schreiben. Foto: Flemming Nave

Zurzeit ist Alexander Stepanov Vollzeit-Athlet, der VfL Sindelfingen, die deutsche Sporthilfe und sein Ausrüstervertrag mit der Firma Nike machen es möglich. Doch auch für die Zeit nach der aktiven Karriere hat er schon klare Pläne. Er strebt eine Karriere bei der Polizei an, der Einstellungstest ist bereits absolviert und – natürlich – auch bestanden.

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