Aktion für saubere Seen Sogar Baustellenschilder – was sich in den Böblinger Stadtseen so alles findet

Ehrenamtliche entfernten am Samstag unter der Leitung von Andreas Mohn (links) Müll aus den Böblinger Stadtseen. Foto: Eibner/Naman Kala

Am World Cleanup Day haben die Ehrenamtlichen des Kreisfischereivereins Böblingen haufenweise Unrat aus den Stadtseen entfernt.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Ralf Sklarski geht im Stechschritt in Gummistiefeln entlang der Böblinger Stadtseen. „Das sind meine Baustellenschilder“, sagt der Bauunternehmer, der am Samstag mit dem Kreisfischereiverein Böblingen statt Fischen jede Menge Müll aus den Böblinger Stadtseen angelt. Neben den Baustellenschildern des Unternehmers finden die Ehrenamtlichen bei ihrer Müllsammelaktion im Zuge des sogenannten World Cleanup Day unter vielen anderen Gegenständen auch noch ein Kinderfahrrad, Geldbeutel und eine Peitsche.

 

Ob Unrat oder lang vermisste Gegenstände – auf dem Grund der Stadtseen sammelt sich einiges an. Regelmäßig schaut deshalb der Kreisfischereiverein nach dem Rechten in allen Seen im Kreis Böblingen. Cityroller, E-Scooter, Aktenkoffer mit Laptops, Geldkassetten: Das sind nur einige der Dinge, die die Fischer über die Jahre aus den Gewässern gezogen haben. „Dieses Jahr hält es sich Grenzen“, sagt Andreas Mohn über die Menge an Müll, die gefischt wurde. Der Ehninger ist zweiter Gewässerwart beim Kreisfischereiverein und kümmert sich um die Arbeitsdienste, die die Ehrenamtlichen jedes Jahr ableisten. Trotzdem schätzt er, dass sich rund eine Tonne an Abfall im Wasser angesammelt hat, den die Ehrenamtlichen auf dem Wertstoffhof entsorgen.

Mit Wurfankern und Magneten suchen die Fischer nach Müll

Mit Hilfe von Wurfankern und Magneten durchforsten die Fischer an diesem Samstagmorgen den Oberen See. Mit Gummistiefeln, die ihm bis zu den Knien reichen, steht Andreas Mohn im Wasser und zieht ein nicht genau definierbares, mit Seeschlamm überzogenes Stück Stoff aus dem See. Zu Fuß durch den See zu waten, geht an diesem Wochenende, da das Wasser des Oberen Sees etwas abgelassen wurde. Grund dafür seien Messungen, die die Stadt veranlasst hat, da der See im nächsten Jahr entschlammt werden soll, erklärt Andreas Mohn. Ein Umstand, der es den Fischern bei ihrer besonderen Mission an diesem Wochenende erleichtert, den See vom Müll zu befreien.

In regelmäßigen Abständen nehmen die Kreisfischer übrigens auch Proben, um die Wasserqualität der Seen zu überprüfen. „Ich würde den Böblinger Seen gerade eine drei plus geben“, sagt Andreas Mohn.

Baustellenschilder, Schirme und allerlei Unrat haben die Fischer aus dem Oberen See gezogen. Foto: Eibner/Naman Kala

Vor allem nach Silvester sind die Böblinger Seen regelmäßig in einem schlimmen Zustand, wie die Experten wissen. „Mein erster Arbeitsdienst im neuen Jahr wird direkt nach Silvester sein“, weiß Andreas Mohn schon jetzt. Böller, Raketen, Alkoholflaschen und Dosen dümpeln dann im Wasser oder auf einer Eisschicht, wenn es zur Jahreswende kalt ist. Besonders die Chemikalien in den Böllern seien schlecht für die Fischbestände, erklärt der Gewässerwart.

Erst Anfang dieses Jahres schlugen die Kreisfischer Alarm, nachdem jede Menge Unrat sich nach der Silvesternacht auf der dünnen Eisschicht des Sees gesammelt hatte. Am Ende standen wieder die Ehrenamtlichen in der undankbaren Pflicht, den Müll der Feiernden wegzuräumen.

Neben dem Müll, den Menschen verursachen, sind die Ehrenamtlichen, die sich um die Gewässer kümmern, auch immer wieder darum bemüht, das Ökosystem rund um die Seen im Gleichgewicht zu halten. Gänse und Kormorane seien beispielsweise eine hohe Belastung für die Stadtseen. „Kormorane können pro Tag ein halbes Kilo Fische essen“, erklärt Andreas Mohn. Für einige Zeit war der Kormoran hierzulande beinahe ausgerottet, doch nun ist er wieder auf dem Vormarsch. Die großen schwarzen Vögel stellen eine große Gefährdung für die Fischbestände im Zentrum Böblingens dar.

Zander, Hecht, Barsch, Karpfen und zahlreiche Kleinfische tummeln sich in den Stadtseen. „Die Fische kann man bedenkenlos essen“, sagt Andreas Mohn. Leider weiß das auch der Kormoran, der aufgrund milder Winter kaum mehr in den Süden fliegt und sich am Fischbestand des flachen Gewässers in der Stadt bedient, was die Fischbestände dort stark dezimiert.

Die Nilgänse an den Seeufern sind nur schwer zu vergrämen

Neben den Kormoranen bereitet den Fischern auch die hohe Zahl der Nilgänse am Böblinger Seeufer Sorgen. Nicht nur für Spaziergänger entlang der Uferpromenade ist der Kot der Vögel ziemlich unerfreulich, auch das Wasser wird dadurch belastet. „Wir sind deswegen im Gespräch mit der Stadt“, sagt Andreas Mohn. Denn die Gänse zu vergrämen, ist gar nicht so einfach: In der Vergangenheit setzte die Stadt sogar einen Seeadler ein, um die Nilgänse abzuschrecken. Mittlerweile ist die Kommune allerdings dazu übergegangen, die Eier auszutauschen und durch Attrappen zu ersetzen, um die Bestände zu regulieren.

World Cleanup Day

Aktion
Am Samstag, 20. September, fand der World Cleanup Day statt. An diesem Tag setzen sich Bürgerinnen und Bürger weltweit für eine saubere Umwelt ein. 2025 haben rund 23 Millionen Menschen aus 190 verschiedenen Ländern an Müllsammelaktionen teilgenommen.

Kreisfischereiverein
Immer wieder befreien die Ehrenamtlichen des Kreisfischereivereins Böblingen die Seen im Kreis Böblingen von Müll und Unrat. Dieses Jahr legten die Fischer den Schwerpunkt ihrer Aktion auf die Stadtseen, im Jahr zuvor, nahmen sie sich dem Böblinger Murkenbachsee an.

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