Werden auch in Polen ein starkes Defensiv-Duo bilden: die Stuttgarter Ben Wenzler (li.) und Marko Vidackovic. Foto: Imago/Beautiful Sports, Eibner
Nach der Insolvenz von Stuttgart Surge sind die Akteure des ELF-Meisters gefragt: Ben Wenzler und Marko Vidackovic wechseln zu den Wroclaw Panthers, andere bleiben in der Region.
Noch immer ist nicht klar, ob es im Sommer 2026 eine europäische Liga geben wird, die Football auf hohem Niveau präsentiert. Am ehesten zugetraut wird dies dem Konstrukt mit dem Namen American Football League Europe (AFLE), dem sich auch die Wroclaw Panthers angeschlossen haben. Die Franchise aus dem polnischen Breslau hat vor, eine erfolgreiche Saison zu spielen – und verpflichtet dafür drei Akteure, die wissen, wie man Titel holt.
Stuttgart Surge gewann im September die Meisterschaft in der European League of Football (ELF), trat anschließend aber den Gang in die Insolvenz an. Nun wechselt ein Trio des Champions zu den Wroclaw Panthers: Wide Receiver Mike Harley Jr., der sich derzeit in Miami fit hält, geht ebenso nach Polen wie die Stuttgarter Defensivspezialisten Ben Wenzler und Marko Vidackovic – alle drei hatten großen Anteil am Surge-Triumph. „Bei den Panthers passiert enorm viel. Das ist eine starke Organisation, die in der Vergangenheit sehr gut funktioniert hat“, sagt Ben Wenzler, „ich wäre sicher in Stuttgart geblieben, wenn es dort weitergegangen wäre. Doch jetzt freue ich mich auf die neue Herausforderung im Ausland.“
Fünf Monate als Football-Vollprofi
Für fünf Monate wird Ben Wenzler, der Sportwissenschaft in Tübingen studiert und seine Bachelor-Arbeit abgeschlossen hat, ein Appartement in Breslau beziehen. „Wohnung, Bahncard, Verpflegung, Physiotherapie – der Verein kümmert sich um seine Spieler“, sagt der Defensive Back, „ich freue mich sehr darauf, eine Zeit lang wie ein Vollprofi leben und täglich trainieren zu können – mal schauen, was ich leistungsmäßig noch aus mir herausholen kann.“
Ein Vorteil ist, dass Ben Wenzler wie bei Stuttgart Surge und in der deutschen Nationalmannschaft an der Seite von Marko Vidackovic spielen wird. „Wir haben zusammen bei den Scorpions mit Football begonnen und sind gute Kumpels“, erklärt er, „auf dem Feld haben wir die perfekte Abstimmung.“ Nicht ausgeschlossen ist laut Ben Wenzler, dass ihnen weitere Surge-Kollegen nach Polen folgen: „Ein bis zwei Spieler sind noch in Gesprächen.“
Dass die Wroclaw Panthers voll auf die AFLE setzen, hält der Stuttgarter für die richtige Entscheidung. „Ich bin überzeugt, dass dies für 2026 die beste Wahl ist“, meint Ben Wenzler, „die Verantwortlichen dieser Liga haben viele Dinge gut organisiert, die AFLE hat im Karussell der verschiedenen Ligen die höchste Überlebenschance.“
Spielt Louis Geyer künftig für die Munich Ravens? Foto: Imago/Foot Bowl
Welchem Konstrukt sich die Munich Ravens anschließen werden, ist noch offen. Als sicher gilt, dass sich auch der bisherige ELF-Club mit mehreren Ex-Stuttgartern verstärken wird – gleich fünf Akteure des Meisters sollen in München bereits zugesagt haben. Nach Informationen unserer Zeitung ist der größte deutsche Surge-Star darunter: Louis Geyer, der im Finale 2025 gegen die Vienna Vikings drei Touchdowns erzielte und zum wertvollsten Akteur des Endspiels gekürt wurde, soll auf der Einkaufsliste der Ravens ganz oben gestanden haben. Ob der Wechsel nach München schon perfekt ist, ließ sich allerdings nicht verifizieren – der Wide Receiver hat auf Anfragen unserer Zeitung in dieser Woche nicht reagiert. Egal in welcher europäischen Liga die ambitionierten Ravens am Ende auflaufen werden, angesichts des Kaders, der sich abzeichnet, halten Experten sie schon jetzt für einen Titelkandidaten. Und auch zwei Clubs aus der eine Klasse tiefer angesiedelten German Football League (GFL) werden Nutznießer der Insolvenz in Stuttgart sein.
Als Jordan Neuman Ende 2022 Schwäbisch Hall verließ, um Cheftrainer der Surge zu werden, folgten ihm etliche Spieler der Unicorns nach Stuttgart. Nun gehen einige den umgekehrten Weg. Neben Surge-Quarterback Lars Heidrich („Nach zwei Workouts mit dem Team hat es sich direkt richtig angefühlt – es passt alles“) wechseln auch Julian Ludwig Mayorga, Lukas Levin, Julian Jakob und Lenno Reinhardt nach Schwäbisch Hall. Zudem wird Cody Pastorino, einer der wichtigsten Assistenten von Jordan Neuman, bei den Unicorns neuer Defensive Coordinator. Gut möglich, dass dieses Sextett in der nächsten Saison auf ehemalige Surge-Kollegen treffen wird.
Denn auch der GFL-Konkurrent Pforzheim Wilddogs hat sich mit Footballern aus Stuttgart verstärkt – unter anderen kommen Konstantin Katz, Leonell Fritzen, Benhur Ayra, Bryan Yankson und Nathan Kalemba. „Mein Körper wird müde, es dürfte mein letztes Jahr als Footballer werden“, sagt Konstantin Katz, „weil die Stuttgart Scorpions leider nicht mehr hoch genug spielen, sind die Wilddogs die perfekte Lösung für uns. Wir alle gehen mit großen sportlichen Ambitionen nach Pforzheim.“