Bei der Stadtputzete in Göppingen sind zahlreiche Helfer aktiv. Auch Oberbürgermeister Alex Maier stößt dazu, beklagt die Mentalität der Verschmutzer.

Das nasskalte Wetter hat sie nicht abgeschreckt. Mehr als 1400 Freiwillige hatten sich bereits im Vorfeld angemeldet, um bei der Göppinger Stadtputzete mitzuhelfen. Das erklärte Ziel: Gemeinsam öffentliche Flächen von Müll zu befreien und ein Zeichen für Umweltbewusstsein und Engagement zu setzen. Zu Werke gingen die Beteiligten in allen Stadtgebieten und Stadtteilen. Allein rund 1200 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Göppinger Schulen waren bei der Aktion dabei, wie Isabel Glaser von der AG Sauberes Göppingen betonte. In der Innenstadt versammelten sich laut Martin Bender von der Göppinger Clean-up-Initiative etwa 50 Teilnehmer in gelben Warnwesten. Mitunter auch dabei: die frisch in den Landtag gewählte und künftige Abgeordnete der Grünen, Mariska Ott. Etwas später stößt auch der Göppinger Oberbürgermeister Alex Maier dazu.​​

 

Zum Start wurden die Sammelgebiete eingeteilt und Rüstzeug wie Zangen, Handschuhe und Müllbeutel verteilt. Die große Teilnehmerzahl zeige, so Mit-Initiator Martin Bender, wie wichtig der Bürgerschaft eine saubere Stadt sei. Zugleich rühmt er beispielhaft Initiativen wie etwa die der Schiller-Realschule, die einmal pro Woche den wilden Müll im Schlosspark sammelt, oder jene der Firma Teamviewer, die dreimal wöchentlich den Bereich um deren Firmensitz säubert. Er verweist auf weitere Initiativen, auch von privater Seite. Dies seien „unsere stillen Putzhelden, die unsere schöne Stadt sauber halten“ und eine „Stütze für die Stadt“. Dennoch räumt er ein: „Die Vermüllung im öffentlichen Raum nimmt zu“.

Diesen Befund bestätigt auch Sebastian Pudlis vom Göppinger Bauhof. Bei diesem Thema gehe „die Tendenz nach oben“. Jede Woche sammelten 30 Mitarbeiter des Bauhofs tonnenweise wilden Müll ein. Man sei jeden Tag draußen, es sei „ein immenser Aufwand“, berichtet er.

8000 bis 10.000 Zigarettenkippen

Und dann schwärmen die Helfer in kleinen Gruppen aus, nachdem ihnen Bender „viel Spaß und bloß keine Unfälle“ wünscht. Zwei Stunden lang sammeln sie Dosen, Kartons, zahllose Flaschen und allerhand Verpackungsmaterial. Die Säcke stellen sie an Sammelpunkten ab, fotografieren sie und schicken die Bilder per E-Mail an den Bauhof, der den Müll im Nachgang abholt. Ein besonderes Problem stelle die „Zigarettenflut“ dar, sagt Bender. Die Kippen steckten zwischen dem Pflaster, würden in öffentliche Pflanzbehälter gedrückt und allgemein achtlos weggeworfen. „8000 bis 10.000 Kippen“ kämen da in kurzer Zeit zusammen, eine „immense Menge“ an „vielen kleinen Giftbomben“, wie Bender es beschreibt. Für eine finale Bilanz ist es an diesem Tag noch zu früh, doch er schätzt den gesammelten Müll auf nahezu eine Tonne.

Am Ende treffen sich alle im Göppinger Bürgerhaus. Zur Belohnung gibt es Brezeln, Gebäck und Getränke. Auch aus Faurndau und Holzheim sind einige gekommen. Man diskutiert. Auch und gerade über die „vielen kleinen Giftbomben“, denn sie machen einen erheblichen Teil des Sammelaufwands aus. Mit Blick auf den ganzen wilden Müll sagt OB Maier: Es sei frustrierend und „brutal, was da alles rumliegt“. Im Stadtgebiet gebe es rund 640 öffentliche Mülleimer, „alle paar Meter“ sei einer zu finden, viele mit aufgesetztem Aschenbecher. Trotzdem schmissen manche das Zeug irgendwohin, nach dem Motto: „Irgendein Depp sammelt es schon ein.“ Wenn sich Leute nicht an die Regeln hielten, könne auch der Staat nichts machen. Man habe die Strafen dafür bereits auf das Maximum von 250 Euro hochgesetzt, doch man erwische nicht jeden, so der OB, der an dieser Stelle auch gleich eine persönliche Ansage macht. Er selbst könne sich seit drei Wochen zu den Nichtrauchern zählen, sagt er unter Beifall.

OB: Wichtige Vorbildfunktion

Dann bedankt sich Alex Maier bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern: „Ich bin froh, dass wir Leute haben, die sich engagieren und bei Wind und Wetter in ihrer Freizeit den Müll anderer Leute wegräumen. Da sollten sich alle mal ein Vorbild nehmen, das ist wirklich ganz toll, weil am Ende des Tages müssen wir alle unseren Teil dazu beitragen, dass unsere Stadt sauber und sicher ist und wir uns gerne in unserer Stadt aufhalten.“​

Zu einer attraktiven Stadt beitragen

Organisation
 Die Stadtputzete wurde organisiert von der AG Sauberes Göppingen der Stadtverwaltung in Kooperation mit der „Initiative Clean-up Göppingen“. Martin Bender betont, man sei kein Verein, jeder könne spontan mitmachen und so zu einer sauberen und attraktiven Stadt beitragen.​

Termine
 Treffpunkt ist der letzte Samstag im Monat um 9 Uhr an der Stadthalle.