Alltag einer Mutter aus Leonberg „Im Familienalltag geht vieles unter“

, aktualisiert am 11.05.2026 - 16:59 Uhr
Der Muttertag soll ein Tag der Wertschätzung sein. Aber nicht jede Mutter empfindet das so. Foto: imago images

Eine Mutter aus Leonberg fordert ein Umdenken, um Mütter wirklich zu entlasten. Es geht um flexible Modelle und den Wunsch, dass Väter ihren echten Anteil an der Care-Arbeit leisten.

Volontäre: Jelena Maier-Kasparek (jem)

Zum Muttertag gehen die Meinungen auseinander. Aus feministischer Sicht wird häufig kritisiert, dass statt echter Verbesserungen für Mütter vor allem Konsum und die Romantisierung traditioneller Geschlechterrollen im Mittelpunkt stünden. Andere halten dagegen: Der Tag lenke Aufmerksamkeit auf Sorgearbeit, die im Alltag oft unterschätzt werde, er würdige zumindest symbolisch die Rolle von Müttern.

 

Diese Auffassung teilt auch Julia Witte (Name geändert) – aber nur teilweise. Die 39-Jährige lebt in Stuttgart, arbeitet in Leonberg und ist Mutter von zwei Kindern. Für sie ist der Muttertag weniger ein Anlass für Geschenke als vielmehr ein Moment der Wertschätzung. „Im Familienalltag geht vieles schnell unter – deshalb finde ich es schön, wenn man sich bewusst Zeit nimmt, danke zu sagen“, sagt sie.

Witte arbeitet in Teilzeit mit einem 40-Prozent-Pensum, ihr Mann hat seine Stelle auf 75 Prozent reduziert. Damit ist ihre Familie eine Ausnahme: In Deutschland arbeiten nur 8,7 Prozent der erwerbstätigen Väter in Teilzeit, während es bei berufstätigen Müttern 74,4 Prozent sind.

Als Mutter ein Balanceakt zwischen Beruf und Familie

Die beiden Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren werden täglich von 9 bis 15 Uhr in der Kita betreut. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erlebt Witte dennoch als ständigen Balanceakt. „Man versucht, beiden Bereichen gerecht zu werden, und hat gleichzeitig häufig das Gefühl, irgendwo nicht genug zu sein.“

Bei der Betreuung setzen die Eltern bewusst auf ein partnerschaftliches Modell. Witte möchte ein 50/50-Prinzip vorleben und auf gleichberechtigte Elternschaft setzen. „Ich bin froh, mich nicht entscheiden zu müssen, sondern beides leben zu können“, sagt sie. „Aber Männern wird diese Frage, glaube ich zumindest, nie gestellt.“

Die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter empfindet sie dagegen oft als widersprüchlich: Man solle beruflich engagiert, präsent für die Kinder, organisiert, geduldig und „gleichzeitig absolut entspannt“ sein. Dabei hätten insbesondere berufstätige Mütter eine dauerhafte Mehrfachbelastung.

Sie möchte, dass „die eigene Arbeit gesehen wird“

„Viele organisieren neben dem Beruf weiterhin den Großteil des Familienalltags mit. Dazu kommen Themen wie fehlende Betreuungsangebote, mentale Belastung und oft auch der eigene Anspruch, überall funktionieren zu wollen“, sagt Witte.

Von Politik und Gesellschaft wünscht sie sich deshalb flexiblere Arbeitsmodelle, verlässliche Kinderbetreuung – „und ein Verständnis dafür, dass Care-Arbeit einen enormen Wert hat“. Außerdem fordert sie mehr Gleichberechtigung bei der Verantwortung für die Familie: „Dass Männer nicht nur Kinder haben, sondern auch Väter sein wollen.“

Statt Blumen am Muttertag bedeuten Witte darum „echtes Interesse, ungefragte Unterstützung und das Gefühl, dass die eigene Arbeit gesehen wird“ viel mehr. Denn am Ende, sagt sie, sei ehrliche Aufmerksamkeit im Alltag das, was wirklich zähle.

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