Denn ausgerechnet die Kapitänin, die in dieser Spielzeit maßgeblich zur bislang sehr erfolgreichen Bundesligasaison (19 Siege in 20 Spielen) beiträgt, wird den Club verlassen. Wohin sie geht? Ins Risiko.
Dieser Eindruck zumindest drängt sich auf, wenn man die Umstände des Abschieds am Saisonende betrachtet. Denn in Stuttgart hatte die 32-Jährige zuletzt im Grunde alles, was man sich als Sportlerin wünschen kann. Eine wichtige Rolle auf und neben dem Spielfeld. Einen Trainer, der ihr vertraut. Ein Team, das um Titel spielen kann. Ein Leistungsumfeld, das sie auch in der Nationalmannschaft vorangebracht hat. Und sogar: einen Vertrag für die kommende Saison.
Zumindest gab es eine beiderseitige Option – die der Club auch gerne gezogen hätte. „Wir hätten den gemeinsamen Weg gerne fortgesetzt“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion. Die Rahmenbedingungen wie das Gehalt waren in dieser Vertragsklausel bereits ausverhandelt. Antonia Stautz aber sagt: „Ich wollte die Option unter diesen Umständen nicht annehmen.“ Der Verein aber auch nicht nachverhandeln. Weshalb nun der bewusste Schritt ins Ungewisse erfolgt.
Noch nämlich hat die Außenangreiferin keinen neuen Verein gefunden, noch keinen Vertrag unterschrieben. Lediglich lose Vorgespräche habe es gegeben, sagt sie. Und ist dennoch „guter Dinge“, dass sich ihr Wunsch erfüllen wird. Von einem Engagement im Ausland, bestenfalls in Italien. „Man muss“, sagt Konstantin Bitter, „diesen Wunsch respektieren.“ Er gibt aber auch zu: „Dieser Abgang tut uns weh.“
Bitter kennt Stautz schon lange. In den fünf Jahren, in denen er bisher in der Bundesliga als Cheftrainer arbeitet, war die Nationalspielerin vier Spielzeiten lang eine seiner Spielerinnen. „Sie war immer eine, die viel Verantwortung übernommen hat“, sagt der Coach, „auch im Auftritt des Vereins nach außen. Das hat uns gutgetan.“ Auch der Volleyballerin selbst. Denn in Stuttgart hat sie im zweiten Vertragsjahr das geschafft, was ihr lange verwehrt geblieben ist: bei einem Topverein Schlüsselspielerin zu sein.
„Toni ist eine lange Zeit ihrer Karriere etwas unter dem Radar gelaufen“, sagt Konstantin Bitter, „aber sie hat immer an sich geglaubt und ist ihren Weg konsequent gegangen.“ Entsprechend ergänzt die Frau mit der Nummer 6: „Ich habe mir das lange und hart erarbeitet – und freue mich, dass es in Stuttgart so gekommen ist.“ Ausgestattet mit diesem neuen Selbstbewusstsein begibt sie sich nun auf die Suche nach einer neuen Herausforderung. „Ich weiß, was ich aufs Spiel setze“, sagt sie, „aber traue mir das, was ich in Stuttgart erreicht habe, auch anderswo zu.“ Davor hat sie aber noch etwas vor.
Abschied mit einem Titel?
„Die Lust“, sagt sie, „ist extrem groß.“ Darauf, sich mit einem Titel aus Stuttgart zu verabschieden. Die erste Chance wurde beim 2:3 gegen den VfB Suhl im Pokalfinale vertan – was Antonia Stautz besonders wurmt: „Da habe ich persönlich überhaupt nicht das gezeigt, was ich in dieser Bundesligasaison bislang gespielt habe.“ Mit ein paar Wochen Abstand sei diese Niederlage nun aber „ein Riesenansporn“, es im Rennen um die Meisterschaft besser zu machen. Am kommenden Sonntag (16 Uhr) beginnen mit dem Heimspiel gegen Schwarz-Weiß Erfurt die Play-offs. „Wir wollen“, sagt Konstantin Bitter, „Toni angemessen verabschieden.“
Den Coach treiben die Play-offs um, zugleich ist er in der Kaderplanung gefordert – und nun auch darin, einen Ersatz für Antonia Stautz zu suchen. „Wir haben keinen Stress“, sagt der Coach, der eine Spielerin sucht, die ein ähnliches Profil bietet, wie die in Gifhorn geborene Außenangreiferin: „Stark in der Annahme, in der Abwehr und beim Aufschlag – und mit einer guten Basis im Angriff.“ Dass diese durch eine deutsche Volleyballerin ersetzt wird, ist dabei zweitrangig und eher unwahrscheinlich. Denn Bitter betont: „Eine deutsche Spielerin haben wir auf dieser Position bereits.“
Er meint Leilani Slacanin. Die erst 17-jährige Außenangreiferin gilt als Toptalent. Wie Antonia Stautz gehört sie seit Sommer 2024 zum MTV-Kader – und soll im Gegensatz zu ihr aber noch lange bleiben.