Allianz MTV Stuttgart Pia Kästner – die Bessermacherin

Ist gekommen, um die Meisterschaft zu gewinnen: Zuspielerin Pia Kästner Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Zuspielerin Pia Kästner gibt womöglich schon an diesem Mittwoch in der Champions League gegen BKS Bostik ZGO Bielsko-Biala ihr Comeback für Allianz MTV Stuttgart: Die Verpflichtung von Deutschlands Volleyballerin des Jahres sorgt für großen Optimismus.

Der jüngste 3:0-Erfolg gegen den SC Potsdam war für Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart mehr wert als drei Punkte. Der Sieg brachte zudem Genugtuung, schließlich hatte der Meister gegen just diesen Kontrahenten zuvor zweimal verloren, darunter war die desaströse 1:3-Niederlage im Pokalviertelfinale. Er brachte aber auch Sicherheit, denn die Mannschaft zeigte, welches Potenzial in ihr steckt. Und er brachte Zuversicht. „Wir sind“, sagte Kapitänin Roosa Koskelo, „bereit für die nächsten Aufgaben.“ Bei denen es zudem neue Unterstützung geben könnte.

 

Pia Kästner, in der Woche vor Weihnachten überraschend als dritte Zuspielerin verpflichtet, steht kurz vor ihrem ersten Einsatz. Gegen den SC Potsdam zählte die Rückkehrerin bereits zum Kader, an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) könnte sie in der Champions League gegen BKS Bostik ZGO Bielsko-Biala aus Polen erstmals seit dem 3. Juni wieder auf dem Feld stehen. „Die Zeit, in der ich nicht spielen konnte, war sehr, sehr lang“, sagt Pia Kästner, „ich freue mich extrem, nun wieder dabei zu sein.“

Wechsel in die Reha

Die Zuspielerin, die 2019 mit Allianz MTV Stuttgart die Meisterschaft holte, ehe sie 2021 nach Mulhouse wechselte und anschließend zwei Jahre beim SSC Palmberg Schwerin Regie führte, hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Am 3. Juni feierte sie mit dem deutschen Nationalteam in der Nations League in Arlington/USA einen 3:1-Sieg gegen Bulgarien, danach wurden die Rückenschmerzen unerträglich. Pia Kästner (26) musste sich wegen eines Bandscheibenvorfalls operieren lassen, statt wie geplant ins italienische Vallefoglia zu wechseln, ging es in die Reha. Das war hart, aber kein Grund, um zu verzweifeln. „Ich bin gereift und geduldiger geworden“, sagt die 123-malige Nationalspielerin, „ich habe immer auf ein Ziel hingearbeitet.“ Das Comeback.

Pia Kästner (li.) und Annie Cesar bejubeln die Meisterschaft 2019. Foto: Baumann/Julia Rahn

Weil MTV-Trainer Konstantin Bitter mit der Entwicklung seiner zweiten Zuspielerin Milana Bozic haderte, bietet sich Pia Kästner in Stuttgart nun genau diese Chance: wieder ins Spiel zurückzufinden, in Form zu kommen, sich an die Belastungen zu gewöhnen. „Noch reagiert ihr Körper sehr sensitiv auf neue Impulse“, sagt Konstantin Bitter, „sie ist auf einem guten Weg, aber wir dürfen nicht zu schnell zu viel wollen.“ Und vor allem: zu viel erwarten.

Pia Kästner brauchte keine Eingewöhnungszeit

Pia Kästner wurde – trotz ihrer langen Verletzungsauszeit – auch 2024 als Deutschlands Volleyballerin des Jahres ausgezeichnet. Ihr persönlich hat diese Fan-Wahl sehr viel bedeutet („Die Ehrung zeigte, dass ich nicht vergessen worden bin“), und zugleich war sie Beleg für die großen Fähigkeiten der Zuspielerin. Pia Kästner ist zu einer Persönlichkeit gereift, die ein Team führen kann, auf und außerhalb des Feldes. „Noch ist sie nicht bei 100 Prozent, was wir wussten. Aber man sieht, wenn sie in der Halle steht, dass es sich um Pia Kästner handelt. Schon nach dem ersten Tag wusste sie, welche Angreiferin welchen Ball braucht“, erklärt Trainer Konstantin Bitter, „sie kann dem Team viel geben durch ihre Erfahrung, ihr Auftreten und ihren Spielwitz. Wenn sie wieder im Rhythmus ist, ist sie selbstverständlich in der Lage, uns besser zu machen.“ Genau das hat die Zuspielerin vor.

Denn Pia Kästner ist nicht nur nach Stuttgart gekommen, um hier wieder in der Bundesliga Fuß zu fassen. Sie will den letzten möglichen Titel holen. „Ich bin noch nie in der Mitte der Saison zu einer Mannschaft gestoßen. Wie dies geklappt hat und wie ich von den Spielerinnen aufgenommen worden bin, das macht mich sehr glücklich“, sagt sie, „jetzt will ich dem Team etwas zurückgeben. Ein bisschen Zeit, um in Topform zu kommen, habe ich ja noch – und am Ende wollen wir die Schale holen.“

In den Play-offs wird es wichtig

Es wäre die vierte Meisterschaft in Serie. In den beiden anstehenden Spitzenspielen bei Tabellenführer Dresdner SC (36 Punkte) an diesem Samstag und beim drittplatzierten SSC Palmberg Schwerin (34 Punkte) am Mittwoch geht es für Allianz MTV Stuttgart (34 Punkte) um eine möglichst gute Ausgangsposition, die Entscheidung aber wird erst in den Play-offs fallen. „Vor allem für diese finale Phase der Saison haben wir Pia Kästner verpflichtet“, sagt Kim Renkema, die Sportdirektorin des Meisters, „wenn unsere Rechnung aufgeht, wird sie unser Team dann, wenn es zählt, mit ihrer Führungsstärke auf ein höheres Level bringen.“

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